Verkehrswege für die Zukunft
Die Landesregierung will für Schleswig-Holstein eine Verkehrsinfrastruktur, die den künftigen Herausforderungen gerecht wird. Die Autobahn A 20 als nordwestliche Umfahrung Hamburgs und die Feste Fehmarnbeltquerung mit Straßen- und Schienenhinterlandanbindung werden von der Landesregierung entschlossen vorangetrieben.
MWV, Manuela Renk
A 20 und feste Querung der Unterelbe bei Glückstadt
Die neue A 20, einschließlich der westlichen festen Unterelbquerung bei Glückstadt, ist das bedeutendste Straßeninfrastrukturprojekt der Landesregierung Schleswig-Holsteins. Die so genannte Nord-West-Umfahrung der Metropolregion Hamburg (NWU HH) ist die Weiterführung der Ostseeautobahn Stettin - Lübeck von der A 1 in Schleswig-Holstein bis Drochtersen in Niedersachsen. Sie ist darüber hinaus ein unverzichtbarer Bestandteil des transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-V). Dieses bekräftigte in der Vergangenheit auch die Kommission der Europäischen Gemeinschaft, indem sie bereits zweimal für die Planung zum Bau einer Querung der Elbe einen EU-Gemeinschaftszuschuss gewährte.
Entlastung anderer Straßen
Die Fortführung der A 20 in Schleswig-Holstein wird dazu beitragen, dass die A 7 und der Hamburger Elbtunnel sowie die A 1 mittelfristig vom zunehmenden Personenverkehr als auch vom internationalen Güterverkehr entlastet werden. Zudem wird sie nicht nur zahlreiche Ortsdurchfahrten vom überregionalen Verkehr entlasten und somit die Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger in Schleswig-Holstein steigern, sondern auch den Wirtschaftsraum „Westküste“ deutlich besser erschließen und die Entwicklung dort positiv unterstützten.
Darüber hinaus bietet die neue aber auch einzige leistungsfähige Ost-West-Verbindung in Schleswig-Holstein die Möglichkeit das Land noch besser im globalen Wettbewerb zu positionieren und an der bedeutenden sowie stetig wachsenden maritim orientierten Wirtschaft zu partizipieren. Schleswig-Holstein hat damit die einmalige Chance sich mit Hilfe der A 20 zu einer unumgänglichen Drehscheibe im nord-europäischen Raum zu entwickeln.
Der verkehrliche Ausbau der Straßeninfrastruktur ist insofern auch eine wesentliche Voraussetzung für mehr Wirtschaftswachstum und die Sicherung von Arbeitsplätzen. Um dieses zu erreichen, arbeiten das Verkehrsministerium sowie der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV-SH) mit größter Anstrengung an der Realisierung.
Planfeststellungsverfahren
Alle Teilabschnitte der A 20 westlich von Weede befinden sich in den Planfeststellungsverfahren. Nach der gegenwärtigen Terminplanung sollen bis Ende 2012 für alle Planungsabschnitte in Schleswig-Holstein die Planfeststellungsbeschlüsse vorliegen.
Das Bauvorhaben hat auf schleswig-holsteinischem Gebiet ein Investitionsvolumen von insgesamt rund einer Milliarde Euro. Aus diesem Grund ist die Umsetzung der Maßnahme, nachdem das Baurecht vorliegt, nur abschnittsweise möglich.
Finanzierungsmöglichkeiten
Für den letzten Streckenabschnitt in Schleswig-Holstein, der die feste Unterelbquerung beinhaltet, werden derzeit vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten betrachtet. Unter anderem ist es auch durchaus vorstellbar, dass die Querung der A 20 mit der Elbe, als ein so genanntes ÖPP-Projekt (öffentliche-private Partnerschaft) verwirklicht werden kann.
ÖPP – Projekte werden in Zukunft eine größere Bedeutung bei der Realisierung von Straßenbauprojekten haben. Eine partnerschaftliche Verbindung zwischen der öffentlichen Hand und privaten Investoren könnte ein geeignetes Mittel sein, trotz angespannter Haushaltslage die Straßeninfrastruktur zu erhalten beziehungsweise auszubauen.
Allerdings sind die Erfahrungen in Deutschland im Bundesfernstraßenbau noch sehr gering. In anderen europäischen Länder, wie Frankreich oder Italien, hingegen existieren ähnliche Betreibermodelle seit vielen Jahrzehnten und haben sich durchaus bewährt.
Computergrafik einer möglichen Tunnel-Lösung: Tunneleinfahrt auf dänischer Seite
© Femern A/S
Feste Querung über den Fehmarnbelt
Die feste Querung über den Fehmarnbelt wird das größte Verkehrsinfrastrukturvorhaben Nordeuropas. Die Feste Fehmarnbeltquerung (FBQ) hat europäische Bedeutung. Die Europäische Union unterstützt das Vorhaben auch finanziell. Die Querung wird wahrscheinlich als Tunnel verwirklicht.
Im Jahre 2020 soll der Tunnel für den Schienen- und Straßenverkehr eröffnet werden. Dann werden Norddeutschland und Dänemark/ Südschweden enger zusammenrücken. Für Schleswig-Holstein wird eine neue dynamische Entwicklungsachse entstehen. Sie bietet die historische Chance auf Wachstum und eine regionale Wirtschaftsentwicklung, wie sie das Land seit Jahrhunderten entlang des Jütland-Korridors erlebt hat. Aus verkehrspolitischer Sicht ist die FBQ ein ganz wichtiger Beitrag, um auch künftig zunehmende Güterverkehrsmengen umweltschonend bewältigen zu können.
Hinterlandanbindung
Deshalb legt die Landesregierung großen Wert auf eine für die Region gute Schienenhinterlandanbindung. Das Raumordnungsverfahren für die Schienenhinterlandanbindung wird vorangetrieben, während der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr zusammen mit der dänischen Planungsgesellschaft den Antrag auf Planfeststellung für das Querungsbauwerk vorbereitet. Das Raumordnungsverfahren für die Schienenhinterlandanbindung wird im Jahre 2012 abgeschlossen.
Der Antrag auf Planfeststellung für die Querung wird ebenfalls noch im Jahr 2012 gestellt. Um das Gesamtvorhaben für die Öffentlichkeit besser verständlich zu machen, kritische Gesichtspunkte zu thematisieren und um für die Sorgen und Hoffnungen der Bürgerinnen und Bürger ein Forum zu schaffen, hat die Landesregierung zusätzlich als neue Form der Bürgerbeteiligung das „Dialogforum Feste Fehmarnbeltquerung“ vorgeschlagen. Das Dialogforum wird Anfang September erstmals zusammentreten, um über seine weitere Vorgehensweise zu beraten.
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