Bündnis für Ausbildung:
Ausbildungsreife fördern - Fachkräfte sichern
Die demografische Trendwende hat den Ausbildungsmarkt erreicht: Die Zahl der freien Ausbildungsstellen wächst kontinuierlich und steht einer nur schwach steigenden Bewerberzahl gegenüber. Gleichwohl suchen noch viele Jugendliche einen Ausbildungsplatz.
"Um den Jugendlichen in Schleswig-Holstein gute Zukunftsperspektiven zu verschaffen, haben wir das hochgesteckte Ziel, allen ausbildungswilligen Jugendlichen eine Ausbildung zu ermöglichen und den noch nicht ausbildungsfähigen Jugendlichen eine Brücke in die Ausbildung zu eröffnen", sagt Wirtschaftsminister Jost de Jager. Dafür bündeln die Partner auf dem Ausbildungsmarkt erneut ihre Kräfte: Gemeinsam mit Wirtschaftsverbänden, Kammern, Gewerkschaften, der Arbeitsverwaltung sowie den Kommunen hat die Landesregierung am Mittwoch, 10. August, im Ausbildungsbetrieb "S&H Audizentrum Kiel" das "Bündnis für Ausbildung" geschlossen.
Im Interview mit NDR-1-Welle-Nord-Reporter Sebastian Baak sagte Wirtschaftsminister Jost de Jager:
Steigender Konkurrenzkampfes um Auszubildende
Wie de Jager weiter sagte, müssten sich die Betriebe angesichts des steigenden Konkurrenzkampfes um Auszubildende verstärkt bemühen, die Attraktivität der eigenen Ausbildung zu steigern und Karriereperspektiven aufzuzeigen. Auch sollten sie sich Bewerbern zuwenden, die nicht in der ersten Wahl stehen. Das Wirtschaftsministerium plane gemeinsam mit den Partnern die Betriebe dabei mit dem Projekt "Ausbildung direkt" zu unterstützen.
Eberhard Jürgensen, Präsident der Handwerkskammer Schleswig-Holstein betonte die Bedeutung der Ausbildung als wirksamstes Mittel, um den zukünftigen Fachkräftebedarf zu decken. Er erhoffe sich, dass die Jugendlichen, die über den weiteren Schulbesuch einen höheren Bildungsabschluss anstreben, die diesbezüglichen Chancen der Berufsausbildung erkennen. "Denn ein höherer Bildungsabschluss ist auch parallel zur Berufsausbildung möglich. Und wer die Meisterprüfung obendrauf setzt, hat sogar den Hochschulzugang in der Tasche", so Jürgensen.
Kostenloser Nachhilfeunterricht für Auszubildende
Dr. Wolf-Dieter Schmidtke-Glamann, Leiter der Arbeitsagentur Kiel, sagte: "Wenn wir in diesem Jahr wieder die 'magische' Grenze von 22.000 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen übertreffen wollen, müssen auch leistungsschwächere Bewerber eine Chance erhalten. Mit den sogenannten ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH), ein kostenloser Nachhilfeunterricht für Auszubildende, unterstützen wir die Betriebe. In diesem Jahr haben wir bereits 2,4 Millionen Euro in dieses Angebot investiert." Daneben stünden für berufsvorbereitende Bildungsangebote fast 30 Millionen Euro zur Verfügung.
Schmidtke-Glamann empfahl allen noch unversorgten Bewerbern nicht auf den Wunschberuf zu beharren: "Vereinbart Gesprächstermine mit der Arbeitsagentur vor Ort und entwickelt gemeinsam mit den Berufsberatern und euren Eltern neue Perspektiven. Bei über 350 Ausbildungsberufen gibt es Alternativen."
Gute Ausbildung für Jugendliche
Uwe Polkaehn, Chef des DGB-Bezirks Nord, sagte: "Die langfristige Beschäftigungsfähigkeit von Jugendlichen muss durch eine gute Ausbildung verbessert werden. Um die berufliche Ausbildung attraktiver zu machen, müssen wir unser Augenmerk auch auf die Verbesserung der Qualität der Ausbildungsbedingungen lenken. Ausbildungsbetriebe mit hohen tarifvertraglichen Standards und attraktiven Rahmenbedingungen sichern die Zukunftsfähigkeit Schleswig-Holsteins".
Kooperation von Schulen und Betrieben
Dr. Ekkehard Klug, Minister für Bildung und Kultur, erklärt: "Durch eine Vielzahl von Kooperationen mit Betrieben und Projekten zur Berufsorientierung bereiten bereits die Schulen den Weg für die Aufnahme einer Berufsausbildung und für den damit verbundenen Einstieg in das Arbeitsleben. Eine besondere Rolle spielen auch die Berufsbildenden Schulen, die als Partner der Regional- und Gemeinschaftsschulen und der Förderzentren ihre Werkstätten und Fachräume für Unterrichtszwecke öffnen oder durch Teilnahme am Unterricht zum Beispiel im Rahmen des Projektes „Praktikum plus“ Einblicke in den Berufsschulunterricht ermöglichen".
Positives Ergebnis wiederholen
Angesichts des positiven Ergebnisses des vergangenen Jahres, in dem landesweit 21.291 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen werden konnten, soll auch in diesem Jahr das bewährte Konzept des Bündnisses fortgesetzt werden. „Dass die Zahl der be-trieblichen Ausbildungsverträge um 0,5 Prozent gegenüber 2009 gesteigert werden konnte, verdient Dank und höchste Anerkennung“, lobte de Jager die Ausbildungsleistung der Betriebe.
Das Bündnis
Die Bündnispartner wollen ihre bisherigen Anstrengungen aufrechterhalten. Es gilt, dass möglichst alle Jugendlichen die Schule mit einer Ausbildungsreife verlassen, die sie befähigt, eine Berufsausbildung zu beginnen. Dazu wurde im Bündnis vereinbart, präventiv in der Schule über die Zusammenarbeit von Schulen und Betrieben sowie über das Handlungskonzept Schule & Arbeitswelt anzusetzen. Beispielhaft genannt sei das gemeinsam von Wirtschaftsministerium, den IHKs und den Handwerkskammern weiter entwickelte und mit dem Bildungsministerium eng abgestimmte Projekt „Regionale Fachberatung Schule und Betrieb“, über das nachhaltige Kooperationen zwischen Schulen und Betrieben geschlossen und betreut werden sollen.
Durch die vertiefte Berufsorientierung und die individuelle Begleitung durch Coaching-Fachkräfte im Handlungskonzept Schule & Arbeitswelt konnten in den letzten Jahren die Anzahl der Schüler, die den Hauptschulabschluss erreichten, um rund 1.000 gesteigert und die Quote der Absolventen ohne Hauptschulabschluss von 10 auf 7 Prozent gesenkt werden. Neben Hauptschülern sind junge Mütter und Jugendliche mit Migrationshintergrund Zielgruppen für die verstärkte Ausbildung in Betrieben. Die Landesregierung fördert die erfolgreiche Teilzeitausbildung und die Akquirierung von Ausbildungsplätzen in Migrantenbetrieben. Jugendliche mit Migrationshintergrund und deren Eltern werden von der Türkischen Gemeinde Schleswig-Holstein über das Projekt „Ausbildung und Integration für Migranten (AIM)“ beraten. Jugendliche, die in Gefahr stehen, die Ausbildung abzubrechen, können sich an die Regionale Ausbildungsbetreuung (RAB) wenden.