Die deutschen Sinti und Roma
Die schleswig-holsteinischen Sinti und Roma deutscher Staatsangehörigkeit sind eine Minderheit, die hier schon lange zu Hause ist. Die erste urkundliche Erwähnung ist aus dem Jahre 1417 in Lübeck überliefert. Ursprünglich stammen die Sinti und Roma aus Indien. In Schleswig-Holstein leben heute schätzungsweise 5.000 Sinti und Roma.
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Geschichte
Immer wieder in der Geschichte waren Sinti und Roma Diskriminierungen ausgesetzt. Als "Zigeuner" beschimpft, wurden sie aus ihren Berufen verdrängt und aus Städten oder Regionen vertrieben. Während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erlebten Sinti und Roma in ganz Europa systematische Verfolgung und Völkermord mit dem Ziel der totalen Vernichtung. Hunderttausende von ihnen wurden ermordet und ihr kulturelles Erbe wurde weitgehend zerstört. Über 500.000 Sinti und Roma fielen im besetzten Europa dem Holocaust zum Opfer. Auch etwa 400 schleswig-holsteinische Sinti und Roma kehrten aus den Lagern der Nationalsozialisten nicht zurück.
Heute leben etwa 60.000 deutsche Sinti und 10.000 deutsche Roma in der Bundesrepublik. Der schleswig-holsteinische Landesverband Deutscher Sinti und Roma e.V. schätzt die Zahl der Sinti und Roma mit deutscher Staatsangehörigkeit in Schleswig-Holstein auf etwa 5.000 Menschen. Sie wohnen und leben vor allem in den Städten Kiel und Lübeck sowie im Hamburger Umland.
Romanes
Die kulturelle Identität der Sinti und Roma gründet in ihrer Sprache Romanes, ihrer Musik und dem Zusammenleben in großen Familienverbänden, aber auch in der Erfahrung jahrelanger Verfolgung.
Romanes gehört zu den nach der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen geschützten Minderheitensprachen. Es handelt sich um eine eigenständige, aus dem altindischen Sanskrit stammende Sprache, die in verschiedenen Varianten gesprochen wird. Die Sprache wird ausschließlich im Rahmen der Familie und Familienverbände gepflegt und an kommende Generationen weitergegeben. Romanes wird weder in der Schule unterrichtet, noch ist es Studienfach an den Hochschulen. Nach dem Willen der Minderheit soll Romanes nicht durch das staatliche Bildungssystem gelehrt und gelernt werden.
Grundsteinlegung am 23. Mai 2007 mit dem damaligen Innenminister Ralf Stegner und dem Landesvorsitzenden der Sinti und Roma Matthäus Weiß
Heidrun Buhse
Die Familie und das Zusammenleben in großen Familienverbänden sind den Sinti und Roma sehr wichtig. Die ältere Generation genießt die besondere Achtung der Jüngeren. Sinti-Kinder wachsen mit Romanes als Muttersprache auf. Später kommt Deutsch dazu.
Wohnsiedlung "Maro Temm"
Zersiedeltes Wohnen widerspricht der Kultur der Sinti und Roma und bedroht ihre Sprache. So entstand der Wunsch nach einem Ort, an dem Sinti und Roma generationenübergreifend miteinander leben und ihre kulturellen Besonderheiten und ihre Sprache Romanes bewahren können - ohne sich von der Mehrheitsbevölkerung abzuschotten.
"Maro Temm" ist Romanes und bedeutet "Unser Platz". Für das Wohnprojekt "Maro Temm" bot die Landeshauptstadt Kiel ein 10.000 Quadratmeter großes Erbpachtgrundstück in der Diedrichstraße im Stadtteil Gaarden an. Eine eigens gegründete Wohngenossenschaft und viele Helfer bauten hier eine Reihenhaussiedlung mit 13 Wohneinheiten auf. Hausaufgabenhilfe, Freizeitaktivitäten, Versammlungen und kleine kulturelle Begegnungsfeste sind möglich. Minderheitenpolitisch hat dieses Projekt entsprechend Beachtung gefunden.
Landesverband Deutscher Sinti und Roma
Die schleswig-holsteinischen Sinti und Roma deutscher Staatsangehörigkeit sind eine Minderheit, die hier schon lange zu Hause ist
Renate Schnack
Träger der politischen und kulturellen Arbeit in Schleswig-Holstein ist der Landesverband Deutscher Sinti und Roma e. V. Eines der wichtigsten Ziele des Landesverbandes ist die Aufnahme der Minderheit in den Minderheitenartikel der schleswig-holsteinischen Verfassung. Jedes Jahr gedenkt der Landesverband der Verschleppung der schleswig-holsteinischen Sinti und Roma am 16. Mai 1940 mit einer kleinen Gedenkfeier im Kieler Hiroshima-Park.
Im Rahmen seiner Jugendarbeit bietet der Landesverband verschiedene Freizeitangebote in der Muttersprache Romanes an. Hierzu gehören Gitarrenunterricht im klassischen Sinti-Jazz, Jazz-Dance für Mädchen und Frauen sowie Gesprächs- und Bastelkreise für Kinder- und Jugendliche.
Sinti-Mediatorinnen in Schulen
Der Landesverband wird mit Mitteln des Landes Schleswig-Holstein gefördert. Die Förderung beinhaltet auch Gelder für die Arbeit von Mediatorinnen an Kieler Schulen. Sinti-Kinder haben oft einen schweren Stand in der Schule. Zum einen stößt ihre Kultur auf Vorbehalte, zum anderen behindern häufig mangelnde Kenntnisse der deutschen Sprache den Lernerfolg. Die Mediatorinnen vermitteln bei kulturellen und sprachlichen Problemen zwischen den Lehrern und Eltern und sind Ansprechpartner für die Kinder bei Hausaufgaben und vielem mehr. Die Arbeit der Projektmitarbeiterinnen fand ihre verdiente Anerkennung im Mai 2006, als die "Stiftung zugunsten des Romavolkes" sie mit dem Otto-Pankok-Preis ehrte. Die Stiftung wurde 1997 vom Literaturnobelpreisträger Günter Grass und seiner Frau Ute gegründet. Der Otto-Pankok-Preis wird in unregelmäßigen Abständen an Personen verliehen, die sich in besonderer Weise für Belange der Sinti und Roma eingesetzt haben.
Kontakt
Landesverband Deutscher Sinti und Roma e.V.
Landesvorsitzender Matthäus Weiß
Geschäftsführerin Anna Weiß
Dorfstraße 11, 24146 Kiel
Tel.: 0431 12209-22/-23
Fax: 0431 12209-24
E-Mail: lv.s-h.sinti-roma@t-online.de
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