Bestimmung von Alkyl(thio)phosphaten als Metabolite von Organophosphatpestiziden im Urin schleswigholsteinischer Kinder und Erwachsener
Organophosphate gehören zu den am häufigsten angewandten Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln. Die Exposition der Bevölkerung gegenüber Organophosphatpestiziden erfolgt, soweit keine berufliche Exposition besteht, überwiegend über Rückstände in Nahrungsmitteln, aber auch durch die Anwendung entsprechender Mittel im häuslichen Bereich. Wegen des raschen Abbaus im Körper können nicht die Wirkstoffe selbst, sondern nur deren mit dem Urin ausgeschiedene Metabolite nachgewiesen werden. Der Metabolismus der Organophosphate im menschlichen Körper führt üblicherweise zur Bildung der Alkyl(thio)phosphate DMP, DMTP, DMDTP, DEP, DETP und DEDTP.
Im ersten Teil der Studie wurden Morgenurinproben von 67 Kindern im Alter zwischen 6 und 14 zur Ermittlung von Referenzwerten untersucht. Im zweiten Teil des Projektes wurden Urinproben von einem Elternteil (zumeist die Mutter) und deren Kind/er untersucht. Dabei wurde über 5 Tage hinweg ein Ernährungsprotokoll geführt und täglich Morgenurin gesammelt. Analysiert wurden Proben von 11 Erwachsenen und 13 Kindern. Die Analytik der Organophosphatmetabolite erfolgte nach Festphasenextraktion (modifiziertes Styrol-Divinylbenzol-Polymer) und Derivatisierung mit Pentafluorbenzylbromid mittels GC-MS und isotopenmarkierten Standards.
Am häufigsten wurden DMP und DMTP gefunden, DEDTP war nur in einzelnen Proben und sehr geringen Konzentrationen nachweisbar. Das Verhältnis der Summe der Methylphosphate zur Summe der Ethylphosphate betrug ca. 3 zu 1 (95. Perzentil).
In den über 5 Tage gewonnenen Einzelproben fanden sich Konzentrationen von einigen 10 bis 100 μg/l, wobei höhere Werte sporadisch bei den meisten Teilnehmenden auftraten. Diese Belastungsspitzen waren wegen der raschen Metabolisierung und Ausscheidung der Pestizide von kurzer Dauer und üblicherweise am Folgetag nicht mehr nachweisbar. Somit lag, zumindest bei den betroffenen Probandinnen und Probanden dieser Studie, keine dauerhaft erhöhte innere Belastung vor, sondern es kam zu unregelmäßigen Belastungsspitzen.
Die Identifikation möglicherweise belasteter Lebensmittel als Quellen für Pestizide beziehungsweise deren Abbauprodukte wurde anhand der Organophosphatausscheidung und Ernährung innerhalb einer Familie über mehrere Tage vorgenommen. Da ein großer Teil der Nahrungsmittel von allen Familienmitgliedern und häufig über mehrere Tage hinweg
verzehrt wurde, konnten durch Vergleich zahlreiche Speisen als Ursache der plötzlich und kurzfristig auftretenden Belastungsspitzen ausgeschlossen werden und für andere mögliche Zusammenhänge vermutet werden. Beispiele dafür werden vorgestellt.
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