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Wassergefährdende Stoffe

© M. Staudt / grafikfoto.de

Stoffe wie Schwermetalle, Lösungsmittel oder Mineralölprodukte können Gewässer verunreinigen und nachhaltig schädigen. Beim Umgang mit diesen Stoffen ist besondere Vorsicht notwendig, damit sie nicht in Flüsse, Seen oder ins Grundwasser gelangen können. In Abhängigkeit von der Gefährlichkeit der Stoffe werden drei Wassergefährdungsklassen unterschieden. So gehören beispielsweise häusliche Spülmittel zu den schwach wassergefährdenden Stoffen (WGK 1), Benzin, Altöl und Lösemittel zu den stark wassergefährdenden Stoffen (WGK 3).

Stoffe, mit denen im gewerblichen, öffentlichen oder privaten Bereich umgegangen wird, die in HBV-Anlagen hergestellt, behandelt, verwendet oder in LAU-Anlagen gelagert, abgefüllt oder umgeschlagen werden und die die Gewässer verunreinigen oder nachteilig verändern können, sind wassergefährdende Stoffe und werden bundeseinheitlich in drei Wassergefährdungsklassen (WGK) eingestuft.

  • WGK 1 - schwach wassergefährdende Stoffe sind beispielsweise häusliche Spülmittel,
  • WGK 2 - wassergefährdende Stoffe sind zum Beispiel Heizöl,
  • WGK 3 - stark wassergefährdende Stoffe wie Benzin, Altöl und Lösemittel.

Krebserzeugende Stoffe werden grundsätzlich in die WGK 3 eingestuft.

In der "Verwaltungsvorschrift wassergefährdender Stoffe" (VwVwS) sind alle Stoffe aufgeführt und es ist dort beschrieben, wie die Wassergefährdungsklasse von Gemischen ermittelt wird.

Umgang mit wassergefährdenden Stoffen im landwirtschaftlichen Bereich

Bei der landwirtschaftlichen Tierhaltung fallen aus den Stallanlagen Jauche, Gülle und Festmist sowie bei der Futtermittelproduktion (Silage) Gär- und Silagesickersäfte an. Diese Stoffe sowie das Niederschlagswasser, das mit diesen Stoffen verunreinigt ist, dürfen aufgrund ihrer hohen Anteile an sauerstoffzehrenden Inhaltsstoffen und Nährstoffen nicht in das Grundwasser und in die Oberflächengewässer gelangen. Nach dem Wasserhaushaltsgesetz gelten diese Stoffe als wassergefährdend und dürfen grundsätzlich nur in Anlagen gelagert und abgefüllt werden, die den bestmöglichen Schutz der Gewässer vor nachteiligen Veränderungen der Gewässereigenschaften erfüllen.

Anlagen zum Lagern und Abfüllen von Jauche, Gülle und Silagesickersäften sowie von vergleichbaren in der Landwirtschaft anfallenden Stoffen

Die konkreten Anforderungen an diese Anlagen sind in der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (Anlagenverordnung - VAwS) des Landes Schleswig-Holstein festgelegt.


Feldrandlagerung

Außerhalb von Anlagen dürfen Silagen und Festmist nur vorübergehend unter bestimmten Bedingungen zwischengelagert werden. Die Anforderungen, die sich aus dem Wasserhaushaltsgesetz ergeben, sind als Hinweise zu wasserrechtlichen Anforderungen an die Zwischenlagerung von Silage und Festmist auf unbefestigten Flächen (PDF 373KB, Datei ist nicht barrierefrei) zusammengestellt.


Pferdemistlagerung

Pferdemist unterscheidet sich aufgrund des hohen Einstreuanteils zwar von anderem Festmist, bei unsachgemäßer Lagerung kann er aber ebenfalls Gewässerverunreinigungen hervorrufen. Auch Pferdehalter müssen daher wasserrechtliche Vorschriften einhalten. Das Merkblatt Pferdemist richtig lagern (PDF 557KB, Datei ist nicht barrierefrei) gibt dazu Hinweise.


Biogasanlagen

Auch bei Biogasanlagen, in denen Gärsubstrate landwirtschaftlicher Herkunft eingesetzt werden, handelt es sich um Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen, die grundsätzlich gemäß § 62 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) dem Besorgnisgrundsatz unterliegen. Die Praxis zeigt, dass es immer wieder zu Schadensfällen kommt, insbesondere zum Abfließen von Silagesickersaft und verunreinigtem Niederschlagswasser in angrenzende Gewässer.

Bis zum Inkrafttreten der (Bundes-)Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) sind für diese Biogasanlagen die wasserrechtlichen Anforderungen (PDF 527KB, Datei ist nicht barrierefrei) des beigefügten Hinweispapiers zu beachten. Hier sind auch die Erkenntnisse aus der Studie der FH Lübeck "Optimierung des Wassermanagements auf Biogasanlagen" eingeflossen, die aus der qualitativen und quantitativen Untersuchung des anfallenden Niederschlagswassers in den unterschiedlichen Bereichen der Biogasanlagen gewonnen wurden. Die zugrunde liegenden Untersuchungsergebnisse können dem Abschlussbericht sowie der Zusammenfassung entnommen werden:

Abschlussbericht "Optimierung des Wassermanagements auf ausgewählten Biogasanlagen in Schleswig-Holstein" (PDF 4MB, Datei ist nicht barrierefrei)

Zusammenfassung der Studie "Optimierung des Wassermanagements auf ausgewählten Biogasanlagen in Schleswig-Holstein" (PDF 1MB, Datei ist nicht barrierefrei)


Niederschlagswasserbemessung

Lagerbehälter für Jauche, Gülle und Silagesickersäfte (JGS-Anlagen) auf landwirtschaftlichen Betrieben bzw. für Gärreste auf Biogasanlagen müssen hinsichtlich der anfallenden Niederschlagsmenge auf Silage- und Festmistplatten sowie sonstigen verschmutzten Flächen (z.B. Laufwege der Tiere, Rangierflächen auf Biogasanlagen) ausreichend dimensioniert sein. Nur so kann vermieden werden, dass die Lagerbehälter insbesondere gegen Ende der Sperrfristen nach Düngeverordnung (DüV) überzulaufen drohen und u. U. sogar entleert werden müssen. Insbesondere für die Planung der Lageranlagen sind deshalb in Schleswig-Holstein einheitliche Bemessungsgrundlagen abgestimmt worden, die im Infoblatt – Wasserrechtliche Anforderungen (PDF 416KB, Datei ist nicht barrierefrei) zur Anwendung empfohlen sind. Die zugrunde liegenden regionalen Niederschlagsmengen in Schleswig-Holstein sind der Karte der Niederschlagsverteilung in Schleswig-Holstein - September bis Februar (Periode 1981 bis 2010), 5-jährliches Wiederkehrintervall (PDF 3MB, Datei ist nicht barrierefrei) zu entnehmen.

Umgang mit wassergefährdenden Stoffen im privaten Bereich

Mit wassergefährdenden Stoffen, die im privaten Bereich verwendet werden, wie Farben und Reinigungsmittel, ist so umzugehen, dass die Gewässer nicht verunreinigt werden; spezielle wasserrechtliche Anforderungen werden nicht gestellt.

Werden hingegen Heizöl, Kraftstoff oder sonstige wassergefährdende Stoffe privat gelagert oder abgefüllt, ist die Anlagenverordnung (VAwS) zu beachten. Danach hat der Betreiber der Anlage die Dichtheit und die Funktionsfähigkeit der Sicherheitseinrichtungen zu überwachen und die Anlage regelmäßig zu warten. Die Nutzer haben Unregelmäßigkeiten, insbesondere Leckagen, dem Betreiber und eventuell auch der zuständigen Wasserbehörde (hier LandrätInnen der Kreise und BürgermeisterInnen der kreisfreien Städte) zu melden.

Heizöl- oder Diesellagerbehälter über 1000 Liter sind vor Inbetriebnahme durch einen Sachverständigen zu prüfen. Werden mehr als 10.000 Liter gelagert, sind wiederkehrende Prüfungen alle fünf Jahre erforderlich.

Unterirdische Anlagen oder Anlagenteile sind immer wiederkehrend zu prüfen.

Weitere Informationen

Weitere aktuelle Informationen zu Sachverständigen bieten die Internetseiten des Landesumweltamtes Nordrhein-Westfalen (LUA NRW).