Erster Schleswig-Holsteinischer Integrationspreis verliehen
© Ingo Röske-Wagner
2011 wurde erstmals der Schleswig-Holsteinische Integrationspreis verliehen. Das Ministerium für Justiz, Gleichstellung und Integration sowie die Investitionsbank Schleswig-Holstein würdigten damit Projekte und Maßnahmen aus dem Bereich der Integration von Migrantinnen und Migranten. 2011 lautet das Motto: Vielfalt macht stark. Dazu sind insgesamt 74 Bewerbungen eingegangen. Die Wettbewerbsbeiträge umfassen insbesondere die Bereiche interkultureller/-religiöser Dialog, Bildung und Gemeinwesenarbeit. Die Preisverleihung erfolgte am 25. Oktober 2011. Der Schleswig-Holsteinische Integrationspreis soll künftig jährlich verliehen werden.
Ausgezeichnet mit je 2.500,- Euro wurden 2011 folgende zwei Projekte:
In der Kategorie "Hauptamt": Die Waldschule Flensburg
"Inklusion" und "Partizipation" sind an der Waldschule verbindende Elemente, die Menschen unterschiedlicher Nationalität, Begabung oder Sprache zusammenführen. 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler der Waldschule Flensburg besitzen einen Migrationshintergrund. 23 verschiedene Muttersprachen werden dort gesprochen. Die Waldschule löst diese Herausforderungen mit ihrem Leitmotiv: "Es ist normal verschieden zu sein.
" Schon vor der Einschulung gibt es eine enge Kooperation mit den örtlichen Kindertagesstätten, die Vorschulkinder werden bereits im Kindergarten besucht. Zusätzlich erhält die Waldschule Flensburg Entwicklungsberichte aus den Kindergärten.
Das Herzstück der Schule ist jedoch die jahrgangsübergreifende Eingangsphase mit dem Ziel, den Kindern zu Beginn ihrer Schulkarriere persönliche Lernzeit, individuelle Lernentwicklung und eigene Lernpläne in heterogenen Lerngruppen zu vermitteln.
In Zusammenarbeit mit der Universität Flensburg hilft das Zentrum für Deutsch als Zweitsprache den Kindern beim Erlernen der deutschen Sprache. Hinzu kommt für türkischstämmige Kinder ein muttersprachliches Förderangebot. Lehrkräfte der Waldschule Flensburg nehmen zudem am Projekt "Interkulturelle Kompetenz" teil und bringen ihr Wissen ins Kollegium der Waldschule ein.
In der Kategorie "Ehrenamt": Der Ambassador Club Concordia Lübeck
Der Ambassador Club Concordia Lübeck hat es sich zur Aufgabe gemacht, für Toleranz und Völkerverständigung zu werben. Die Haupttätigkeit des Clubs besteht darin, Fundraising zu betreiben. Es werden Spenden gesammelt und Benefizabende veranstaltet. Die gesammelten Gelder kommen verschiedenen Zielgruppen zugute. Eine dieser Zielgruppen sind türkischstämmige Frauen mit einem besonderen Hilfebedarf, weil sie zum Beispiel behinderte Kinder haben oder mit ihren Kindern in Frauenhäusern leben. Darüber hinaus besucht der Ambassador Club Concordia Lübeck auch einsame Migrantinnen und Migranten in Seniorenheimen.
Das Projekt beeindruckt durch den hohen sozialen Anspruch und das starke bürgerschaftliche Engagement. Es werden Menschen erreicht, die durch andere Projekte nicht unbedingt erreicht werden.
Einen Sonderpreis vergab die Investitionsbank Schleswig-Holstein an ein Wohnungsbau-Unternehmen, das ein integratives Wohnungsbauprojekt unterstützt. Dazu sagte Erk Westermann-Lammers, Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank: "Für uns als Förderbank im Norden ist das Thema Integration nicht nur eine Herausforderung, sondern die Chance für wirtschaftlichen Erfolg in unserem Land.
" Der Sonderpreis in Höhe von 2.500,- Euro ging an die Frank Heimbau Nord GmbH für das Projekt "Gustav-Schatz-Hof" in Kiel. Das Vorhaben umfasst einen Neubau von betreuten Seniorenwohnungen, einer Kindertagesstätte, einer ambulanten Demenzgruppe mit mehreren Wohneinheiten, einer Tagespflegestation und eines Mietertreffs. "Dieser neue konzeptionelle Ansatz zielt auf eine Erweiterung und Stärkung sozialer Vernetzung und sozialer Infrastrukturangebote. Das Wohnangebot im Gustav-Schatz-Hof passt sich dem demographischen und strukturellen Wandel der Gesellschaft an
", so Westermann-Lammers weiter.
Die Jury würdigte damit einen umfassenden Ansatz eines privaten Wohnungsbauunternehmens, sesshaft gewordene ältere Migrantinnen und Migranten mit ihren speziellen Bedürfnissen in ein generelles Wohnraum-Angebot für Seniorinnen und Senioren zu integrieren.
Integrationsminister Emil Schmalfuß dankte allen Teilnehmern für ihr Engagement: "Wir haben wunderbare Initiativen und ihre "Macher" gewürdigt. Aber ich möchte an dieser Stelle allen Bewerberinnen und Bewerbern meinen herzlichen Dank aussprechen. Die Auszeichnungen werden auch stellvertretend für Ihr Engagement ausgesprochen. Ich danke allen in der Migrations- und Integrationsarbeit tätigen Bürgerinnen und Bürgern für ihr Engagement. Lassen Sie uns weiter gemeinsam daran arbeiten, dass Menschen mit Migrationshintergrund sich in Schleswig-Holstein willkommen und dazugehörig fühlen. Bei der Verankerung einer Willkommens- und Anerkennungskultur sind öffentliche Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen gefordert. Integration braucht eine politische, kulturelle und soziale Begleitung. Wir zusammen müssen dieser Willkommenskultur eine emotionale Grundlage geben, damit sie erfolgreich bestehen kann
", betonte Schmalfuß.
Bei der Verleihung des Schleswig-Holsteinischen Integrationspreises wurden neben den mit jeweils 2.500,- Euro ausgezeichneten Preisträgern in den Kategorien "Hauptamt" und "Ehrenamt" weitere neun Bewerbungen ausgezeichnet:
Kategorie "Hauptamt"
- Hansestadt Lübeck
Die Hansestadt Lübeck will Barrieren im Gesundheitssystem in Schleswig-Holstein abbauen und hat hierzu im September 2011 einen Versorgungsatlas herausgegeben. Dabei handelt es sich um ein landesweites Verzeichnis von Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit muttersprachlichen Kenntnissen. Der Versorgungsatlas soll Barrieren für Migrantinnen und Migranten abbauen. Und der Versorgungsatlas soll Ärzten als Verzeichnis dienen, um ihre Patienten bei Bedarf an eine Ärztin oder einen Arzt mit muttersprachlichen Kenntnissen weiterleiten zu können. - CJD Eutin
Das Projekt "Diverse City Eutin" ist Teil des gleichnamigen bundesweiten Modellprojektes. Das Verbundprojekt des CJD Eutin unterstützt und begleitet sechs kleine und mittelgroße Städte bei der Entwicklung und Umsetzung kommunaler Prozesse, die die gesellschaftliche Diversität - insbesondere in Bezug auf Menschen mit Zuwanderungsgeschichte – in die Stadtentwicklung mit einbezieht. Einer dieser Standorte ist Eutin. Unter Schirmherrschaft des Bürgermeisters wird der bislang vor allem in Großstädten diskutierte Perspektivenwechsel von einer defizitorientierten Integrations- zu einer potentialorientierten Diversitätspolitik in der Praxis des ländlichen Raumes umgesetzt. Landeshauptstadt Kiel
Die Landeshauptstadt Kiel hat als Teil des Projektes "Regionales Übergangsmanagement" eine "Interkulturelle Interessengemeinschaft Schule und Beruf" gebildet. Acht Migrantenorganisationen und zwei Religionsgemeinschaften haben mit der Landeshauptstadt einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Ziel der Zusammenarbeit ist die Unterstützung von jungen Menschen mit Migrationshintergrund bei ihrem Übergang von der Schule in das Berufsleben.
Die Interessengemeinschaft soll dazu beitragen, eine stärkere Elternbeteiligung bei der beruflichen Orientierung und im Berufswahlprozess ihrer Kinder zu erreichen. Jede Migrantenorganisation und Religionsgemeinschaft ernannte hierzu einen Bildungsbeauftragten.
- Türkische Gemeinde Schleswig-Holstein
Die Türkische Gemeinde Schleswig-Holstein ist als Migrantenselbstorganisation seit 15 Jahren wichtiger Partner und Akteur im Integrationsprozess. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die gleichberechtigte Teilhabe der Migrantinnen und Migranten. Es soll ein Gefühl der Zugehörigkeit zu Deutschland entstehen. Aber auch die Bewahrung und Pflege des Wissens um die eigene Kultur ist ein Ziel der Türkischen Gemeinde Schleswig-Holstein. Die Gemeinde ist Ansprechpartner sowohl für Migrantinnen und Migranten als auch für Behörden und andere öffentliche Einrichtungen in Schleswig-Holstein. Die Türkische Gemeinde SH ist ein anerkannter Projektträger. Beispielhaft nenne ich: die landesweite Beratung von Migrantinnen und Migranten, AIM Ausbildung und Integration, das Netzwerk Ältere MigrantInnen, Regenbogen Plus und Doppel-Effekt. - Kinderschutzbund Ostholstein
Der Kinderschutzbund Ostholstein will unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zu einem besseren Start in Deutschland verhelfen. Die Jugendlichen werden in Wohnungen untergebracht, in der jeweils eine Hauswirtschaftskraft und ein Pädagoge arbeiten. Für alle Wohnungen steht ein Dolmetscher zur Verfügung. Zusätzlich wird eine Nachhilfekraft für die Vorbereitung auf den B1-Sprachtest beschäftigt. Die Erfolge dieser individuell und integrativ ausgerichteten Betreuung zeigen sich in erfolgreich bestandenen Sprachprüfungen, in der Einbindung in die örtlichen Regelschulen, bei absolvierten Praktika in Betrieben, durch die Mitgliedschaft in Sportvereinen und bei den Kontakten zu deutschen Jugendlichen.
Kategorie "Ehrenamt"
- Kreisvolkshochschule Plön
Die Kreisvolkshochschule Plön ist Schirmherr eines Sprachpatenprojektes. Bürgerinnen und Bürger bieten ehrenamtlich im Kreis Plön Deutschkurse an. Die Sprachpaten begleiten Migrantinnen und Migranten aber auch im Alltag z.B. bei Behördengängen. Sie helfen Kindern bei den Hausaufgaben und sind Ansprechpartner bei Problemen und Fragen aller Art. Jugendliche Sprachpaten gestalten mit jugendlichen Migrantinnen und Migranten die Freizeit. Insgesamt gibt es schon über 30 Patenschaften in diesem Projekt. - Hamed und Tahir Chaudry
Der Film "Ankerwurf im Hafen Deutschland" von Hamed Salman Chaudhry beschäftigt sich mit der Frage, wie man sich als junger Migrant in Deutschland zu Hause fühlt und was man selbst tun kann, um sich in die Gesellschaft zu integrieren. "Islam im Brennpunkt" ist eine monatliche Sendung im Offenen Kanal Flensburg, die von einem Team junger Migranten gestaltet wird. Die Sendung soll über den Islam aufklären und Vorurteile abbauen. Sie soll aber auch ein Informationsangebot für Muslime außerhalb von Moscheen darstellen. Moderiert wird die Sendung von Tahir Chaudhry. - lifeline e.V.
lifeline vermittelt landesweit Jugendämtern bzw. Vormundschaftsgerichten Frauen und Männer, die ehrenamtlich Einzelvormundschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge übernehmen wollen. Darüber hinaus berät und begleitet lifeline diese Vormünder bei ihrer Vormundschaftsarbeit. Außerdem macht sich der Verein stark für eine Verbesserung der rechtlichen, sozialen und gesundheitlichen Situation von Kinderflüchtlingen in Schleswig-Holstein. - Bürgerstiftung Ratzeburg
Die Bürgerstiftung Ratzeburg organisiert jährlich eine schulübergreifende Projektwoche mit anschließendem Stadtschulfest. Dabei handelt es sich um eine Projektwoche, die für alle Schülerinnen und Schüler des 5. und 6. Jahrgangs der Schulen in Ratzeburg eine verpflichtende Schulveranstaltung ist. Ziel ist, dass sich die Schülerinnen und Schüler der Schulen in Ratzeburg in ihrer Vielfalt kennenlernen und ein Gemeinschaftsgefühl entsteht. Abgeschlossen wird die Projektwoche durch ein Stadtschulfest.
Über die Auszeichnung hat eine Jury entschieden. Die Mitglieder der Jury 2011 waren:
- Emil Schmalfuß, Minister für Justiz, Gleichstellung und Integration des Landes Schleswig-Holstein (Jury-Vorsitz)
- Erk Westermann-Lammers, Vorsitzender des Vorstandes der Investitionsbank Schleswig-Holstein
- Peter Lehnert, Beauftragter der Landesregierung für Integrationsfragen des Landes Schleswig-Holstein beim Minister für Justiz, Gleichstellung und Integration
- Wulf Jöhnk, Beauftragter für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen des Landes Schleswig-Holstein beim Präsidenten des Schleswig-Holsteinischen Landtages
- Özlem Ünsal, Vorsitzende des Forums für Migrantinnen und Migranten in Kiel
- Ahmet Akkaya, Gründungsmitglied der Türkischen Gemeinde Schleswig-Holstein e.V.
- Tamer Serbay, Bildender Künstler
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