Die "Small Five" des Weltnaturerbes
Wenn die Flut geht und der Meeresboden freiliegt, kommen ganz besondere Lebewesen zum Vorschein. Sie sind vielleicht nicht so groß wie die "Big Five" Afrikas, aber auf ihre Art genauso faszinierend. Angepasst an Ebbe und Flut, leisten sie einen wichtigen Beitrag für das Weltnaturerbe Wattenmeer.
Die "Big Five" Afrikas schmückten früher die Jagdzimmer der Großwildjäger auf der ganzen Welt. Heute dürfen Elefant, Leopard, Büffel, Nashorn und Löwe nur noch von Kameras gejagt werden, die um die Hälse der Touristen baumeln.
Weniger gefährdet sind die "Small Five". Aber auch sie kann der Tierliebhaber auf Safaris entdecken. Diese "Small-Five-Safaris" werden fast überall an der Westküste angeboten und locken in die Welt der kleinen Tiere im großen Wattenmeer.
Die Strandkrabbe wirbt in Zukunft für das Welterbe Wattenmeer
© M.Schlüter/www.pixelio.de
Strandkrabbe
Auch wenn die Verwechslung häufiger vorkommt: Ein Krabbenbrötchen ist nie mit einer Strandkrabbe belegt. Die Strandkrabbe ist ein Krebs und ein gefräßiger noch dazu.
Er ist nicht wählerisch und frisst neben Algen, Würmern, Muscheln und Schnecken auch jede Menge Aas. So tragen die Strandkrabben ihren Teil zur Reinigung des Wattenmeeres bei. Sie kommen fast überall in Küstengebieten vor und werden dort bei Ebbe und Flut gleichermaßen von Feinden gejagt. Mit einem gekonnten Griff und dem Bauch der Strandkrabbe nach oben, ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern leicht zu erkennen: Der Hinterleib, ein zurückgebildeter Schwanz, ist beim Weibchen oval und beim Männchen scharf dreieckig.
Wattwurm
Schutzstation Wattenmeer
Bei Ebbe sind sie überall: die Spaghettihaufen im Watt. Verantwortlich für diese seltsamen Haufen ist ein 40 Zentimeter langer, rot bis rotbrauner Wurm. Der Wattwurm. Er frisst ständig den Sand des Wattes und filtert so die organischen Stoffe aus dem Boden heraus. Alle 40 Minuten kommt er an die Oberfläche und hinterlässt eben diese bekannten Anhäufungen. Die Würmer graben alljährlich die oberen 20 Zentimeter des Meeresbodens um und verbessern so die Lebensbedingungen für viele andere Tierarten des Wattenmeeres.
Nordseegarnele
Hans Hillewaert
Sie ist das flinke Chamäleon der Nordsee. Indem sie Farbpunkte in ihrer Haut ausdehnt oder zusammenzieht, kann die Nordseegarnele ihre Farbe ändern. So wirkt sie manchmal durchsichtig und dann wieder dunkel. Bei Gefahr vergräbt sie sich im Sand oder saust mit zwei, drei kräftigen Schwanzschlägen davon. Trotz dieser Tarnung wird die Nordseegarnele von Vögeln, Fischen und Krebsen in großen Mengen gefressen. Die direkt an Bord des Krabbenkutters gekochten Garnelen sind aber auch für den Menschen, zum Beispiel in Form des Krabbenbrötchens, eine Delikatesse.
Im Herbst wandert die Nordseegarnele in tieferes Wasser ab und kommt erst in den wärmeren Jahreszeiten zurück ins Wattenmeer. Der kleine Räuber frisst Würmer, junge Muscheln und andere kleine Bodentiere.
Wattschnecke
Schutzstation Wattenmeer
Von Schneckentempo kann hier gar nicht die Rede sein. Durch einen Trick kann die Wattschnecke kilometerweit reisen: Sie baut ein Floß aus Schneckenschleim, heftet sich daran und treibt dann an der Unterseite der Wasseroberfläche davon. Diese drei bis sechs Millimeter kleinen Tiere haben eine große Aufgabe im Wattenmeer. Sie fressen nicht nur alles, was sich am Boden absetzt, sondern verbinden durch ihre Ausscheidungen Sand und Schlick. Dadurch wird der Boden nicht weggespült. 4.000 bis 20.000 dieser kleinen, großen Tiere drängeln sich auf einem Quadratmeter und werden zum Beispiel von der Brandente auch in großen Mengen gefressen.
Herzmuschel
Weltnaturerbe Wattenmeer
© x-ray-andi/www.pixelio.de
Ihren Namen hat sie durch ihren herzförmigen Umriss, der bei einer seitlichen Betrachtung einer ganzen Muschel erkennbar ist. Die Herzmuschel ist die häufigste Muschelart im Gezeitenbereich der Nordsee und ist dort bei Seevögeln und Muschelsammlern sehr beliebt. Doch nicht nur als Nahrungsgrundlage vieler Tiere ist die Muschel wichtig für das Wattenmeer. Die rund drei Zentimeter große Muschel filtert in einer Stunde 2,5 Liter Meerwasser.
Weitere Informationen
Nationalpark Wattenmeer
Umweltministerium
Landwirtschafts- und Umweltportal Schleswig-Holstein
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