Cluster Life Science Nord
Die Life Sciences (Medizintechnik und Biotechnologie/Pharma) stellen als innovativer Kernbereich der Gesundheitswirtschaft für die Länder Schleswig-Holstein und Hamburg eines der wichtigen Zukunftsfelder dar. In den letzten sechs Jahren ist in Deutschland erstmalig ein operativ funktionierender Cluster über die Grenzen zweier Bundesländer hinweg entstanden, der unter der Dachmarke Life Science Nord national und international wettbewerbsfähig positioniert ist.
Zum Cluster gehören neben Politik und Wissenschaft rund 500 Unternehmen, wobei das Unternehmensspektrum von Global Playern (u.a. Dräger Medical Deutschland GmbH, Philips Medizin Systeme GmbH, Olympus GmbH) über mittelständische Unternehmen (u. a. Söring GmbH, Möller-Wedel GmbH) bis zu kleinen, innovativen Unternehmen (u. a. Energy Lab Technologies GmbH, CONARIS Research AG) reicht.
Basis durch Wissenschaft und Forschung
Eine wichtige Basis für Wissenschaft und Forschung in Life Science Nord bilden die neun Universitäten und Hochschulen zusammen mit zwei Universitätskliniken sowie sieben außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in Schleswig-Holstein und Hamburg. In allen Teilbranchen findet sich in der Region ein breites Spektrum von Forschungsgebieten und Wissenschaftsdisziplinen sowohl in der Grundlagen- als auch in der Anwendungsforschung für die Life Sciences. In den Teilbranchen Medizintechnik und Biotech/Pharma bestehen herausragende Kompetenzen in den Gebieten Bildgebung, Operationstechnologien, Laborausrüstungen, Diagnostik und Therapie insbesondere in den Indikationsfeldern Neurodegenerative Erkrankungen, Onkologie, Entzündung und Infektionen. Mit der insgesamt quantitativ dominierenden Medizintechnik bildet Life Science Nord mit 2,7 Mrd. Euro Umsatz nach Bayern und Baden-Württemberg das drittgrößte Cluster in Deutschland. Auch hinsichtlich der Anzahl der Beschäftigten stehen Schleswig-Holstein und Hamburg bundesweit auf dem dritten und vierten Platz (Quelle: Spectaris 2008, HSH Nordbank 2007).
Clustermanagement Norgenta GmbH
Als zentrales Clustermanagement für Life Science Nord wurde im April 2004 von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein die Norgenta Norddeutsche Life Science Agentur GmbH gegründet. Die Agentur mit heute acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Sitz in Hamburg und einem Außenbüro in Lübeck versteht sich als Projekt- und Servicegesellschaft zur Koordination der Life Science-Aktivitäten in Hamburg und Schleswig-Holstein. Ziel ist die regionale Entwicklung der Life Sciences. Seit Juni 2010 ist der private Bay to Bio Förderverein Life Science Nord e.V. als dritter Gesellschafter in die Norgenta eingebunden. Der Verein zählt rund 130 Unternehmen und Einrichtungen aus Schleswig-Holstein und Hamburg zu seinen Mitgliedern. Norgenta hat die Einbindung der beiden traditionsreichen Vereinigungen Bay to Bio (mit Schwerpunkt Biotechnologie/Pharma) und der Arbeitsgemeinschaft Medizintechnik Schleswig-Holstein (AGMT) e.V. über Kooperationsverträge vollzogen und unterstützt die gewachsenen Netzwerke mit Clusteraktivitäten.
Norgenta ist erste Anlaufstelle für alle Fragen und Bedarfe von Clusterakteuren. Hauptaufgaben und Aktivitätssäulen sind „Förderung“, „strategische Projekte“, „Marketing und Kommunikation“, „Netzwerke“ sowie „allgemeine Branchenbetreuung“.
Die Arbeit der Norgenta wurde 2010 extern durch das Beratungsunternehmen Capgemini Deutschland GmbH evaluiert und als erfolgreich bewertet: „In den fünf Jahren der Förderung des Clustermanagements wurden von der Norgenta eine Vielzahl für die Region erfolgreiche Projekte angestoßen und begleitet. Norgenta hat Projekte unterstützend initiiert/begleitet, bei denen aus Bundes- und EU-Förderprogrammen Mittel im Bereich von rund 12 Mio. Euro in die Region geflossen sind. Hierdurch wurde direkte Wirtschaftsförderung betrieben“.
Länderübergreifende Aktivitäten im Cluster
Die Clusterakteure aus Schleswig-Holstein und Hamburg haben in enger Kooperation mit dem Clustermanagement Norgenta 2008 den Masterplan Life Science Nord (Infos unter life-science-nord.net) erarbeitet. Hier werden inhaltliche Schwerpunkte definiert und die koordinierte Weiterentwicklung des Clusters verfolgt. Damit haben sich Wirtschaft, Wissenschaft und Politik auf Maßnahmen und Ziele geeinigt, die in den kommenden Jahren umzusetzen sind. Der länderübergreifende Aspekt macht sich bei der Arbeit der Norgenta mehrfach positiv bemerkbar: Erstens erreicht das Cluster Life Science Nord durch den Zusammenschluss eine kritische Masse auch in Teilbranchen, in denen ein Land alleine weniger nennenswert vertreten wäre. Zweitens stellen beide Länder unter Einbeziehung des ebenfalls länderübergreifend arbeitenden privaten Trägervereins eine gemeinsame Finanzierungsbasis für ein Clustermanagement, das damit von den fachlichen Kompetenzen und seiner Leistungsfähigkeit her in der Bundesliga der Life Science Regionen mitspielt. Drittens werden mit dieser Kompetenz sowohl länderspezifische als auch länderübergreifende Projekte initiiert und begleitet, die ohne ein entsprechend aufgestelltes, fachlich starkes Clustermanagement nicht möglich gewesen wären. Viertens können Marketingaktivitäten zur internationalen Profilierung von Life Science Nord gebündelt und damit effektiver organisiert werden. Fünftens stellt das Clustermanagement damit in einem zukunftsträchtigen und inhaltlich außerordentlich wissensintensiven Bereich eine Beratungsressource für die Politik und eine Verbindung zu den Entscheidungsträgern in Wissenschaft und Wirtschaft dar.
Strategische Leuchtturmprojekte
Zur strukturellen Entwicklung des Standortes sind strategische Leuchtturmprojekten entstanden, die auf eine synergetische Zusammenführung der Kompetenzen in beiden Ländern zielen: Z. B. konnte die Fraunhofer Einrichtung für Marine Biotechnologie EMB in Lübeck (gefördert durch Schleswig-Holstein mit insg. 37,5 Mio. Euro) seit ihrer Gründung 2008 durch Norgenta erfolgreich mit Industriepartnern u. a. in Hamburg vernetzt werden, was erheblich zur positiven Evaluation der EMB und zur Ernennung zum vollwertigen Institut ab 2013 durch die Fraunhofer Gesellschaft beigetragen hat. Mit dem vom Land Schleswig-Holstein geförderten Netzwerk Life Science Nord Cell3 rund um die EMB unterstützt Norgenta die Entwicklung der wirtschaftlich viel versprechenden „Industriellen Zelltechnologie“ im Norden. Ein weiteres Beispiel ist das Forschungskonsortium NEU² mit dem Kieler Unternehmen Bionamics als Konsortialführer und weiteren Akteuren aus Hamburg darunter das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf als Mitgliedern. Mit NEU² konnten beim BioPharma Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums 34 Mio. Euro Fördergelder für die Entwicklung von neuen Medikamenten gewonnen werden. Und auch beim Kompetenzzentrum für Molekulare Bildgebung an der CAU Kiel, MOIN CC (gefördert durch Schleswig-Holstein mit insg. 7,4 Mio. Euro), wurden Partner aus Schleswig-Holstein und Hamburg zusammengeführt.
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