Alte Rasse aus dem hohen Norden
Angler Sattelschweine vom Bioland-Hof Heiner Iversen
Sehr viel nördlicher geht’s wirklich nicht: Von Süden kommend Richtung Flensburg, dann ab auf die B 200 Richtung Kappeln, dann noch mal abbiegen auf die B 199 nach Munkbrarup inmitten im schönen Angeln – der Landschaft, die durch zahlreiche Knicks geprägt ist – und hier dem Bioland-Schild zum Svensteen folgen. "Wie hätten wir das früher nur ohne "Navi" geschafft?", fragen wir uns. Aber dann sind wir ja da. Landwirt Heiner Iversen, Herr über 25 reinrassige Zuchtsauen sowie über cirka 450 bis 500 Mastschweine pro Jahr ist Bioland-Bauer und Vorsitzender des Fördervereins Angler Sattelschweine e.V. Er weiß alles über die alte Landrasse. Und empfängt uns freundlich, um sein fundiertes Wissen mit uns zu teilen.
Das Schwein als Wendegewinner
"In den 30er Jahren
", erzählt Herr Iversen, "wurden noch über 80.000 Angler Sattelschweine und davon rund 52.000 in der Region Angeln – ihrem Ursprungsgebiet zwischen der Flensburger Förde und der Schlei – gehalten. Im Jahre 1991 gab es nur noch neun Sauen und einen Eber in Schleswig-Holstein.
" Das scheinbare Aus für das heimische schwarze Tier mit dem weißen Sattel. Doch dann kam die Wende: zum einen die politische und zum anderen die züchterische Wende zugunsten des authentischen Schweins. "Im Jahr 1992 hatten wir auf dem Hof gerade auf Bioland umgestellt, als es plötzlich hieß, in der ehemaligen sächsischen LPG Hirschfeld seien noch eine Herde Sattelschweine vorhanden. Da dachten wir: Jetzt oder nie!
", freut sich Heiner Iversen noch heute über seinen großen Coup. Und so wurden mit Unterstützung der Landesregierung und des Schweinezuchtverbandes Schleswig-Holstein 54 Angler Sattelschweine gekauft. Einige davon zogen in Munkbrarup ein, und so wurde auf dem Biohof Iversen wieder mit der Zucht der alten Schweinerasse begonnen.
Die zwei Seiten des Specks
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Wir dürfen in den Stall, um die Sauen und Ferkel anzusehen. "Schauen Sie mal hier
", sagt Landwirt Iversen und deutet mit Daumen und Zeigefinger auf die Dicke der stattlichen Speckschwarte des Angler Sattelschweins, "da sitzt der Geschmack. Das ist unser Werbeträger.
" Dann stellt er nüchtern fest: "Aber das ist auch gleichzeitig unser größtes Problem.
" Angler Sattelschweine haben einen höheren Fettanteil als herkömmliche Schweinerassen, das heißt: die Edelteile sind zwar umso geschmackvoller, aber aufgrund des größeren Fettrands auch kleiner als beim Supermarkt-Schwein. Außerdem brauchen Angler Sattelschweine etwa einen Monat länger bis zur Schlachtreife. So haben tiergerechte Aufzucht, sorgsame Verarbeitung und der Erhalt der alten Rasse natürlich ihren Preis und haben nicht den Anspruch, mit Produkten moderner Fleischrassen zu konkurrieren.
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Gezielte Vermarktung tut Not
Allein von der Schweinehaltung könnte der Hof nicht existieren, obwohl er 90 Prozent des Schweinefutters aus betriebseigenem Getreide, Erbsen und Bohnen herstellt. Zusätzlich bekommen Ferkel und Sauen noch zugekauftes Bio-Soja als Eiweißträger. Als weiteres Standbein betreibt Landwirt Iversen Kartoffelanbau. Die leckeren Knollen werden überwiegend in der Region an den Einzelhandel, Bioläden und Gaststätten vermarktet. Das ist beim Fleisch schwieriger. Dort muss ein Bio-Schlachter als Verarbeiter zwischengeschaltet sein, der bereit ist, die Fleisch- und Wurstprodukte herzustellen und sie explizit als Erzeugnisse vom Angler Sattelschwein zu vermarkten. So ist das Sattelschweinfleisch überwiegend direkt auf den Höfen der Sattelschweinhalter zu beziehen, wie auch im Hofladen der Familie Iversen.
Regionale Qualität stiftet Identität?!
Slow Food Deutschland hat im Februar 2008 das Angler Sattelschwein zwar als Passagier der "Arche des guten Geschmacks" aufgenommen, nachdem es einer strengen Aufnahmeprüfung unterzogen worden war, bei der unter anderem die geschmacklich erstklassige Qualität nachgewiesen werden musste. Außerdem wurde geprüft, ob es einen für die Region Identität stiftenden Charakter und nachhaltiges Potential aufweist. Diese Kriterien standzuhalten, war für das Angler Sattelschwein kein Problem.
Ran an den Speck!
"Früher haben wir gedacht, wenn wir "Bio" machen, ist alles in Ordnung. Aber auch in "Bio" kann man gute oder schlechte Qualität produzieren", hält Heiner Iversen uns vor. Und dass das Angler Sattelschwein von herausragender Qualität sei, das sagen ja auch unter anderem einige Spitzengastronomen von den FEINHEIMISCHEN. An der Küste – ja, da gebe es Möglichkeiten, dort würde die Vermarktung auch in ein touristisches Konzept eingebunden. Wünschen würde ich mir, dass auch die Landgasthöfe im Binnenland verstärkt Gerichte mit dem Fleisch vom Angler Sattelschwein anbieten würden. "Schleswig-Holstein-isst-lecker" jedenfalls drückt dem Angler Sattelschwein ganz fest beide Daumen, dass endlich auch die Einheimischen damit beginnen, zu "Ihrem" Schwein zu stehen. Alle anderen sind nämlich längst vom Angler Sattelschwein überzeugt.
Weitere Informationen zum Verein FEINHEIMISCH:
FEINHEIMISCH
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