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Speicheranalyse Schleswig-Holstein Ecofys/IWES

© M. Staudt / grafikfoto.de

Energiespeicher sind mittelfristig für Versorgungssicherheit und Netzstabilität von Bedeutung, derzeit hat aber der Netzausbau in Schleswig-Holstein oberste Priorität. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die das Ministerium beim Beratungsunternehmen Ecofys und dem Fraunhofer Institut IWES in Auftrag gegeben hat. Darin wurden aktuelle und künftige Speichermaßnahmen betrachtet und Empfehlungen für systematische Entwicklungen erarbeitet.

Die Studie zeigt, dass Speicher keine Antwort auf Netzengpässe und regionale Stromüberschüsse sind. Um überschüssigen Strom zu speichern, müssten sehr große und leistungsintensive Speicher zum Einsatz kommen. Diese sind jedoch noch weit von der Wirtschaftlichkeit entfernt. Ein rascher Netzausbau erscheint dagegen sinnvoller und kostengünstiger. Wird der Netzausbau wie geplant umgesetzt, wird es faktisch keinen überschüssigen Strom aus Erneuerbaren Energien mehr geben.

Mittelfristig, so ein weiteres Ergebnis der Studie, müssen Speicher aber einen Beitrag für Versorgungssicherheit und Netzstabilität leisten. Speicher werden dabei einen Teil der Aufgaben übernehmen, die heute konventionelle Kraftwerke ausfüllen. An dieser Funktion von Speichern wird die Landesregierung daher auch ihre Innovationsstrategien ausrichten. Dabei gilt es nicht nur technologische Entwicklungen zu unterstützen, sondern ebenso Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen anzustellen und die Entwicklung von Geschäftsmodellen voran zu treiben. Mit der Studie wurde von der Landesregierung die strategische Grundlage gelegt, um zu entscheiden, wie Forschung und Entwicklung von Speichern in Schleswig-Holstein sinnvoll gefördert werden können.

Die Kernpunkte der Studie lauten:

  • In den Blick genommen wurden nahezu alle Speichertechnologien, teils anhand von konkreten Projekten aus Schleswig-Holstein. Zu den Technologien gehören elektrochemische Speicher (Batterien), mechanische Speicher wie Pumpspeicherkraftwerke und Druckluftspeicher und chemische Speicher (zB wasserstoffbasierte Speicher). Technische Potenziale stellen demnach in Schleswig-Holstein keine Begrenzung dar. Allerdings kommen Wirtschaftlichkeitsberechnungen zu dem Schluss, dass ein marktgetriebener Einsatz von Speichern in naher Zukunft nicht zu erwarten ist.
  • Bei differenzierten Bewertungen müssen sich die Speichermöglichkeiten daran messen lassen, wo dezentral Storm erzeugt wird, wo es zu Engpässen kommt und wie Strom aus und in andere Regionen transportiert wird. Beim heutigen Übertragungsnetz sind in Schleswig-Holstein bis 2020 nur maximal 1600 Stunden mit negativer Residuallast zu erwarten – also Stunden, in denen mehr Strom erzeugt als verbraucht wird. Bei Netzengpässen wird Strom, der nicht eingespeist werden kann, derzeit im Rahmen des Einspeisemanagements abgeregelt. Die Intensität dieser Maßnahmen schwankt zeitlich stark und ist lokal unterschiedlich. Daher ist eine angemessene Dimensionierung von Speicherkapazitäten zur vollständigen Aufnahme von abgeregeltem Strom (Überschussstrom) per se nicht darstellbar. Ein Einsatz von z.B. Batterielösungen an einzelnen Netzknotenpunkten ist laut der Studie eine individuelle betriebswirtschaftliche Entscheidung und der Betrieb lediglich bis zum erfolgten Netzausbau sinnvoll.
  • Mit dem geplanten Netzausbau auf der Verteil- und Übertragungsnetzebene wird es darüber hinaus in Schleswig-Holstein keine nennenswerten Überschusssituationen mehr geben. Speicher sind demnach keine Alternative zum Netzausbau, wenn es darum geht, regional überschüssigen Strom zu nutzen. Netzausbau ist kostengünstiger als entsprechende Speicherlösungen.
  • Gleichwohl können Speicher in der Zukunft eine wichtige Funktion haben. Die anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung zu den potentiellen Nutzeffekten von Speichern in Energiesystemen mit einer hohen Durchdringung mit dezentralen Erzeugungstechnologien und EE Einspeisung ist wegen der strategischen Relevanz und der langfristigen Potentiale gerechtfertigt. Die Förderung entsprechender Initiativen in Schleswig-Holstein ist insbesondere auch wegen der herausragenden Position des Bundeslandes und der Region plausibel. Vor dem Hintergrund der abgeleiteten Erkenntnisse scheint es angemessen, insbesondere systemischen Aspekten des Speichereinsatzes erhöhte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Die Kurzfassung der Studie finden sich hier:

Kurzfassung "Untersuchung Energiespeicher in Schleswig-Holstein" (PDF 2MB, Datei ist nicht barrierefrei)

Medieninformationen

17.09.2014: "Energiespeicher sind mittelfristig für Netzstabilität nötig- aber keine Alternative zum Netzausbau" – Energiewendeminister Robert Habeck stellt Studie vor