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Impfen - Schützen Sie sich, Ihre Liebsten und Ihre Nächsten

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Schwangerschaft: Auch eine Röteln-Infektion kann Mikrozephalie verursachen

Das Rötelnvirus kann sich über die Plazenta im Blutkreislauf des ungeborenen Kindes ausbreiten.

Eine Spritze, an deren Einstichnadel ein Tropfen Impfstoff hängt ©rcfotostock_fotolia.com


Röteln werden durch das Rötelnvirus ausgelöst. Die Viren werden über Tröpfchen oder Nasen-Rachen-Sekrete von Mensch zu Mensch übertragen - beispielsweise beim Husten, Niesen oder auch Sprechen. Auch Menschen, die selbst keine Anzeichen einer Rötelnerkrankung haben, können das Virus weitergeben. Eine Rötelninfektion führt bei Kindern und Erwachsenen typischerweise zu einem leichten Krankheitsbild mit Fieber, Hautausschlag und Lymphknotenschwellungen. Selten und besonders im höheren Lebensalter werden u.a. Komplikationen wie Gelenkentzündungen, Herzmuskel- oder Gehirnentzündungen beobachtet. In der Schwangerschaft gehören Röteln zu den am meisten gefürchteten Infektionen. „Erkrankt eine schwangere Frau an Röteln, weil sie keine ausreichende Immunität gegen das Virus hat, kann sich das Rötelnvirus über die Plazenta im Blutkreislauf des ungeborenen Kindes ausbreiten. Ob und in welchem Ausmaß das Virus dem ungeborenen Kind Schaden zufügt, hängt vor allem vom Zeitpunkt der Infektion während der Schwangerschaft ab. Eine Rötelnprimärinfektion im ersten bis vierten Schwangerschaftsmonat kann zum Spontanabort, zur Frühgeburt oder zum kongenitalen Rötelnsyndrom mit einer bleibenden Schädigung des Embryos führen", erklärt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) mit Sitz in München. Beobachtungen zeigen, dass in den ersten acht Wochen der Schwangerschaft eine Rötelninfektion in 90 Prozent der Fälle Schädigung des Embryos verursacht. Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft sinkt das Risiko für Schädigungen und beträgt im mittleren Drittel noch etwa 25 - 30 Prozent (1). Ab der 20. Schwangerschaftswoche wird nur noch in Ausnahmefällen von Schädigungen berichtet.

Rötelnvirus stört beim Fetus Zellteilungen und Differenzierungsvorgänge

Als Embryopathie bezeichnet man Fehlbildungen des Kindes, die im Mutterleib entstehen. Die Röteln-Embryopathie kann eine Vielzahl von Fehlbildungen verursachen, wobei hauptsächlich das zentrale Nervensystem, Auge, Ohr und Herz die betroffenen Organsysteme sind. „Weitere mögliche Folgen sind unter anderem ein geringes Geburtsgewicht, Vergrößerung von Leber und Milz, Enzephalitis, Hepatitis, Myokarditis oder eben auch eine Mikrozephalie", ergänzt Dr. Albring. „Bei einer Mikrozephalie kommen die betroffenen Kinder mit einem auffällig kleinen Kopf zur Welt - der Umfang liegt deutlich unter 32 Zentimetern. In manchen Fällen ist das Köpfchen kaum größer als eine Apfelsine. Mit zunehmendem Alter zeigt sich oft erst das Ausmaß der damit einhergehenden Entwicklungsstörung, weil sich das Gehirn nicht richtig entwickelt und der Kopf nicht entsprechend dem Körperwachstum mitwächst." Neben Röteln können auch andere Virusinfektionen während der Schwangerschaft eine Mikrozephalie auslösen - darunter Toxoplasmose- und das Zytomegalie-Virus.

MMR-Impfung schützt zugleich vor Masern-, Mumps- und Röteln-Viren

Frauen, die sich im gebärfähigen Alter befinden und insbesondere Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten daher auf einen ausreichenden Impfschutz achten. Frauen mit Kinderwunsch sollten gegen Röteln, Masern, Windpocken und Keuchhusten geimpft sein. Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine zweimalige Rötelnimpfung für alle Frauen im gebärfähigen Alter, die einen unklaren Impfstatus haben, ohne Immunschutz sind sowie nur einmal oder gar nicht gegen Röteln geimpft sind. Sie können sich vor einer Rötelnvirus-Infektion durch die Impfung schützen, und dadurch das ungeborene Kind vor Schäden bewahren.

  • Die Impfung gegen Röteln erfolgt mit einem Kombinationsimpfstoff, der gleichzeitig auch vor Masern und Mumps (MMR) oder Masern, Mumps und Windpocken schützt (MMRV).
  • Der Keuchhusten-Impfstoff ist als Kombinationsimpfstoff verfügbar, der auch vor Tetanus und Diphtherie (TdPa) schützt. Alle sollten diesen Impfschutz haben - insbesondere (enge Kontaktpersonen und Betreuer von Neugeborenen) - um Säuglinge vor einer lebensgefährlichen Keuchhusten-Erkrankung zu schützen.

Die Kosten für die Standardimpfung für Frauen im gebärfähigen Alter werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Laut Krankenhausdiagnosestatistiken (KDS) des Bundes gingen zwischen 2001 und 2009 insgesamt 27 Fälle mit kongenitalen Rötelnsyndrom (CRS) bei Kindern unter 1 Jahr ein (2). Bei Jugendlichen und vielen Frauen jüngeren Alters ist laut Studien eine ungenügende Immunität gegen Rötelnviren derzeit anzunehmen. Aus diesem Grund ist deutschlandweit in nächster Zeit wieder verstärkt mit Fällen des kongenitalen Rötelnsyndroms zu rechnen (3). Deutschland und die anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Region sowie die Weltgesundheitsorganisation haben sich das Ziel gesetzt, die Masern und Röteln in Europa zu eliminieren - auch als Beitrag für eine weltweite Eradikation der Masern und Röteln. Hierzu müssen 95 % der Bevölkerung geimpft sein.

Literatur:
(1) Röteln: RKI-Ratgeber für Ärzte
(2) Gillesberg Lassen S, Altmann D, Rieck T et al (2012) Is Germany on the road to eliminating rubella? Abstract Book. European Scientific Conference on Applied Infectious Disease Epidemiology, Edinburgh. http://ecdc.europa.eu/en/ESCAIDE/Materials/Documents/ESCAIDE-2012-abstract-book.pdf
(3) Matysiak-Klose D (2013) Hot Spot: Epidemiologie der Masern und Röteln in Deutschland und Europa. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 56:1231-1237

Quelle: www.frauenaerzte-im-netz.de, äin-red

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