Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer

Das Great Barrier Reef in Australien, der Grand Canyon in den USA oder der Serengeti in Ostafrika: Die Naturerbestätten der Unesco sind weltbekannt. Jahr für Jahr strömen tausende Besucher in die Schutzgebiete, um die einzigartige Natur zu erleben. Haben Sie gewusst, dass eines dieser Naturwunder direkt vor unserer Haustür liegt?

Wattenmeer vor Büsum. Im Hintergrund fährt ein KutterWattenmeer vor Büsum CC / picasaweb.google.com / Foto: rubycon

Einzigartige Naturwerte, ein intakter ökologischer Lebensraum und effektive Schutzmaßnahmen zur Erhaltung dieses besonderen Gebietes. Das Wattenmeer erfüllt alle Anforderungen, um in die Liste der Unesco-Weltkulturerbestätten aufgenommen zu werden.

Und noch mehr: In drei Punkten ist der Naturraum sogar weltweit einmalig:

  • Die Landschaft: Das Wattenmeer ist mit seinen rund 7.500 Jahren nicht nur jung, sondern auch äußerst dynamisch. Wind, Wellen und Gezeiten lassen Sandplaten und Dünen kommen und gehen. Das Wattenmeer zeigt auch heute noch, wie Landschaften in längst vergangener Zeit entstanden sind und innerhalb kürzester Zeit auch wieder verschwinden.
  • Natürliche Kräfte: Dynamische Landschaften brauchen dynamische Bewohner. Im Wattenmeer leben viele Tiere, die sich raffiniert an die ständig wechselnde Umgebung angepasst haben. Die Strandschnecke etwa schließt bei Niedrigwasser ihr Haus. Sie wartet beharrlich, bis die Flut wieder einsetzt. Ähnlich flexibel auch die Flunder. Der Plattfisch hält sich besonders gerne in den Brackwassergebieten von Flussmündungen auf, die je nach Strömung mal mehr Süß-, mal mehr Salzwasser mit sich tragen.
  • Die Vielfalt: Das Gebiet aus Wattflächen mit Rinnen und Prielen, mit Sandbänken, Dünen und Salzwiesen ist eine der fruchtbarsten Regionen der Erde. Hier gibt es mehr Leben als im Urwald. Ob an Land, im Wasser oder in der Luft, im Wattenmeer leben rund 10.000 Pflanzen- und Tierarten. Diese Vielfalt ist weltweit einmalig. Doch das Wattenmeer hat nicht nur eine Vielzahl zufriedener Bewohner zu bieten. Jährlich besuchen zwischen 10 und 12 Millionen Zugvögel das einzigartige Gebiet. Hier erholen sie sich von ihrer langen Reise und schöpfen neue Kraft.

Natürliche Kräfte

Wattenmeer bei Keitum auf der Insel SyltWattenmeer bei Keitum auf der Insel Sylt CC / wikimedia.org / Foto: Muns

Das Wattenmeer ändert sein Gesicht täglich. Zunächst Wattflächen so weit das Auge reicht, dann wieder eine raue und aufbrausende See. Rund 4.500 Quadratkilometer Meeresboden fallen zweimal täglich trocken. Die Kräfte, die das bewirken, sind die Gezeiten. Ursache der Gezeiten sind die Anziehungskräfte von Erde, Mond und Sonne. Wasser ist beweglich.

Wenn der Mond an der Erde ´zieht´, biegen sich die Wassermassen nach oben. Das verursacht das Hochwasser an den Küsten. An anderen Stellen wird das Wasser dadurch weggezogen, dort ist dann Niedrigwasser. Die Wassermassen benötigen etwas mehr als sechs Stunden, um anzusteigen beziehungsweise wieder zurück zu fließen. Dazwischen liegt eine Stunde, in der das Wasser entweder an der Küste (Flut) oder auf hoher See (Ebbe) verweilt. Das Zusammenspiel von Ebbe und Flut nennt sich Tide. Das Wattenmeer ist eines der letzten großen Gezeitengebiete, in dem Naturkräfte wirken können, ohne zu sehr durch menschliche Aktivitäten beeinflusst zu werden.

Weltnaturerbe Wattenmeer

Austerfischer auf AmrumAusterfischer auf Amrum CC / www.wikimedia.org / Foto: Georg Homburg

Ende Juni 2009 hat das Welterbekommitee der Unesco das Wattenmeer in die Liste der Welterbestätten aufgenommen. Das Gebiet umfasst eine Länge von 400 Kilometer und eine Gesamtoberfläche von knapp 10.000 Quadratkilometer. Auf Deutschland fallen davon gut 7.300 Quadratkilometer. 2.550 Quadratkilometer liegen bei den holländischen Nachbarn. Derzeit genießen 66 Prozent des gesamten Wattenmeeres den Weltnaturerbestatus. Das deutsche Gebiet des Weltnaturerbes deckt sich mit dem Gebiet der Wattenmeer-Nationalparks in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Der niederländische Bereich liegt in den Provinzen Noord-Holland Friesland und Groningen. Er gehört zum geschützten Teil des niederländischen Wattenmeeres.

Der Schleswig-Holsteinische Teil

Die Hanswarft auf Hallig HoogeDie Hanswarft auf Hallig Hooge © Doris Rennekamp/www.pixelio.de

Der östliche Teil des deutschen Weltnaturerbes fällt in den Bereich des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Von der Elbmündung bis zur dänischen Grenze erstreckt sich das Gebiet auf einer Gesamtfläche von 4.367 km².
Wattflächen, Priele, Dünen und Salzwiesen bilden hier ein weites und vielseitiges Naturgebiet.

Eine Besonderheit des Schleswig-Holsteinischen Wattenmeeres sind die Halligen - kleine Inseln, die regelmäßig vom Meer überspült werden. Sie bieten unzähligen Vögeln wichtige Rast- und Brutplätze. Doch nicht nur viele Vögel fühlen sich im Wattenmeer zu Hause. Zwischen den Inseln Sylt und Amrum leben rund 6.000 Schweinswale. Derartig große Gruppen der bedrohten Tiere sind nirgendwo sonst zu finden. In den geschützten Gewässern scheint für die die schwarz-weißen Meeresbewohner jedoch alles zu stimmen. Hier pflanzen sie sich ungestört fort und ziehen ihre Jungtiere auf.

Das Wattenmeer aus der Luft: In der Mitte die Halbinsel Eiderstedt. Weiter südlich die kleinen Inseln Trischen und Tertius. Das Wattenmeer aus der Luft: In der Mitte die Halbinsel Eiderstedt. Weiter südlich die kleinen Inseln Trischen und Tertius. CC / wikimedia.org / Foto: Mogens Engelund

Ein besonderes Beispiel für die Dynamik des Wattenmeeres findet sich etwa 14 Kilometer vor der Dithmarscher Küste. Hier liegt die unbewohnte Insel Trischen. Trischen entstand vor rund 400 Jahren aus aufgespülten Sänden, die sich schließlich dauerhaft über die Flutlinie erhoben. Seit dieser Zeit wandert die Insel jährlich gut 30 Meter nach Osten. Setzt Trischen diese Wanderung fort, erreicht das kleine Eiland in gut 400 Jahren den Büsumer Deich.

Schutz und Verwaltung

Die Ernennung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe ist eine besondere Auszeichnung. Für die gemeinsamen Schutzbemühungen Deutschlands und der Niederlande ist die Anerkennung des Wattenmeeres ein Meilenstein und gleichzeitig Ansporn für weitere Bemühungen. Dänemarks neuer Wattenmeer-Nationalpark und der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer mit den Inseln Neuwerk und Scharhörn können nachgemeldet werden.

Zwei junge Frauen beugen sich über ein Becken und berühren einen Seestern im Wasser.Im Multimar Wattforum können die Besucher Wattbewohner hautnah erleben Multimar Wattforum, Monika Hecker

Gleichzeitig hat die Anerkennung einen außerordentlichen Imagegewinn für ganz Schleswig-Holstein gebracht und erhebliche Impulse für den Tourismus gegeben. Nationalpark-Zentren, ein gut ausgebautes Besucherinformations- und Lenkungssystem, Nationalpark-Partner und Naturschutzverbände sorgen dafür, dass die jährlich 16 Millionen Besucher bestens über das Weltnaturerbe Wattenmeer informiert werden.


Trilaterale Kooperation seit 1978

Nahaufnahme einer Strandkrabbe im WattDie Strandkrabbe wirbt in Zukunft für das Welterbe Wattenmeer © M.Schlüter/www.pixelio.de

Die drei an das Wattenmeer grenzenden Länder, Niederlande, Deutschland und Dänemark, bilden zusammen die trilateralen Kooperationsländer. Bereits seit 1978 gibt es diesen grenzübergreifenden Zusammenachluss. Alle vier Jahre beraten die Wattenmeeranrainer über die Entwicklung und Anpassung der gemeinsamen Schutzpolitik.

(Quelle: u.a. dpa, worldheritage-waddensea.org)

Weitere Informationen

Nationalpark Wattenmeer

Umweltministerium

Landwirtschafts- und Umweltportal Schleswig-Holstein



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