Günter Kunert (*1929)

Mit 50 Jahren verließ Günter Kunert 1979 die DDR und ließ sich im schleswig-holsteinischen Kaisborstel bei Itzehoe nieder. Der vielseitige Schriftsteller repräsentiert die Literatur beider deutscher Staaten sowie die des wiedervereinigten Deutschlands.

Der Schriftsteller Günter Kunert bei einer Lesung im Literaturhaus Schleswig-HolsteinGünter Kunert im Literaturhaus Schleswig-Holstein Marco Erhardt

Günter Kunert wurde am 6. März 1929 in Berlin geboren. Faschistische Rassegesetze verwehrten dem Halbjuden den Zugang zu einer höheren Schule. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs studierte Kunert einige Semester Graphik, was er 1947 aufgab. Im selben Jahr veröffentlichte er erstmals ein Gedicht mit dem Titel "Ein Zug rollt vorüber". Es folgten weitere Texte und satirische Beiträge für verschiedene Wochenmagazine.

Freundschaft mit Bertolt Brecht

In den 1950er Jahren wurden die Schriftsteller Johannes R. Becher und Bertolt Brecht auf Kunert aufmerksam und förderten den jungen Künstler, der 1949 in die SED eingetreten war. Mitte der 1960er Jahre erschienen erste Publikationen in der Bundesrepublik. "Erinnerungen an einen Planeten. Gedichte aus fünfzehn Jahren" und "Tagträume" machten Kunert auch international bekannt.

Kritik am DDR-System

Obwohl Günter Kunert sich zunehmend kritisch über das DDR-System äußerte, bekam er die Erlaubnis, ins Ausland zu reisen. In den Jahren 1972 und 1973 hielt er Gastvorträge an der University of Texas in Austin. 1974 war Kunert an der University of Warwick in England.

Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns

1976 protestierte Kunert öffentlich gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann aus der DDR, woraufhin er aus der Partei ausgeschlossen wurde.

Umzug nach Schleswig-Holstein

1979 verließen Günter Kunert und seine Frau die DDR und leben seitdem im schleswig-holsteinischen Kaisborstel.

Vielseitiger Künstler

Günter Kunert ist ein vielseiter Schriftsteller und Künstler. Zu seinem umfangreichen Werk gehören Gedichte, Erzählungen, Märchen, Essays, Fotosatiren, Reisejournale, Schau- und Hörspiele und Kinderbücher. Kunerts einziger Roman "Im Namen der Hüte" erschien 1967 in Westdeutschland. Kunert erhielt zahlreiche Auszeichnungen und zwei Ehrendoktorwürden und betätigte sich auch als Maler und Grafiker.

Norddeutscher Kulturpreis

2009, im Jahr seines achtzigsten Geburtstags, wurde Günter Kunert mit dem Norddeutschen Kulturpreis ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis des Landeskulturverbands Schleswig-Holstein und der HSH-Nordbank würdigt hervorragende kulturelle Leistungen in Norddeutschland.

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