Bilanzierung zur ökologischen Bewertung der Siedlungsabfallwirtschaft
Die Siedlungsabfallwirtschaft in Deutschland hat sich in den vergangenen 15 Jahren stark verändert. Aus einer Abfallwirtschaft, bei der die einfache Entsorgung und Beseitigung der Abfälle im Vordergrund stand, entwickelten sich Verwertungstechniken, die eine optimale Nutzung der einzelnen Stoffströme zum Ziel haben. Das MLUR hat 2006 das IFEU Heidelberg beauftragt, diesen Wandel, der sich seit Beginn der 90er Jahre in Schleswig-Holstein vollzogen hat, zu dokumentieren und die daraus resultierenden Potentiale für eine weitere Optimierung der Abfallwirtschaft aufzuzeigen.
In dieser Studie mit dem Titel "Bilanzierung zur ökologischen Bewertung der Siedlungsabfallwirtschaft 1993/2004" wurde zunächst das Abfallaufkommen und der Verbleib der Abfälle für diese beiden Vergleichsjahre ermittelt. In einem zweiten Schritt stellte das IFEU Heidelberg dar, wie sich die Entsorgungswege verändert haben. So konnten z. B. die Abfallmengen, die insgesamt zu Sortier- und Verwertungsanlagen verbracht wurden, im Jahr 2004 gegenüber 1993 um etwa 80% gesteigert werden.
Nicht nur die Daten über das Abfallaufkommen und den Verbleib, sondern auch Daten über die Abfallzusammensetzung, den Stand der Abfallbehandlungstechniken in Schleswig-Holstein und den Verbleib und ggf. die Nutzung der Abfälle nach der Erstbehandlung, flossen in die weiteren Berechnungen mit ein. Alle ermittelten Daten wurden mit Hilfe eines Software-Tools in ein Stoffstrommodell überführt.
Mit dem Modell konnten die Umweltbelastungen, die durch die Abfallentsorgung verursacht wurden, berechnet werden. Gleichzeitig fanden die Umweltentlastungen durch die energetische und stoffliche Nutzung der Abfälle Berücksichtigung. Es wurde z. B. die Energie berücksichtigt, die für die Entsorgung (Sammlung, Aufbereitung) eines Kunststoffes notwendig ist, sowie die Energie, die bei der Verbrennung in Müllverbrennungsanlagen gewonnenen wurde. Beide Ergebnisse wurden abschließend miteinander in Beziehung gesetzt. Für die folgenden sieben Indikatoren, die die Schonung der Ressourcen und die Umweltbelastungen darstellen, wurde eine derartige Bilanz gezogen:
Im Vergleich zu der ebenfalls vom IFEU Heidelberg durchgeführten Studie auf Bundesebene zeigte sich, dass sich der Wandel der Abfallwirtschaft in Schleswig-Holstein wie im Bundesdurchschnitt vollzogen hat. Weitere mögliche Potentiale für eine Optimierung der Abfallwirtschaft werden u. a. durch eine Verbesserung der Sortiertechniken bei den MBA gesehen. Bei einer Steigerung der heizwertreichen Fraktion sind Entlastungseffekte hinsichtlich Klima- und Ressourcenschutz zu erwarten. Positiv würde sich auch die effektivere Rückgewinnung von Metallen auf den Ressourcenschutz auswirken.