"Spargelproduktion fängt mit Luft, Wasser und Erde an."

Der Westhof - eine Erfolgsgeschichte mit Biogemüse

Seit 1978 betreibt Rainer Carstens in Friedrichsgabekoog in der Nähe von Büsum den Westhof.

"Woran erkennt man, dass Ihre Produkte gut sind?" Rainer Carstens, Geschäftsführer der Westhof Bio-Gemüse GmbH & Co. KG, muss kurz überlegen. Die Frage kommt unerwartet. Die Qualität seiner Produkte ist für ihn selbstverständlich. Das merkt man natürlich vor allem, wenn man probiert. "Unsere Erdbeeren zum Beispiel. Die sind natürlich etwas teurer, aber eben sehr lecker. Also kommen die Leute zu uns und kaufen uns den Stand leer." Grundfalsch die Annahme, Bioprodukte seien klein und verschrumpelt und sähen unattraktiv aus. "Das ist ein Klischee von gestern. Im Aussehen unterscheiden sich Bio und konventionell kaum."

Seit 1978 betreibt Rainer Carstens in Friedrichsgabekoog in der Nähe von Büsum den Westhof. 1989 stellt er auf Bioproduktion um, spezialisiert sich 1992 auf Gemüse und Erdbeeren und investiert in großem Stil: Lagerhäuser und Aufbereitungsanlagen werden gebaut. Genauso wichtig ist aber die Vermarktung. 1991 gehört der Westhof zu den zehn Gründungsmitgliedern einer Erzeugergemeinschaft, die Bio aus dem Nischendasein herausholen will. Die Biobauern orientieren sich am Markt: Sie wollen auch die großen Ketten erreichen, um ihre Produkte möglichst vielen Menschen anbieten zu können. Das hat geklappt und die Erzeugergemeinschaft hat eine ungeheure Anziehungskraft entwickelt. Über hundert Mitglieder zählt sie heute - Tendenz steigend.

Möhrenernte MöhrenernteAuch Möhren werden maschinell geerntet.

1998 hat Rainer Carstens dann eine neue Idee. Jedes Jahr hat er - vor allem bei Saisonprodukten - ein gewisses Maß an Überproduktion erzeugt, um immer liefern zu können. Doch die Lagerfähigkeit von Erdbeeren, Blumenkohl oder Brokkoli ist begrenzt, nicht verkaufte Teile der Ernte gehen verloren. Also beginnt man auf dem Westhof Teile der Ernte einzufrieren. Anfangs nur 50 bis 100 Tonnen, doch dabei bleibt es nicht. 2000 entsteht ein Neubau im nahe gelegenen Wöhrden, der die stetig wachsenden Mengen fassen soll. 2007 lagern dort 5.500 Tonnen erntefrisch aufbereitete und eingefrorene Ware. Aus dem Notbehelf ist die florierende BioFrost Westhof GmbH geworden. Seit zwei Jahren schreibt BioFrost schwarze Zahlen. Das gefrorene Gemüse wird an Industriekunden verkauft, die daraus zum Beispiel Gemüsemischungen herstellen. So muss der Endverbraucher auch in der Tiefkühlabteilung des Supermarktes nicht auf Qualität verzichten. 

Das Hauptgeschäft ist aber nach wie vor das frische Gemüse. Und das läuft: Zurzeit wird ihm seine Ware aus den Händen gerissen. "Wir könnten deutlich mehr verkaufen, wenn wir mehr hätten." Die Nachfrage ist gewaltig. Rainer Carstens und seine Mitstreiter setzen dabei auf Produkte, die zur Region passen und die hier ihre optimalen Wachstumsbedingungen haben. Das bedeutet hohe Qualität und vergleichsweise geringen Energieeinsatz. Düngung ist damit fast gar nicht nötig. Alles, was die Pflanzen brauchen, ist reichlich vorhanden. Aber die wichtigste Ressource ist Zeit - Zeit, um in natürlichem Tempo zu wachsen. Dadurch ziehen die Pflanzen nicht so viel Wasser und sind am Ende sehr intensiv im Geschmack.

Rainer Carstens hat einen hohen Anspruch an seine Gemüseprodukte. Rainer KarstensRainer Carstens hat einen hohen Anspruch an seine Gemüseprodukte.

Zur Qualität gehört auch die Kontrolle. Zum Beispiel von Möhren. "Natürlich wird unsere Ware ständig auf Rückstände geprüft, aber wir sortieren auch sehr genau nach optischen Kriterien." Vier Farbkameras tasten in einer automatischen Sortieranlage auf einem Fließband jede einzelne Möhre ab. Am Ende fallen die Möhren herunter und Druckluftimpulse pusten die ungeeigneten einfach hinaus. Schließlich wird per Hand nachsortiert. Nur die besten Möhren werden am Ende im Laden angeboten.

Rainer Carstens ist leidenschaftlicher Landwirt. Die Menschen mit guten Produkten zu versorgen, ist ihm ein Anliegen. Aber nicht das einzige. Er will auch nachfolgenden Generationen eine lebensfähige und lebenswerte Umwelt erhalten. Er schöpft seine Überzeugung aus einer grundsätzlichen Überlegung: Jeder trägt Verantwortung. "Für mich fängt die Gemüseproduktion mit Luft, Wasser und Erde an. Die müssen sauber sein." Wie erreicht man saubere Luft? Die ist doch für alle gleich. Da ist auch der Einzelne gefragt. Rainer Carstens hat sich gerade eine Fotovoltaikanlage installieren lassen.

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