Interview auf dem Blücherplatz in Kiel mit Thomas Böhm (47 Jahre), Marktbeschicker und Verkaufsleiter vom Biohof Großholz
Thomas Böhm, Verkaufsleiter vom Biohof Großholz
Werbeagentur Zuckerguss
1. Seit wann verkaufen Sie Ihre Ware schon auf Wochenmärkten? Wie sind Sie persönlich dazu gekommen?
Die Gemüsegärtnerei gibt es seit 25 Jahren, ich bin seit fünf Jahren dabei. Als tatkräftiger Typ war ich sofort herzlich willkommen und verleihe einem expandierenden Markt Stabilität.
2. Was bieten Sie alles an?
Gemüse, Kartoffeln, Salat, Kräuter, Jungpflanzen und Obst. Das Meiste aus eigenem kontrolliert biologischen Anbau und Zukauf größtenteils aus der Region.
3. Haben Sie besondere Produkte? (z. B. alte Obst-/Gemüsesorten)
Unsere Moorkartoffel Nicola hat einen ganz einzigartigen Geschmack, sie wächst in saurem Boden. Besonders ist auch unsere Erdbeere Corona, eine alte Sorte, bei deren Züchtung das Aroma und nicht die Haltbarkeit im Vordergrund steht. Außerdem bauen wir Pastinaken an, die gibt es sonst nicht mehr so oft zu kaufen. Und wir haben die lilafarbene Urmöhre. Nicht zu vergessen unsere Kohlrabisorte Superschmelz. Dieser Kohlrabi lässt sich lange lagern. So müssen unsere Kunden sich in den Wintermonaten nicht mit importierten Varianten aus dem Süden begnügen.
4. Woher beziehen Sie Ihre Ware? Produzieren Sie ausschließlich selbst?
In erster Linie bauen wir unsere Produkte selbst an, wir sind also Direktvermarkter. Unser Obst beziehen wir vorwiegend vom Großhändler Grell und von hiesigen Biolandbetrieben, mit denen wir befreundet sind.
5. Welche Personengruppen gehören zu Ihren Stammkunden?
Das sind die Bewohner rund um den Blücherplatz. Es ist ein lokaler Markt, der sehr gut liegt, das Villenviertel Düsternbrook und die Uni befinden sich direkt in der Nähe. Unsere Stammkunden sind in erster Linie junge Familien. Oft beginnt das Interesse für eine Ernährung mit biologischem Obst und Gemüse in der Schwangerschaft.
6. Immer mehr Supermärkte bieten Biogemüse und -obst an. Warum, glauben Sie, kaufen viele Menschen ihr Obst und Gemüse trotzdem lieber auf dem Wochenmarkt?
Als Direktvermarkter können wir eine einzigartige Frische bieten; gestern geerntet, heute verkauft. Das kann ein Supermarkt nicht bieten. Außerdem schätzen unsere Kunden den direkten Kontakt zu uns. Wir bieten Vertrauen und Transparenz vom Saatgut bis zum Gemüse auf dem Tisch; erzählen, warum das Gemüse heute besonders gut und eben auch mal nicht so gut ausgefallen ist. Auf unserem alljährlichen Hoffest können unsere Kunden unseren Betrieb kennen lernen. Außerdem ist unser Stand sehr schön und es herrscht ein tolles Klima unter uns Mitarbeitern. Wir reden mit unseren Kunden, es entstehen menschliche Verbindungen, mit den Jahren kennt man sich. Das ist im Supermarkt nicht so.
7. Andersherum – stellen die Bioläden und Supermärkte eine große Konkurrenz für Sie dar?
Was das Preisniveau betrifft, so stellen Supermärkte, die mehr und mehr Bioobst und -gemüse anbieten, eine Konkurrenz für uns dar. Andererseits schätzt der Markteinkäufer die Frische und die Nähe zum Erzeuger, das kann ein Supermarkt in dem Maße nicht bieten. Bioläden ergänzen unsere Erzeugnisse. Sie haben ein umfangreicheres Angebot als die Supermärkte und der Verbraucher kann neben seinem Obst und Gemüse auch noch andere Bioprodukte dort kaufen.
8. Auf was legen Ihre Kunden besonders großen Wert?
Unseren Kunden ist es besonders wichtig, dass das angebotene Obst und Gemüse frisch ist und dass es direkt von uns stammt. Außerdem legen sie Wert auf Hintergrundinformationen, z. B. zur Ernte, und auf eine gute Stimmung hinter dem Stand.
9. Wer prüft, ob die angebotene Ware wirklich "bio" ist?
Einmal im Jahr werden wir von einer staatlichen Bio-Kontrollstelle (Abicert) überprüft. Zusätzlich halten wir die noch strengeren Richtlinien des Bioland-Verbandes ein. Unsere Großhändler, von denen wir Ware zukaufen, haben ein eigenes Stichprobensystem (Monitoring) entwickelt. Werden bestimmte Grenzwerte überstiegen, wird der Lieferant bis auf Weiteres gesperrt.
10. Lohnt es sich für Sie, auch im Winter auf dem Markt zu stehen?
Klar, wir stehen auch bei extremen Wetterbedingungen auf dem Blücherplatz. Ab Ende Februar bis Ende April dann aber natürlich mit einem reduzierten Angebot und weniger Personal.
11. Kennen Sie noch andere Märkte in Schleswig-Holstein? Welcher gefällt Ihnen besonders gut?
Ich mag den Wochenmarkt in Eckernförde besonders gern. Er liegt in der Altstadt und ist sehr stimmungsvoll. Tolles Gemüse kann man auch auf dem Südermarkt in Flensburg einkaufen.
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