Alte Apfelarten in Angeln

Im lebenden Obstmuseum überdauern uralte Sorten

Ein Museum, das blüht, riecht, schmeckt und lebt! Mit Exponaten, die im Mai weißrosa blühen und im Herbst leckere Früchte tragen: „Juwel aus Kirchwerder“, „Wintergoldparmäne“ oder „Schöner von Herrnhut“ heißen die Kostbarkeiten, die Meinolf Hammerschmidt in seinem Obstmuseum Winderatt bewahrt – insgesamt rund 700 Apfelsorten, und damit eine der größten Sammlungen in Deutschland.

Meinolf Hammerschmidt in seinem ApfelmuseumIm Mai blüht das Museum des Pomologen Meinolf Hammerschmidt die koordinaten, Kiel

Im Mai blüht das Museum des Pomologen Meinolf Hammerschmidt.

Nicht die Äpfel, sondern die Bäume sind es, um die es hier geht. Denn sie tragen die wertvolle genetische Information. Meinolf Hammerschmidt ist Pomologe. Ein Apfelkundler. Jemand, der sich mit Obstsorten beschäftigt, sie bestimmt und systematisch einteilt. Seit 20 Jahren sammelt Hammerschmidt alte Obstsorten, erzählt ihre Geschichte und sichert ganz nebenbei ihren Fortbestand. Die Ernte wird nicht vermarktet, sondern verkostet. Ab Anfang August bis Oktober können die Besucher des Museums am Obstbuffet andere Aromen als die der gewohnten Standardsorten schmecken.

Honigbienen lieben die Sortenvielfalt im Obstmuseum.

Die Vielfalt zu bewahren ist ein wichtiger Beweggrund für Hammerschmidts Engagement. Und natürlich das tiefe Interesse an der Geschichte des Apfels. Zu jedem Baum scheint es eine kleine Legende zu geben. Und neben Anekdoten zum „Kolonistenapfel“ oder dem „Juwel von Kirchwerder“, der auch der „Apfel aus dem Dreck“ genannt wird, erfährt man, dass die Verbreitung des Apfels eng mit der Christianisierung zusammenhängt. Denn in Klöstern wurde der Apfel bei uns zuerst kultiviert und verbreitet.

ApfelplantageDer Apfelanbau hat in Schleswig-Holstein eine lange Tradition. die koordinaten, Kiel

Der Apfelanbau hat in Schleswig-Holstein eine lange Tradition.

Nachdem Obst lange Zeit ein Privileg des Adels war, entwickelt sich seit Ende des 18. Jahrhunderts eine reiche Kultur der Obstgärten und –wiesen für den Eigengebrauch. Heute ist davon viel verloren. Im Obstmuseum Winderatt darf die Vielfalt überleben. Hammerschmidts Bäume tragen zwar oft erst nach sieben Jahren, aber sie werden auch 60 bis 80 Jahre alt, anders als für den Ertrag gezüchtete Plantagenbäume. Für dieses Engagement erhielt Meinolf Hammerschmidt den Nachhaltigkeitspreis Schleswig-Holstein 2007.

Und sein Museum wächst weiter. Auch in der Themenvielfalt. Geplant ist für die nächste Zukunft unter anderem ein Klostergarten mit nachgebildetem Kreuzgang, in dem Medizinalpflanzen wachsen, und ein mittelalterlicher Burggarten mit Liebeslauben.

In welchen Apfel er am liebsten beißt, verrät uns der Gärtner der Gene auch: in den Gravensteiner, den ein dänischer Fürst einst aus Italien mitbrachte.

Stand: 06.07.2007

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