Der Nord-Ostsee-Kanal

Der knapp 100 Kilometer lange Nord-Ostsee-Kanal wurde 1895 als Kaiser-Wilhelm-Kanal eröffnet. Heute ist er die meist befahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt. Ohne Berücksichtigung der Sport- und sonstigen Kleinfahrzeuge befuhren den Kanal im Jahr 2010 durchschnittlich 87 Schiffe am Tag.

Containerschiff auf dem Nord-Ostsee-Kanal, Foto: Kurt Geisler, www.kunst-sh.deContainerschiff auf dem Nord-Ostsee-Kanal Kurt Geisler

Der Nord-Ostsee-Kanal hat mehr Attraktionen zu bieten denn je. Allein 2010 durchquerten ihn 31.933 Schiffe. Dutzende kolossale Tanker prägen tagtäglich das Kanalbild. Immer öfter passieren luxuriöse Kreuzfahrtschiffe den Kanal und gleiten majestätisch wie schwimmende Paläste durch Wiesen und Weiden.

Kaiser Wilhelm I. legte 1887 den Grundstein

Da verwundert es nicht, dass der Kanalbau von Beginn an eine kaiserliche Herzensangelegenheit war: Wilhelm I. kam am 3. Juni 1887 persönlich, um in Kiel-Holtenau die Grundsteinlegung für das gigantische Bauprojekt vorzunehmen. Der Kanal sollte schließlich auch nach ihm benannt werden. Fortan bewegten bis zu 8.900 Arbeiter rund 80 Millionen Quadratmeter Erdreich und gruben die Wasserstraße 67 Meter breit und 9 Meter tief. Es waren vorrangig militärisch-strategische Gründe, die das Kanalprojekt forcierten. Schon der Preußische Kanzler Otto von Bismarck hatte 1864 zu Beginn des deutsch-dänischen Kriegs einen Plan in Auftrag gegeben, um „jederzeit von der Ostsee in die Nordsee zu gelangen, ohne unter dänischen Kanonen passieren zu müssen“.

Kaiser Wilhelm II. eröffnete den Kanal 1895

Aber erst mehr als 30 Jahre nach Bismarcks Idee sollte das Werk seine Vollendung finden, genau 98.637 Kilometer lang und 156 Millionen Goldmark teuer. Kaiser Wilhelm II. eröffnete den Wasserweg am 21. Juni 1895 und musste schon bald feststellen, dass der Kanal angesichts technischer Fortschritte und des Einsatzes von Großkampfschiffen den Ansprüchen des 20. Jahrhunderts nicht genügen würde.

Ausbau und Umbenennung

Von 1907 bis 1914 wurde der Kanal das erste Mal ausgebaut. Auf 102 Meter verbreitet und auf 11 Meter vertieft und mit neuen Schleusen in Kiel und Brunsbüttel kostete der Ausbau 242 Millionen Goldmark – deutlich mehr als der ursprüngliche Bau.

Kaiser-Wilhelm-Kanal wird Nord-Ostsee-Kanal

1948 wurde der Kaiser-Wilhelm-Kanal in Nord-Ostsee-Kanal umbenannt und 1965 zum zweiten Mal erweitert, diesmal auf bis zu 162 Meter Breite.

Weiterer Ausbau bis 2018

Im Mai 2008 entschied der Bund, den Kanal erneut auf seiner gesamten Länge auszubauen. Um den immer größer werdenden Schiffen die Passage zu ermöglichen, werden enge Kurven erweitert. Die Fahrrinne wird zusätzlich um einen Meter, auf dann 12 Meter, vertieft.

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