Fischerei

Schleswig-Holstein

Die schleswig-holsteinischen Gesamtanlandungen aus Nord- und Ostsee betrugen im Berichtsjahr 2010 insgesamt 42.535 t im Wert von 44,1 Mio. €. Damit ist zwar ein erneuter Rückgang der Gesamtanlandungen um 1.050 t zu verzeichnen, im Vergleich zum Vorjahr ist der Erlös jedoch um 4,1 Mio. € leicht angestiegen (Vorjahr: 43.586 t = 39,8 Mio. €) ohne allerdings an die Durchschnittswerte der Jahre vor 2008 heranzukommen. Die im Jahr 2009 erheblich eingebrochenen Preise haben sich zumindest in einigen Marktsegmenten wieder etwas erholt, worin sich der leichte Anstieg der Erlöse begründen lässt. Weiterhin besteht eine sehr gute Versorgung des Marktes, insbesondere im Krabbenbereich, was den Absatzpreis in Schleswig-Holstein existenzbedrohend niedrig hält.

Die Miesmuschelfischerei musste einen deutlichen Rückgang der Anlandemengen um 47 % (= 1.346 t) auf 1.510 t bei einem Erlös von 1,2 Mio. € im Vergleich zum Vorjahr verkraften (2.856 t = 3,6 Mio. €). Die Speisekrabbenanlandungen sowie deren Erlöse sind nur minimal angestiegen (6.621 t = 17,8 Mio.). Diese Entwicklung stellt aber keine Erholung der wirtschaftlich schwierigen Lage dar.

Schleswig-Holstein hat eine vielgestaltige Kutter- und Küstenfischerei mit den Betriebszweigen Frischfischfang in Nord- und Ostsee sowie Krabben- und Muschelfischerei in der Nordsee. Muschelfischerei wird in geringem Umfang seit einigen Jahren auch in der Ostsee ausgeübt. Im Jahr 2010 war nur ein Betrieb an dieser Fischerei beteiligt.

Nach dem Stand vom 31.12.2010 umfasste die schleswig-holsteinische Fischereiflotte der Ost- und Nordsee insgesamt 267 Fischkutter (245 im Haupterwerb und 22 im Nebenerwerb) und 468 offene Boote (102 im Haupterwerb und 366 im Nebenerwerb). In Schleswig-Holstein wird der Fischfang von 630 Fischern im Haupterwerb und 587 Fischern im Nebenerwerb ausgeübt. Auch in 2010 setzte sich der Trend des Rückganges der Fischereifahrzeuge und der Fischer in allen Bereichen leider fort.
 

Ostsee

Bei den Anlandungen aus der Ostsee und dem Skagerrak/Kattegat gab es einen Rückgang um 1.552 t auf 20.286 t Fisch (Vorjahr: 21.838 t). Der Erlös ist jedoch von 7,6 Mio. € im Vorjahr auf einen Wert von 9,3 Mio. € angestiegen.

Die Dorschfischerei war auch in 2010 geprägt durch zwar gestiegene aber immer noch knappe Quoten. Es wurden in schleswig-holsteinischen Häfen 2.641 t angelandet, was einen minimalen Anstieg zum Vorjahr (2.335 t) darstellt. Der Erlös ist mit 3,5 Mio. € ebenfalls etwas gestiegen (Vorjahr: 2,9 Mio. €). Der Erzeugerpreis liegt mit durchschnittlich 1,45 €/kg aber immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau.

In der Sprottenfischerei war ein deutlicher Rückgang bei den Fängen und Anlandungen auf 10.786 t (Vorjahr 12.253 t) zu verzeichnen. Grund sind die limitierten Quoten. Die gestiegenen Erlöse von 1,9 Mio. € (Vorjahr 1,6 Mio. €) erklären sich aufgrund verbesserter Erzeugerpreise und sind damit verantwortlich für das insgesamt zufrieden stellende Ergebnis. Die Sprottenfischerei findet hauptsächlich in der östlichen Ostsee von wenigen großen Kuttern statt und die Anlandungen erfolgen größtenteils in dänischen und schwedischen Häfen.

Die Heringsfischerei ist weiterhin durch niedrige Bestände und niedrige Quoten geprägt. Es wurde etwas mehr gefangen und angelandet (3.603 t) als im Vorjahr (2.932 t). Der Erlös ist minimal angestiegen, lag jedoch erneut unter 1 Mio. € (0,98 Mio. €; Vorjahr 0,8 Mio. €). Die Situation bleibt unbefriedigend.

Die Wittlingsfischerei ist nur unwesentlich auf 272 t (Vorjahr 243 t) gestiegen. Aufgrund gesunkener Preise ging der Erlös auf 110 T€ deutlich zurück (Vorjahr 240 T€). Die Fänge wurden überwiegend in schleswig-holsteinischen Häfen angelandet.

Der Lachsfang ist weiter rückläufig. Niedrige Quoten sowie hauptsächlich das seit 2008 geltende Verbot von Treibnetzen sorgen dafür, dass eine spezialisierte Fischerei bei den gegebenen Rahmenbedingungen wirtschaftlich kaum noch möglich ist.

Die Fischerei auf der Schlei hat sich kaum verändert. Im Jahr 2010 wurden 81 t (Vorjahr: 75 t) Frischfisch angelandet und lokal vermarktet. Die Erlöse haben sich im Vergleich zum Vorjahr mit 124 T€ leicht verbessert (Vorjahr: 105 T€). Da die Fänge in der Schlei keiner Quotenregelung unterliegen, gewinnt die Fischerei für die beteiligten Betriebe langsam wieder an Bedeutung.

Die Fänge auf der Trave sind mit 204 t im Vergleich zum Vorjahr (379 t) gesunken. Die Erlöse haben sich dieser Entwicklung angepasst und liegen mit 82 T€ merklich unter dem Vorjahresniveau (Vorjahr 148 T€). Die Durchschnittserlöse sind in Bezug auf die Fangmenge dennoch nahezu konstant geblieben.

Nordsee

In der Nordsee (ohne Skagerrak und Kattegatt) wurden 13.495 t (Vorjahr 12.162 t) Frischfisch im Wert von 13,8 Mio. € (Vorjahr 11,4 Mio. €) gefangen und angelandet.

Die Gesamtanlandungen der Krabbenfischerei haben sich im Vergleich zum Vorjahr um rund 700 t auf 6.621 t erhöht (Vorjahr 5.914 t). Der Erlös ist gegenüber dem Vorjahr (15,4 Mio. €) auf 17,8 Mio. € ebenfalls leicht gestiegen. Obwohl sich der Erlös leicht verbessert hat, ist die Situation in der Krabbenfischerei weiterhin besorgniserregend. Insbesondere die Preise im November und Dezember von 1,71 bzw. 1,67 €/kg (niedrigster Preis im Vorjahr: 1,96 €/kg) gegenüber dem Durchschnittspreis für das ganze Jahr von 2,68 €/kg (Vorjahr 2,60 €/kg) stellen einen bislang unerreichten Tiefststand dar. Als Ursachen wird das Zusammenspiel zwischen den sehr guten Krabbenbeständen, der weiter steigenden Fischereiintensität vor allem durch größere und effizientere niederländische Fahrzeuge und den erhöhten Anlandemengen, die auf dem bestehenden Markt nicht oder nicht zu den bisherigen Preisen abzusetzen waren, gesehen.

Der Negativtrend in der Miesmuschelkulturwirtschaft setzte sich in 2010 bei Anlandemengen von 1.510 t deutlich fort (Vorjahr 2.856 t). Die Erlöse sind zudem überproportional zurückgegangen und erreichten nur noch 1,25 Mio. € (Vorjahr 3,6 Mio. €). Grund für die geringen Anlandemengen ist das mittlerweile langjährige Ausbleiben von ausreichenden Mengen an Besatzmuscheln. Als Ursache hierfür wird ein hoher Wegfraß der jüngsten Miesmuschelstadien durch Krebse vermutet. Allerdings sind die Aussichten für 2011 wieder etwas besser, da 2009 und 2010 erstmals wieder geringe Mengen an Besatzmuscheln im Wattenmeer gefischt werden konnten und Besatzmuscheln aus angrenzenden Meeresgebieten in größerem Umfang importiert wurden.

Die gezielte  Seezungen- und Schollenfischerei ist für die traditionellen Krabbenkutterbetriebe weiterhin kein lohnendes Geschäft und fand daher in 2010 wie im Vorjahr kaum statt. Die Anlandungen stammen daher vornehmlich von den wenigen größeren Frischfischkuttern. Die Seezungenfänge lagen mit 355 t (Vorjahr 377 t) und einem Erlös von 4,1 Mio. € etwas über dem Niveau des Vorjahres (Vorjahr 3,8 Mio. €). Die Schollenfänge lagen mit 2.263 t (Vorjahr 1.553 t) und einem Erlös von 2,9 Mio. € (Vorjahr 2,1 Mio. €) höher als im Vorjahr. Insbesondere in der Schollenfischerei ist das erzielte Gesamtergebnis in Anbetracht des extrem hohen Schollenbestandes und den damit verbundenen ausgezeichneten Fangmöglichkeiten enttäuschend. Der Markt erwies sich als wenig aufnahmefähig, was zu sehr niedrigen Erzeugerpreisen von durchschnittlich nur knapp über 1 € geführt hat.

Eine gezielte Kabeljaufischerei in der Deutschen Bucht gibt es zurzeit nicht. Die Anlandungen lagen mit 725 t über dem Vorjahresergebnis (529 t). Sie entstammen Beifängen vor allem aus der Plattfischfischerei und erzielten mit 2,4 Mio. € einen deutlich höheren Erlös als im Vorjahr (1,6 Mio. €).

Anlandungen der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei Schleswig-Holstein und Deutschland [Öffnet in einem neuen Fenster] Anlandungen der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei Schleswig-Holstein und Deutschland [Anklicken zum Vergrößern - öffnet in einem neuen Fenster]

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Anmerkungen zu der Tabelle:

  • Fischmehlrohware, Nordsee: Siebkrabben
  • Deutschland: bis 1990 früheres Bundesgebiet

Struktur der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei in Schleswig-Holstein [Öffnet in einem neuen Fenster] Struktur der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei in Schleswig-Holstein [Anklicken zum Vergrößern - öffnet in einem neuen Fenster]

Anzahl der Beschäftigten der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei in Schleswig-Holstein [Öffnet in einem neuen Fenster] Anzahl der Beschäftigten der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei in Schleswig-Holstein [Anklicken zum Vergrößern - öffnet in einem neuen Fenster]

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