Vergleichsarbeiten in Schleswig-Holstein (VERA)

Der Umgang mit den Ergebnissen

Vergleichsarbeiten bieten den Lehrkräften eine abgesicherte Bestandsaufnahme zum Lernstand der Schülerinnen und Schüler. Die Ergebnisse bilden darüber hinaus zusammen mit den in allen Verfahren angebotenen didaktischen Handreichungen eine gute Basis, um im Fachteam Schlussfolgerungen für die Gestaltung von Lernprozessen zu ziehen. Das setzt voraus, dass Ergebnisse in einer offenen Diskussion von den Lehrkräften in den Fachkonferenzen gemeinsam ausgewertet und systematisch für eine Weiterentwicklung des Unterrichts genutzt werden. Dazu erscheinen folgende Schritte sinnvoll:

1. Diagnose

Auswertung der Rückmeldungen zum Leistungsprofil einer Klasse auf vier Vergleichsebenen:

  • Vergleich mit den Parallelklassen: Wie schneidet eine Klasse im innerschulischen Vergleich ab? Welche Stärken/Schwächen zeigen sich?
  • Vergleich mit den Durchschnittswerten Schleswig-Holsteins: Wie schneidet eine Klasse im Vergleich zum Landesergebnis ab?
  • Vergleich mit Klassen aus einem Einzugsgebiet mit ähnlicher Schülerzusammensetzung: Wie schneidet eine Klasse im Vergleich mit Klassen anderer Schulen mit einem ähnlichen sozialen Hintergrund ab?
  • Vergleich mit den Normierungswerten der Bildungsstandards: Wie schneidet eine Klasse hinsichtlich der nationalen Standards ein bis zwei Jahre vor Abschluss des jeweiligen Bildungsganges ab?

Analyse einzelner Aufgaben und Fehlermuster:

  • Vergleich der Aufgabenschwierigkeit: Wo zeigen sich Unterschiede in der Lösungshäufigkeit von Aufgaben im Vergleich mit der Parallelklasse?
  • Identifikation von Fehlermustern: Gibt es Hinweise dafür, dass Fehler in bestimmten Bereichen systematisch auftreten, das heißt eine bestimmte Fehlerkategorie beschrieben werden kann?

2. Diskussion möglicher Ursachen

In einem nächsten Schritt können die Lehrkräfte in den Fachgruppen gemeinsam Überlegungen anstellen, worin Ursachen für die festgestellten Ergebnisse liegen könnten. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass Ergebnisse von Vergleichsarbeiten keine direkte Ableitung von Ursachen erlauben. Ergebnisse dieser fachlichen Diskussion können daher immer nur Anhaltspunkte für mögliche Interventionen geben, die dann auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden sollten.

Vor diesem Hintergrund könnten zum Beispiel folgende Ursachenfelder als mögliche Erklärungsansätze für deutliche Leistungsunterschiede zwischen Klassen in Betracht gezogen werden:

  • Schülerinnen und Schüler: zum Beispiel mangelnde Motivation, geringe Anstrengungsbereitschaft, fehlende häusliche Unterstützung, Probleme im sozialen Umfeld
  • Gestaltung des Unterrichts: zum Beispiel fehlende oder unpassende fachliche Vorbereitung zur Bearbeitung der Aufgaben; ungeeignete pädagogische und/oder fachdidaktische Gesichtspunkte
  • Schulinternes Curriculum, Lehrbuch: fehlende Abstimmung mit den in den Vergleichsarbeiten geforderten Kompetenzen.

3. Folgerungen

Als Konsequenz der Ergebnisauswertung sind zum Beispiel folgende Verabredungen unter den Lehrkräften denkbar:

  • sich in den Parallelklassen wechselseitig zu hospitieren,
  • Unterrichtsprojekte gemeinsam vorzubereiten,
  • Materialien arbeitsteilig zu erstellen und auszutauschen,
  • gezielte Fortbildungen zu organisieren,
  • bestimmte fachliche Schwerpunkte zu legen,
  • neue methodisch-didaktische Verfahren zur Gestaltung des Unterrichts einzuführen,
  • das schulinterne Curriculum zu überarbeiten,
  • pädagogische Maßnahmen zu beschließen,
  • Schülerinnen und Schüler durch bestimmte Programme gezielt zu fördern,
  • Maßnahmen zur individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern zu vereinbaren, etwa in einem Lernplan.

4. Evaluation

Um den Erfolg der umgesetzten Maßnahmen einschätzen zu können, können Vergleichsarbeiten insgesamt oder in bestimmten Teilen nach einem verabredeten Zeitraum erneut eingesetzt werden. Alternativ lassen sich Aufgaben nach einer individuellen Umarbeitung durch Lehrkräfte inhaltlich anders nutzen.

Zusatzinformationen

Kontakt



Diese Seite: