Landesportal Schleswig-Holstein

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Piwik. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es hier.

Impfen - Schützen Sie sich, Ihre Liebsten und Ihre Nächsten

© drubig-photo / fotolia.com (Lizensiert durch Monks - Ärzte im Netz GmbH)
Meningokokken im Überblick

Meningokokken können lebensbedrohliche Erkrankungen wie Hirnhautentzündungen (Meningitis) und Blutvergiftungen (Sepsis) hervorrufen. Es stehen verschiedene Impfstoffe zur Verfügung...

Erreger und Verbreitung

Bei Meningokokken handelt es sich um Bakterien der Art Neisseria meningitidis, die lebensbedrohliche Erkrankungen wie Hirnhautentzündungen (Meningitis) und Blutvergiftungen (Sepsis) hervorrufen können.

Meningokokken der Gruppe B sind in Deutschland von den fünf wichtigsten (A, B, C, W und Y) der insgesamt 12 bisher bekannten Serogruppen am weitesten verbreitet, gefolgt von Meningokokken der Gruppe C. Auch in Europa ist die überwiegende Mehrzahl der Infektionen auf Meningokokken der Gruppen B und C zurückzuführen. Weltweit treten Infektionen durch weitere Serogruppen gehäuft auf: In Afrika (im sogenannten Meningitisgürtel südlich der Sahara zwischen Senegal und Äthiopien) werden vor allem Infektionen durch Meningokokken der Gruppe A und C, aber auch durch Meningokokken W bzw. W-135 gemeldet. In den USA sind neben den Serogruppen B und C auch Meningokokken der Gruppe Y relevant. Demgegenüber sind in Brasilien, Australien und Neuseeland ähnlich wie in Europa Infektionen durch Meningokokken B und C häufiger.

Übertragung

Meningokokken befallen ausschließlich Menschen, besiedeln dort die Schleimhäute des Nasen-Rachen-Raums und können somit unbemerkt auf andere Menschen übertragen werden. Die Übertragung erfolgt über eine sogenannte Tröpfcheninfektion zum Beispiel durch Husten, Niesen oder Küssen. Entsprechend steigt das Übertragungsrisiko, wenn Menschen sehr engen Kontakt haben, z.B. in Kindergärten, Schulen, öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch bei bestimmten Freizeitaktivitäten (Konzerte etc.).

Auf Reisen in Meningokokken-Risikogebiete begünstigen außerdem klimatische Verhältnisse (z.B. Trockenzeiten), große Menschenmengen (z.B. Pilgerreisen, Großstädte) und beengte Wohnverhältnisse (z.B. Slums) die Übertragungsgefahr.

Symptome und Komplikationen

Eine Besiedlung mit Meningokokken in den Schleimhäuten des Nasen-Rachen-Raums geht bei einigen Menschen ohne Anzeichen und Beschwerden einher. Wenn die Erreger allerdings z.B. aufgrund eines geschwächten Immunsystems in die Blutbahn gelangen, können sie eine Entzündung der Hirnhaut (Meningitis) mit z.B. Fieber, Unwohlsein, starken Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit oder eine Blutvergiftung (Sepsis) hervorrufen. Solche invasiven Infektionen verlaufen extrem schnell und enden nicht selten mit dem Tod. Ein Verdacht auf eine Meningokokken-Infektion ist daher immer ein Notfall, der Betroffene muss umgehend in die Klinik!

Von invasiven Infektionen durch Meningokokken, bei der die Erreger in den Blutkreislauf gelangen und dann eine lebensbedrohliche Meningitis oder Sepsis verursachen, sind vor allem Säuglinge und Kleinkinder gefolgt von Jugendlichen betroffen. Grundsätzlich kann eine Meningokokken-Infektion aber jeden und aus vollkommener Gesundheit heraus treffen. Aufgrund ihres noch nicht ausgereiften Immunsystems haben Säuglinge im Vergleich zu Erwachsenen aber ein ca. 60-fach höheres Risiko, an einer Meningokokken-Erkrankung zu erkranken. Enge Sozialkontakte in Kindergärten bzw. Schulen und Freizeit begünstigen das Erkrankungsrisiko bei Kleinkindern und Jugendlichen.

Impfstoff und Impfschema

Für eine Impfung gegen die verschiedenen Meningokokken-Serogruppen stehen in Deutschland folgende Impfstoffe zur Verfügung:

  • Impfstoffe gegen Meningokokken C (MenC)
  • Impfstoffe gegen Meningokokken B (MenB)
  • ACWY-Konjugat-Impfstoffe, die gegen die vier Serogruppen A, C, W-135 und Y wirksam ist
  • ACWY-Polysaccharid-Impfstoffe, die gegen die vier Serogruppen A, C, W-135 und Y wirksam ist
  • Impfstoff gegen Meningokokken A und C

Impfschema Meningokokken C
Die Grundimmunisierung gegen Meningokokken C erfolgt bei Kleinkindern mit einer einmaligen Impfung im zweiten Lebensjahr (ab 12 Monaten). Sie kann parallel zu den meisten anderen Standardimpfungen verabreicht werden. Generell ist der Impfstoff ab einem Alter von 2 Monaten zugelassen.

Impfschema Meningokokken B
Die Grundimmunisierung gegen Meningokokken B kann bei Säuglingen ab 2 Monaten beginnen und wird bis zum Alter von 5 Monaten im Abstand von 4 Wochen zweimal wiederholt. Eine weitere Impfung im zweiten Lebensjahr (Alter 12 bis 15 Monate) komplettiert den Impfzyklus (insgesamt also vier Impfungen). Bei älteren, bisher ungeimpften Kindern sind zwei Impfdosen zur Grundimmunisierung ausreichend: Ab einem Alter von 6-11 Monaten sollte der Abstand zwischen den beiden Impfungen mindestens 2 Monate betragen. Die Auffrischimpfung folgt im Alter von 12-23 Monaten. Ab einem Alter von 2 Jahren ist keine Auffrischung mehr vorgesehen. Jugendliche ab 11 Jahre und Erwachsenen erhalten zwei Impfungen im Abstand von einem Monat. Eine offizielle Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut (STIKO) besteht für Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen (s.u.).

Impfschema Meningokokken ACWY/AC
Für die Grundimmunisierung gegen Meningokokken ACWY ist eine Impfung ausreichend. Zur Auffrischungimpfung berät Sie Ihre Ärztin, Ihr Arzt oder Ihr Gesundheitsamt. Die in Deutschland verfügbaren ACWY-Impfstoffe sind – je nach Hersteller – ab einem Alter von 1 oder 2 Jahren zugelassen.
Der AC-Impfstoff ist ab einem Alter von 18 Monaten zugelassen.

Impfempfehlung

Impfschutz Meningokokken C
Die STIKO empfiehlt eine Impfung gegen Meningokokken C als Standardimpfung für alle Kinder möglichst früh im zweiten Lebensjahr. Eine fehlende Impfung sollte bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden.

Impfschutz Meningokokken B
Diese Impfung ist von der STIKO für gesundheitlich gefährdete Personen mit einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche wie z.B. fehlender Milz oder eingeschränkter Milzfunktion empfohlen. Da das Erkrankungsrisiko je nach Grundkrankheit unterschiedlich hoch ist, sollte die/der behandelnde Ärztin/Arzt die Entscheidung für eine Meningokokken-B-Impfung nach individueller Risikoabschätzung treffen.
Weiter ist die Meningokokken-B-Impfung für Personen mit beruflich erhöhtem Risiko wie z.B. exponiertem Laborpersonal empfohlen.

Impfschutz Meningokokken ACWY
Die Impfung gegen die Serotypen A, C, W-135 und Y ist eine Indikationsimpfung bzw. Reiseimpfung. Die STIKO empfiehlt z.B. für Jugendliche, die zum Schüleraustausch oder Studium für längere Zeit in ein Land gehen, das eine generelle Impfempfehlung für Meningokokken hat (z.B. England, Spanien, Niederlande, Kanada), eine Impfung mit dem ACWY-Meningokokken-Konjugat-Impfstoff. Weiter ist die Impfung mit dem ACWY-Meningokokken-Impfstoff für Reisende in Risikogebieten empfohlen, insbesondere wenn sie engen Kontakt zur einheimischen Bevölkerung haben (z.B. Entwicklungshelfer, med. Personal). Für Pilger nach Mekka besteht bei der Einreise nach Saudi-Arabien eine Impfpflicht mit einem Impfstoff gegen A, C, W135, Y. Weitere Risikogruppen sind Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten und gefährdetes Laborpersonal.

Auch für bisher ungeimpfte enge Kontaktpersonen eines Erkrankten mit einer impfpräventablen invasiven Meningokokken-Infektion wird zusätzlich zur Chemoprophylaxe so bald wie möglich nach dem Kontakt eine Meningokokken-Impfung empfohlen.

Allgemeines zum Meningokokken-Impfschutz
In Schleswig-Holstein wird ein Impfschutz allgemein gegen Meningokokken-Infektionen – unabhängig vom Alter und der Serogruppe – öffentlich empfohlen. Mit dieser öffentlichen Empfehlung des Landes ist eine versorgungsrechtliche Absicherung des Impflings verbunden.

Die Kosten für die von der STIKO empfohlene Meningokokken-C-Standardimpfung und Meningokokken-B-Indikationsimpfung für gesundheitlich gefährdete Menschen werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die Kosten für beruflich indizierte Impfungen werden vom Arbeitgeber übernommen. Fragen zur Kostenübernahme von Meningokokken-Impfungen beantwortet Ihre Krankenkasse bzw. Ihr Arbeitgeber. Zum Meningokokken-Impfschutz sowie zu den empfohlenen Impf-Zeitpunkten berät Sie auch Ihre Ärztin/Ihr Arzt oder Ihr Gesundheitsamt.

Quellen: www.rki.de (STIKO), Epidemiologisches Bulletin 34/15, Öffentliche Empfehlung von Schutzimpfungen in Schleswig-Holstein, Fachinformationen der Impfstoffe, www.fit-for-travel.de

Weitere Informationen zu Meningokokken