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Impfen - Schützen Sie sich, Ihre Liebsten und Ihre Nächsten

© drubig-photo / fotolia.com (Lizensiert durch Monks - Ärzte im Netz GmbH)
Keuchhusten-Fälle nehmen bundesweit zu

Hinter hartnäckigem Husten kann eine hochansteckende Infektion stecken: Pertussis.

Das Foto zeigt eine große Menschenmenge ©sculpies_fotolia.com


Die Zahl der Keuchhusten-Infektionen in Deutschland ist auf einen neuen Höchststand gestiegen. Im Jahr 2016 registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) 22.119 Fälle – mit Abstand die meisten seit dem Beginn der bundesweiten Meldepflicht im Jahr 2013. Damals waren es rund 12.600 Patienten pro Jahr, 2015 rund 14.000. „Wir sehen hier wahrscheinlich beides: eine Krankheitswelle, aber auch eine zunehmend bessere Erfassung“, erklärt Dr. Wiebke Hellenbrand, Infektionsforscherin am RKI. Impflücken begünstigten Ansteckungen. Besonders gefährlich ist Keuchhusten (Pertussis) für Säuglinge. 2016 starben in Deutschland drei Babys an der Infektion – das sind untypisch viele. Der Schrecken, den Keuchhusten vor der Schutzimpfung seit den 1930er Jahren hatte, ist aber fast vergessen. Damals seien in Deutschland 10.000 Säuglinge pro Jahr an der hochansteckenden Infektion gestorben, so Dr. Hellenbrand.

Die Bakterien verbreiten sich durch Husten, Niesen oder Sprechen über winzige Tröpfchen aus dem Nasen-Rachen-Raum. Seit Jahresbeginn wurden bereits 1.554 neue Keuchhusten-Patienten an das RKI gemeldet. Dr. Hellenbrand kann nur vermuten, dass die Welle auch mit einem typischen Zyklus des Erregers zu tun hat: In Ostdeutschland werden Pertussis-Infektionen bereits seit 2002 erfasst. Höhepunkte waren die Jahre 2007 und 2012 - die Zeit könnte also wieder reif sein.

Bei der Einschulung waren nach den jüngsten RKI-Daten für 2014 fast 97 Prozent der Kinder in Ostdeutschland und 95 Prozent in Westdeutschland gegen Keuchhusten geschützt. Ganz anders bei den Erwachsenen - da ist es je nach Lebensalter nur jeder fünfte bis zehnte. Bei jungen Eltern hat ein Drittel einen Impfschutz, bei Schwangeren ein Fünftel. Dabei gelten Familien mit kleinen Kindern als Hauptrisikogruppe. „Keuchhusten ist bei der Bevölkerung und auch bei Hausärzten noch nicht vollständig im Bewusstsein“, beklagt Dr. Hellenbrand. Dazu kommt, dass die Impfung immer wieder aufgefrischt werden muss. Allein bei Kleinkindern sind es vier Teilimpfungen gegen Keuchhusten. Dazu kommen zwei Auffrischungen, einmal im Kindes-, einmal im Jugendalter. Für Erwachsene wird ein Pertussis-Schutz zusammen mit der Auffrischung für Tetanus und Diphtherie empfohlen - aber vielfach einfach vergessen. „Wahrscheinlich reicht der empfohlene Abstand von zehn Jahren auch nicht aus“, so Dr. Hellenbrand. Erlischt der Impfschutz, können sich Menschen auch nach überwundener Infektion erneut anstecken. Ist eine junge Mutter nicht geimpft, hat ihr Baby bis zur ersten Immunisierungsmöglichkeit im Alter von zwei Monaten keinen Schutz. Es gebe deshalb Überlegungen, Schwangeren die Impfung generell zu empfehlen, sagte die Expertin. Zumindest kommt die Keuchhusten-Forschung mit der Meldepflicht nun weiter voran. „Wir hatten noch nie so viele Daten.“

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Keuchhusten-Erreger derzeit in der Bevölkerung zirkulieren und geimpfte Personen besiedeln. Deshalb ist eine besonders hohe Durchimpfungsrate notwendig, um einen Schutz der Bevölkerung vor Keuchhusten zu erreichen.

Frühzeitiger Impfschutz bei Säuglingen wichtig

Bei Säuglingen muss auf eine frühzeitige Vervollständigung des Impfschutzes gemäß STIKO-Empfehlung geachtet werden. Nach einer einmaligen Keuchhustenimpfung besteht noch kein sicherer Immunschutz. Nach der zweiten Impfung ist in 60 bis 70 Prozent ein Immunschutz nachzuweisen, nach der dritten Impfung ist in 85 bis 95 Prozent ein Immunschutz für eine gewisse Zeit vorhanden, der dann im zweiten Lebensjahr aufgefrischt werden sollte. Deshalb ist es wichtig, dass die Keuchhustenimpfung früh verabreicht wird, so dass ein sicherer Impfschutz spätestens ab dem 6., sehr wahrscheinlich bereits ab dem 4. Lebensmonat gegeben ist.

Für weitere Informationen:

Steckbrief Keuchhusten (Pertussis)
Info-Flyer für Babys und ihre Eltern

Quelle: dpa, RKI