Das Wittenseer Gold:

Die Maräne - eine Spezialität aus Schleswig-Holsteins Seen

Im Jahr 1921 fand die Kleine Maräne, auch Silbermaräne genannt, als "eine Kanne Brut" mit etwa 50.000 Stück ihren Weg in den Wittensee.

Nein, der Teufel war es nicht, wie die Sage es vom Schaalsee behauptet, sondern schnöde Menschenhand, die seinerzeit die Fischbrut in den Wittensee setzte - aber das mit sagenhaftem Erfolg. Im Jahr 1921 fand die Kleine Maräne, auch Silbermaräne genannt, als "eine Kanne Brut" mit etwa 50.000 Stück ihren Weg in den Wittensee. Seitdem geht sie der Familie Bening, den Pächtern des Sees seit fünf Generationen, ins Netz. Ebenso wie ihre große Schwester, die Edelmaräne, aber auch Aale, Barsche, Brassen, Hechte, Karpfen, Plötze und Zander. Für die Benings gilt, was für alle Binnenfischer in Schleswig-Holstein gilt: Edel sei der Fisch, schmackhaft und gut.

Und das ist bei den Maränen in besonderem Maße der Fall. Ihr Fleisch ist besonders zart mit wenig Gräten. Feinschmecker schätzen das weiche, weiße und fettarme Maränenfleisch gebraten wie gekocht. Auch mariniert schmeckt es vorzüglich. Arne Bening schwört vor allem auf geräucherte Maräne. Frisch vom See in die Räucherkammer und von hier auf den Markt oder an die eigene Fischtheke in Holzbunge, so halten es die Benings mit dem "Wittenseer Gold", wie schon Benings Vater die geräucherten Silbermaränen nannte.

Die Silbermaräne ist seit der Eiszeit in Schleswig-Holsteins Seen heimisch. Sie gehört zu der Familie der Lachse. Sie wird bis zu dreißig Zentimeter lang, ähnelt von Farbe und Form dem Hering, hat aber zwischen Rücken- und Schwanzflosse eine sogenannte Fettflosse, die für die Lachsfische typisch ist. Die Kleine Maräne ist anspruchsvoll: Sauerstoffreiches Wasser mit Tiefen von mindestens zwanzig Meter benötigt sie und viel Plankton, von dem sie sich ernährt. Diese Bedingungen bieten in Schleswig-Holstein die "Maränenseen" - die großen, tiefen Klarwasserseen, wie der Wittensee, der Schaalsee, der Große Plöner See und der Selenter See  in der Holsteinischen Schweiz, wo Fischer Gunnar Reese den delikaten Fisch aus dem Wasser holt. Man merkt es schon: Auch im Binnenland gibt es im Land zwischen den Meeren viel Wasser. Der Wasseranteil an der Landesfläche ist überproportional hoch - etwa 140 Binnenfischereibetriebe mit 370 Mitarbeitern gibt es an den Seen und Teichen des Landes.

Rollmöpse im Rauch Rollmöpse im RauchAuch echt lecker: Rollmops, direkt aus der Räucherkammer.

Das gibt den Schleswig-Holsteinern die Möglichkeit, Fisch so zu essen, wie sie ihn am liebsten mögen: auf einer Terrasse mit Blick über die Seen und Flüsse in einem der vielen guten Fischrestaurants. Dort kommt die Kleine Maräne zwischen Mai und September frisch auf den Tisch - dann endet die Fangsaison. Und für diejenigen, die den delikaten Fisch auch später noch genießen wollen, bietet Reese die Silbermaräne auch küchenfertig gefrostet und vakuumverpackt an.

Eine Möglichkeit, die der Eutiner Homerübersetzer Heinrich Voß (1751 - 1826) sicher schmerzlich vermisste: Er sagte, eher könne er auf Gold und Silber oder die Freuden der Liebe verzichten als auf die Maränen.

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