Klimawandel und Konsequenzen für den Küstenschutz in Schleswig-Holstein
Der Klimawandel ist in aller Munde. Welche möglichen Konsequenzen sich für Schleswig-Holsteins Küsten aus den neuesten Vorhersagen ergeben, wurde in einer Synthese zusammengestellt.
Grafik zum Meeresspiegelanstieg (Zum Vergrößern bitte Anklicken.)
1. Vorhersagen 1)
1.1 Meeresspiegelanstieg
Grundlage für die langfristigen Überlegungen des Küstenschutzes zum Meeresspiegelanstieg sind die Aussagen des vierten Klimaberichtes des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) vom 02.02.2007 als weltweit anerkanntes UNO-Expertengremium. Die Prognosen zum globalen Meeresspiegelanstieg bis zum Jahre 2100 liegen zwischen 18 und 59 cm. Ab wann der Meeresspiegel verstärkt ansteigen wird, kann nicht vorhergesagt werden - derzeit ist keine Beschleunigung feststellbar.
Unsicherheiten:
- beschleunigtes Abschmelzen des Grönlandeises könnte die Anstiegswerte um 10 bis 20 cm erhöhen,
- durch zunehmende Schneefälle in der Antarktis könnte sich der Anstieg reduzieren (Größenordnung derzeit nicht vorhersagbar),
- regionale Abweichungen von den Globalwerten (zum Beispiel für die Ostsee) sind möglich (Größenordnung derzeit nicht vorhersagbar),
- der Meeresspiegelanstieg wird schließlich nicht linear, sondern mit der Zeit zunehmend erfolgen (Form und Ablauf unbekannt).
1.2 Sturmflutwasserstände
Nach Modellrechnungen der GKSS Geesthacht (Prof. von Storch) könnten die Sturmflutwasserstände an der Nordseeküste und in der Elbe bis Ende dieses Jahrhunderts um 20 bis 40 cm höher auflaufen als heute. Diese Aussagen sind aber mit großen Unsicherheiten behaftet. Für die Ostseeküste existieren bisher keine Vorhersagen.
1.3 Tidedynamik
Künftige Änderungen der Tidedynamik sind ebenfalls von großem Interesse. Untersuchungen an der TU Hannover (Prof. Zielke) deuten darauf hin, dass das mittlere Tidehochwasser bis zu 15 Prozent zusätzlich ansteigen, das mittlere Tideniedrigwasser bis zu 15 Prozent weniger ansteigen könnte. Der Tidehub würde somit um bis zu 30 Prozent zunehmen.
1.4 Sedimentation und Landsenkung
Vorländer und Watten folgen dem Meeresspiegel durch verstärkte Sedimentation nach. Dieser Prozess hängt von der Sedimentverfügbarkeit ab. Es gibt Erkenntnisse, wonach ein Meeresspiegelanstieg von bis zu 0,5 cm je Jahr durch Umlagerungen aus den tieferen Rinnen und der Außenküste und aus der Nordsee ausgeglichen werden kann. Erst bei stärkeren Meeresspiegelanstiegsraten könnten die Wattflächen signifikant abnehmen bzw. die permanent mit Wasser bedeckten Flächen zunehmen. Dieser Prozess hat einen bedeutenden Einfluss auf die küstennahe Tidedynamik und die Wellenbelastung der Deiche.
Schließlich muss an den Küsten Schleswig-Holsteins mit einer regional unterschiedlichen tektonischen Landsenkung zwischen 0 und 10 cm je Jahrhundert gerechnet werden.
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2. Konsequenzen für den Küstenschutz
2.1 Küstenhochwasserschutz
Hinsichtlich des Küstenhochwasserschutzes bestätigt sich der im Generalplan Küstenschutz festgelegte „Klimazuschlag“ von 50 cm (Nordsee und Elbe) bzw. 30 cm (Ostsee) bei der Bemessung der vordringlichen Deichverstärkungen als vorsorgende Maßnahme. Die regelmäßigen Überprüfungen der Deichsicherheit (etwa alle 10 Jahre) garantieren darüber hinaus eine flexible und zeitnahe Berücksichtigung künftiger Entwicklungen. Mit der heutigen Strategie ist es möglich, das Sicherheitsniveau langfristig zu gewährleisten. Selbst bei einem über den Erwartungen liegenden Meeresspiegelanstieg können auch bereits erhöhte Deiche in ihrer Wehrfähigkeit verbessert werden. Zum Beispiel könnten sie nach entsprechenden Schutzmaßnahmen einen höheren Wellenüberlauf schadlos verkraften.
2.2 Küstensicherung
Für die Küstensicherung (Schutz vor Landabbruch) ist eine differenzierte Betrachtung nötig, da der Abbruch insbesondere von der jährlichen Meeresspiegelanstiegsrate sowie einer möglichen Änderung der Sturmflutintensität (Häufigkeit und Stärke) abhängt. Grundsätzlich nimmt der Küstenabbruch mit erhöhten Anstiegsraten zu. In der Konsequenz muss voraussichtlich in einigen Jahrzehnten mit verstärktem Küstenabbruch gerechnet werden - dann auch an Stellen, die heute stabil sind. Hinsichtlich dieser Herausforderung ist es wichtig, rechtzeitig Überlegungen über mögliche Anpassungsstrategien anzustellen.
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3. Fazit
Die Folgen des Klimawandels für die Küsten sind ernst und dürfen nicht unterbewertet werden. Die Küsten und Küstenschutzanlagen werden künftig erhöhten Belastungen ausgesetzt sein. Auf der Basis der obigen Aussagen ist eine Überarbeitung der heutigen Anpassungsstrategien derzeit nicht erforderlich. Mittelfristig werden erhöhte Anstrengungen (finanziell und technisch) erforderlich sein, um den Sicherheitsstandard zu erhalten.
Fußnote zu 1)
Rückblick: Der mittlere Meeresspiegel stieg an den Küsten Schleswig-Holsteins im letzten Jahrhundert um 15 cm an. Das mittlere Tidehochwasser an der Westküste stieg um 28 cm an, das mittlere Tideniedrigwasser änderte sich kaum. Die höchsten Sturmflutwasserstände lagen an der Ostseeküste rund 3 Meter über Mittelwasser (1872) sowie an der Nordseeküste und in der Elbe rund 4 (Husum) bzw. 4,5 (St. Pauli) Meter über dem mittleren Tidehochwasser (1976).
Stand: November 2009
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