Selektiver Gebäuderückbau:
Mit Köpfchen, nicht mit der Birne

Selektiver Rückbau - Was ist das?

Der selektive Rückbau von Gebäuden beginnt vor dem eigentlichen Abbruch: Ein Planungsbüro dokumentiert bei einem Rundgang durch das Gebäude die gesamte Gebäudesubstanz in einem Bauelementekatalog. Auf dieser Grundlage erarbeitet es den Demontageplan, anhand dessen das Gebäude rückgebaut wird. Von Anfang an werden die verschiedenen Bauelemente und Baustoffe getrennt. Das Abbruchunternehmen demontiert Fenster, Dachziegel, Dämmstoffe und schadstoffhaltige Materialien nacheinander. Das ist Voraussetzung, wenn einzelne Bauteile weiter genutzt und die sortenrein anfallenden Abfallstoffe hochwertig verwertet werden sollen.

Die Vorteile des selektiven Rückbaus

  • Brauchbare Bauteile können verkauft werden.
  • Sortenreine Bau- und Abbruchabfälle können hochwertig verwertet werden.
  • Entsorgungskosten für sortenreine Bauabfälle sind deutlich geringer als für gemischte Bauabfälle.
  • Rückbau rechnet sich dort, wo die Entsorgungspreise für vermischte Abbruchabfälle deutlich höher sind, als für sortenreines Material. Es lohnt sich, die Kosten zu vergleichen.

Selektiver Rückbau in Schleswig-Holstein

Eine Umfrage bei Abbruchunternehmen in Schleswig-Holstein hat ergeben:

Am häufigsten werden Bodenbeläge getrennt ausgebaut. Es folgen Türen und Fenster, Dachstühle und Dachabdeckungen. Deckenverkleidungen, Installationen, Kamine und Tischlerarbeiten werden bei über der Hälfte der Abbrüche getrennt rückgebaut. In einem Drittel der Fälle werden die Innenwände demontiert, während Innenputz wegen des großen Aufwandes fast nie separat entfernt wird.

Aus Sicht der befragten Abbruchunternehmen sprechen in erster Linie Kostengründe für eine getrennte Demontage von Bauteilen. Vorgaben des Auftraggebers spielen eine deutlich geringere Rolle.

Selektiver Rückbau von Gebäuden:
Kostenvorteile durch Materialtrennung

Die Entsorgung sortenreiner Bauabfälle ist preiswerter
Die Preisdifferenz zwischen den Entsorgungskosten für reinen mineralischen Bauschutt und für gemischte Bau- und Abbruchabfälle betrug im Jahr 2000 im Mittel in Schleswig-Holstein rund 60 Euro pro Tonne. Es gibt also eine enorme Preisstaffelung. Gleichzeitig schwanken die Entsorgungspreise je nach Region sehr stark. Die geringste Preisdifferenz lag bei rund 20 Euro, die höchste bei rund 100 Euro pro Tonne.

Mittlere Preisdifferenz in Schleswig-HolsteinPreisdifferenz
Minimum – Maximum
Gemischte Bau- und Abbruchabfälle+ 60 Euro pro Tonne+ 20 bis 100 Euro pro Tonne
Bauschutt mit maximal 20 Prozent Fremdanteil+ 24 Euro pro Tonne+ 18 bis 55 Euro pro Tonne

Preisdifferenz der Entsorgungskosten im Vergleich zu reinem mineralischen Bauschutt
Quelle: "Analyse der Rahmenbedingungen und Identifikation von Hemmnissen für den selektiven Rückbau von Gebäuden in Schleswig-Holstein"; Studie im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Natur und Forsten, 2000, Angaben gerundet

Die Differenz zwischen den Entsorgungskosten für reinen Bauschutt und Bauschutt mit bis zu 20 Prozent Fremdanteil betrug im Jahr 2000 in Schleswig-Holstein zwischen 18 und 55 Euro pro Tonne. Im Mittel lag die Preisdifferenz bei rund 24 Euro pro Tonne .

Modellrechnung für den Rückbau eines Zweifamilien-Musterhauses
Kostenvergleich zwischen

  1. Selektivem Rückbau und
  2. Konventionellem Abbruch

Die betrachteten zugehörigen Entsorgungsvarianten sind:

  1. Verwertung/Beseitigung sortenrein getrennter Materialien
  2. Entsorgung als Bauschutt mit 20 Prozent Fremdanteil.
Kosten in EuroSelektiver RückbauKonventioneller Abbruch
Selektiver Rückbau: inklusive Demontage der mineralischen Substanz32.000 
Konventioneller Abbruch 26.000
Verwertung/Beseitigung sortenreiner Abfälle12.000 
Entsorgung als Bauschutt mit 20 %Prozent Fremdanteil 39.000
Gesamtkosten44.00065.000


Kosten-Modellrechnung am Beispiel eines Zweifamilienhauses Vergleich Selektiver Rückbau / konventioneller Abbruch ohne Transportkosten
Kosten auf Tausend Euro gerundet.
Für die Entsorgungskosten wurden die durchschnittlichen Entsorgungspreise in Schleswig-Holstein für das Jahr 2000 zugrunde gelegt. Für die stoffliche Zusammensetzung der Abfälle und die Abbruchkosten wurde auf Zahlen zurückgegriffen, die für den Abbruch eines Gebäudes im Jahr 1993 in Baden-Württemberg detailliert aufgeschlüsselt wurden.

Die Modellrechnung zeigt: Der Selektive Rückbau schneidet in dem betrachteten Fall kostengünstiger ab als der konventionelle Abbruch, wenn die Mehrkosten, die im Vorfeld des Abbruchs für die Planung des Selektiven Rückbaus entstehen, unter 21.000 Euro bleiben.

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