Wikingersiedlung Haithabu

Hafen, Handel und Handwerk in der Wikingerzeit

Ein Runenstein bei Busdorf/Schleswig aus der Zeit um das Jahr 1000 gab 1857 erstmals einen Hinweis auf eine Siedlung namens "Haithabu". Schnell konnte man den so bezeichneten Ort mit einem Gelände am westlichen Ufer des Haddebyer Noors identifizieren, das durch einen imposanten halbkreisförmigen Wall von bis zu zehn Metern Höhe und einer Gesamtlänge von ca. 1,3 Kilometern eingefasst und an das Danewerk angeschlossen ist.

HaithabuDer Halbkreiswall von Haithabu. Foto: copyrightALSH2007.

Als im Jahr 1900 erste Ausgrabungen begannen, war nicht zu erahnen, dass sich Haithabu zu einer der größten archäologischen Fundstellen des gesamten südskandinavischen Raumes entwickeln würde. Das gesamte Gelände ist nicht überbaut, so dass sich den Archäologen überaus günstige Voraussetzungen bieten. Die hölzernen Siedlungsstrukturen entlang der ehemaligen Wasserlinie, die alten Hafenanlagen sowie die Häuser und Wege der Stadt sind hervorragend erhalten.

Frühstädtisches Zentrum

Inzwischen ist bekannt, dass das gesamte Gelände innerhalb des Walles seit dem 10. Jahrhundert dicht besiedelt war. Haithabu stellt ein frühstädtisches Zentrum dar, an dem umfangreicher Handel mit den unterschiedlichsten Waren betrieben und in zahlreichen Werkstätten diverse Luxus- und Gebrauchsgüter hergestellt wurde. Hiervon zeugen die Hafenanlagen des 9. und 10. Jahrhunderts oder die Reste von Werkstätten mit Öfen und Schmelzplätzen.

Wertvolle Fundstücke

Bei den Grabungen wurden unzählige Handelsgüter geborgen, die über ein europaweites Handelsnetz bis nach Zentralasien transportiert, abgesetzt oder bezogen wurden. Eine Vielzahl von Münzen, von dänischen Prägungen bis zu arabischem Silber, bestätigen Haithabus Lage im Schnittpunkt völlig unterschiedlicher Währungsgebiete. Internationale Beziehungen und der Geschmack der wikingerzeitlichen Eliten Dänemarks werden in mehreren reichen Gräbern in großen Holzkammern sichtbar. Zahlreiche Schmuckstücke aus Silber und Gold zeugen von der Meisterschaft skandinavischer Edelmetallschmiede.

Schiffbau

Auch über den Schiffbau der Wikingerzeit und das Können der skandinavischen Bootsbauer gibt Haithabu Aufschluss.

Bis heute konnten vier Schiffwracks im Haddebyer Noor ausgemacht werden. Eines dieser Schiffe, ein fast 30 Meter langes, im ausgehenden 10. Jahrhundert erbautes Kriegsschiff, wurde 1979 durch aufwändige Ausgrabungen im Hafen gehoben und stellt heute den Mittelpunkt der Ausstellung im Wikinger Museum Haithabu dar.

Namensgebung

Die herausragende Stellung Haithabus im Fernhandelsnetz des 9. bis 11. Jahrhunderts wird zusätzlich sichtbar durch die unterschiedliche Namensgebung: Während die Dänen und die anderen skandinavischen Völker die Stadt Haithaby nannten, war sie bei Franken, Sachsen und Deutschen als Sliesthorp oder Sliaswich, bei den Angelsachsen in England als æt Hæthum bekannt.

Untergang und Wiederentdeckung

Haithabu war primär ein Handels- und Produktionszentrum. Ein Zusammenwirken verschiedener Faktoren dürfte dazu beigetragen haben, in den 1060er bis 1070er Jahren den Hafen Haithabus endgültig nach Schleswig am Nordufer der Schlei zu verlegen. Die Stadt am Haddebyer Noor geriet langsam in Vergessenheit, bis sie Ende des 19. Jahrhunderts wieder entdeckt wurde.

Wikingersiedlung Haithabu (Medieninformation der Staatskanzlei vom 4. Februar)

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