Fundsache Kramer
Jahrelang hat das Theaterfigurenmuseum Lübeck Skulpturen des Künstlers Harry Kramer gezeigt, ohne zu wissen, was für einen Schatz das Haus beherbergt. Dann kam heraus: Die 17 zum Teil skurril anmutenden Figuren galten als verschollen. Jetzt widmet das Museum den Fundstücken und ihrem Schöpfer eine Sonderausstellung, die am 5. Februar eröffnet wird.
Handpuppen aus dem 19. Jahrhundert
Die Lübecker Museen, © Michael Haydn
Die Entdeckung verschollen geglaubter Werke des documenta-Künstlers Harry Kramer im TheaterFigurenMuseum Lübeck ist der Anlass für eine Sonderausstellung und eine außergewöhnliche Tagung, die am 4. und 5. Februar im TheaterFigurenMuseum, im Figurentheater und Günter Grass-Haus stattfindet. Unter dem Titel "Fundsache: Kramer. entdeckt. erkundet. entwickelt" wird es u.a. Vorträge, eine Lesung mit Björn Engholm, eine Demonstration der Dramaturgie des "Mechanischen Theaters" und eine lange Filmnacht geben.
Ein Multitalent
Martina Wagner, seit dem 1. Januar Geschäftsführerin des TheaterFigurenMuseums, erklärte: "Ursprünglich hatten wir die Idee, nur eine Sonderausstellung zu Harry Kramer zu organisieren. Nach großem Zuspruch und Unterstützung von vielen Seiten konnten wir das Programm dann immer weiter ausbauen. Entstanden ist ein internationales wissenschaftliches Symposium, das die verschiedenen Facetten des Multitalents Harry Kramer beleuchtet. Das Symposium ist ein Kooperationsprojekt, an dem das TheaterFigurenMuseum, das Figurentheater Lübeck und der Förderverein Theaterfiguren im Kolk e.V. beteiligt sind
."
Wer war Harry Kramer?
Harry Kramer wurde 1925 in Lingen an der Ems geboren und machte eine beispiellose Karriere. Nach einer Friseurlehre – er selbst bezeichnete sich gerne als der "Frisör aus Lingen" - wurde er Tänzer und versucht sich kurze Zeit später als Marionettist. 1952 entwickelte er skurrilabstrakte Skulpturen aus Draht, Papiermaché und Holz, die von zwei Spielern zu Jazz und Musique concrète bewegt und später als "Mechanisches Theater" bezeichnet wurden.
Harry Kramers Skulpturen wurden eine "anschauliche Anregung" für ein Kapitel von Günther Grass "Blechtrommel" und das Vogelscheuchen-Ballet aus "Hundejahre", wie der Literaturnobelpreisträger später bekannte. Kramer selbst dreht mit seinen Figuren fünf Experimentalfilme zusammen mit Wolfgang Ramsbott, Professor für Experimentalfilm in Berlin, von denen "Die Schleuse" 1962 den Goldenen Löwen der Biennale von Venedig gewann. 1964 nahm Harry Kramer mit "automobilen Skulpturen" an der documenta III in Kassel teil und feierte einen grandiosen Erfolg.
Sonderausstellung und Symposium
Im TheaterFigurenMuseum in Lübeck sind jetzt mehrere verschollen geglaubte Skulpturen des Ausnahmekünstlers aufgetaucht – Anlass für eine Sonderausstellung und das Symposium am ersten Februarwochenende. Das Programm des Symposiums ist vielfältig: Kunsthistorisch und musikwissenschaftlich wird der Blick auch von außen auf Kramers Werke gerichtet. Die Veranstaltungen finden im Figurentheater, im TheaterFigurenMuseum und im Günter Grass-Haus statt.
Am Samstag, 4. Februar, etwa liest Björn Engholm um 12 Uhr im Günter Grass-Haus "Z. Die Geschichte eines ganz normalen Idioten" von Harry Kramer. Am Sonntag, 5. Februar, präsentieren Studenten der Trickfilmklasse der Kunsthochschule Kassel im Figurentheater eine Neuverfilmung des preisgekrönten Films "Die Schleuse" von Harry Kramer. An der Hochschule war Harry Kramer von 1971 bis 1992 als Professor für Bildhauerei tätig.
Das gesamte Programm ist zu finden unter www.die-luebecker-museen.de
Eröffnung
Die Ausstellung wird am 5. Februar um 15.00 Uhr eröffnet.
Theaterfigurenmuseum
5. Februar bis 7. Juli 2012
Kolk 14
23552 Lübeck
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag: 11.00 Uhr - 17.00 Uhr
ab 1. April: täglich 10.00 Uhr - 18.00 Uhr
Weitere Informationen
Theaterfigurenmuseum Lübeck
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