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Bioabfälle

Staatskanzlei

Bioabfälle

Studie zur "Bewertung der vorhandenen Bioabfallbehandlungsstandorte in Schleswig-Holstein im Hinblick auf eine Ergänzung um Vergärungstufen" (2/2010)

Hinweise zum Vollzug der novellierten Bioabfallverordnung (2012) (PDF 585KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Informationsveranstaltung zum Vollzug der Bioabfallverordnung (Juli 2014) (PDF 4MB, Datei ist nicht barrierefrei)

Zusammenfassung

In der Studie werden die bestehenden Kompostierungsanlagen in Schleswig-Holstein im Hinblick auf eine Ergänzung um Vergärungsstufen bewertet.
Anlass für die Erarbeitung der Studie ist die Diskussion über die Nutzung von Bioabfällen im Rahmen der Klimaschutzstrategie, denn Bioabfälle besitzen ein erhebliches Biogaspotential. Wie dieses Potential mit Blick auf die bestehende Anlagenstruktur in Schleswig-Holstein genutzt werden kann und welche ökologischen und ökonomischen Aspekte hierbei zu betrachten sind, ist Thema der Studie.
Zur Bearbeitung der Studie sind anlagenspezifische Daten und Informationen der bestehenden Kompostierungsanlagen ausgewertet und vorliegende konzeptionelle Ansätze und Planungen berücksichtigt worden, die maßgeblich zum Gelingen des Projektes beigetragen haben.
In der Studie werden Aspekte wie die

  • Beschreibung und Bewertung der verfügbaren Bioabfälle,
  • Beschreibung und Bewertung der bisherigen Verfahrenstechniken, Best-Practice-Beispiele für die Integration von Vergärung und Kompostierung,
  • Prüfung der Möglichkeiten einer effizienten Energieverwertung einschließlich Aufbereitung und Einspeisung ins Erdgasnetz,
  • Bewertung der ökologischen und ökonomischen Aspekte und
  • Zusammenfassende Bewertung des Anlagenbestandes

analysiert und bewertet.


Die Studie kommt dabei zu folgenden Ergebnissen:

Das derzeit bestehende Bioabfallaufkommen in Schleswig-Holstein kann durch Intensivierung der getrennten Erfassung mittelfristig von 205.000 Mg auf 240.000 Mg/a gesteigert werden. Zusätzlich können zwischen 50.000 und 60.000 Mg/a Bioabfall aus der Hansestadt Hamburg verwertet werden. Dieses Aufkommen überschreitet die derzeit installierte Anlagenkapazität. Ein nennenswerter Anteil von Bioabfall wird zzt. außerhalb des Landes Schleswig-Holstein verwertet.

  • Aus rd. 290.000 Mg/a Bioabfall könnte eine elektrische Leistung von ca. 6,7 MW und eine Wärmeleistung von ca. 7,1 MW erbracht werden. Bezogen auf den Durchschnittsverbrauch eines Einwohners von ca. 1.100 kWh/a könnten rd. 49.000 Einwohner in Schleswig-Holstein vollständig mit Strom aus Biogas versorgt werden.
  • Die bislang vorliegenden Erfahrungen zeigen, dass bei Integration einer Vergärungsanlage die Behandlung nicht einseitig auf einen möglichst hohen Gasertrag auszurichten ist, sondern die Randbedingungen zur Erzeugung hochwertiger (Fertig-) Komposte zu beachten sind.
  • In technischer Hinsicht könnten neben den beiden bereits bestehen Standorten mit Vergärungsstufen an allen sechs untersuchten Kompostwerksstandorten Vergärungsstufen etabliert werden. Welches Verfahren (Nassvergärung oder Trockenfermentation) in Frage kommt muss in Abhängigkeit der jeweiligen der Bioabfallzusammensetzung und der konkreten Standortsituation entschieden werden. In der Studie werden hierzu Hinweise und Beispiele für Best-Practice-Lösungen gegeben.
  • Für die Etablierung von Vergärungsstufen sind unter Wirtschaftlichkeits-aspekten bestimmte Anlagendurchsätze (über 15.000 Mg) erforderlich. Ebenso muss die langfristige Verfügbarkeit der Bioabfälle gegeben sein.
  • Für alle betrachteten Standorte werden die bestehenden Energieverwertungsmöglichkeiten aufgezeigt und Empfehlungen hierzu abgegeben. Danach können an allen Standorten sowohl Wärme verwertet als auch Möglichkeiten genutzt werden, das Biogas aufzubereiten und ins Erdgasnetz einzuspeisen.
  • Bei der Einschätzung der Wirtschaftlichkeit wird festgestellt, dass die aus der Energieverwertung stammenden Erlöse nach EEG den Kostenaufwand aus der Investition für die Vergärungsstufe nicht decken. Gründe hierfür sind der hohe Umweltstandard eingehauster Anlagen und die niedrigere Vergütung (kein NaWaRo-Bonus) für Anlagen zur Vergärung von Bioabfall.
  • Die Integration einer Vergärungsstufe könnte unter Berücksichtigung verschiedener Annahmen und Unwägbarkeiten zu einem zusätzlichen Preis von 20,00 € pro Mg Bioabfall führen. Unter der Annahme, dass 80 kg je Einwohner und Jahr gesammelt werden, würde sich ein Mehraufwand von 1,60 € je Einwohner und Jahr errechnen. Diese Mehrkosten könnten durch Mengensteigerungen aufgefangen werden.
  • Der Klimaentlastungseffekt durch die Vergärungsstufe wird auf mindestens 70 kg Kohlendioxidäquivalent je Tonne Bioabfall veranschlagt. Die Klimabilanz Schleswig-Holsteins kann bezogen auf 240.000 Mg Bioabfall um rd. 16.800 Mg entlastet werden.

Die Studie belegt, dass mit der Etablierung der Vergärungstechnologie und der kombinierten stofflichen und energetischen Verwertung von Bioabfällen in Schleswig-Holstein ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden kann. An allen betrachteten Standorten kann die Frage, ob eine Erweiterung um eine Vergärungsstufe unter technischen, ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll ist, mit ja beantwortet werden.
Die Studie bietet für alle Akteure der Bioabfallentsorgung, die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger und Anlagenbetreiber eine sehr gute Entscheidungsgrundlage und vielfältige Informationen über Verfahrens-techniken, standortspezifische Energieverwertungsmöglichkeiten, Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und ökologische Aspekte. Desweiteren werden vergaberechtliche Aspekte betrachtet.
Durch die Etablierung der Vergärungstechnologie und der kombinierten stofflichen und energetischen Verwertung von Bioabfällen kann die zukünftige Bioabfallentsorgung in Schleswig-Holstein stärker an den Zielen einer hochwertigen Bioabfallbehandlung unter Berücksichtigung des Klimaschutzes ausgerichtet werden.

Bioabfallstudie (PDF 2MB, Datei ist nicht barrierefrei)