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Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus

Portraitfoto Dr. Bernd Buchholz
Dr. Bernd Buchholz

Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus

© M. Staudt / grafikfoto.de

Buchholz bei A 7-Ortstermin

"Ökologische Begleitplanung bei Großprojekten bietet große Spielräume für einen Schulterschluss mit Naturschutzverbänden"
Datum 09.08.2017

Ökologische Ausgleichsmaßnahmen bei großen Infrastrukturvorhaben bieten aus Sicht von Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz großen Spielraum für einen engen Schulterschluss zwischen Projektträgern und Naturschützern. "Man kann aktuell beispielsweise am Ausbau der A 7 sehr gut beobachten, was es in der Praxis bedeutet, ökonomische Erfordernisse und ökologische Verantwortung in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen – und zwar unabhängig von den ohnehin schon bestehenden gesetzlichen Vorschriften", sagte Buchholz heute (9. August) bei einem Besuch der Baustelle.

Bei dem Ortstermin in Höhe Großenaspe erläuterten DEGES-Geschäftsführer Dirk Brandenburger und der für die A 7 zuständige DEGES-Bereichsleiter Bernd Rothe dem Minister die einzelnen ökologischen Begleitprojekte des sechsspurigen Autobahn-Ausbaus. "Autobahnbau und Umwelt sind keine Gegensätze, sondern sie gehören zusammen, weil sie sich gegenseitig bedingen," betonte Brandenburger. Die im Besitz von zwölf Ländern und dem Bund befindliche Projektmanagementgesellschaft DEGES plant und betreut das gemeinsame Projekt der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg seit 2008. Umgesetzt wird der Ausbau vom Baukonsortium Via Solutions Nord. Sowohl Brandenburger und Rothe, als auch der für beide Länder zuständige Verkehrskoordinator Christian Merl zeigten sich zuversichtlich, dass der angepeilte Fertigstellungstermin der A 7 bis Ende 2018 erreicht werde.

Wie Buchholz sagte, sei die Bewältigung naturschutzfachlicher Belange Dreh- und Angelpunkt bei der dringend nötigen Beschleunigung des Infrastruktur-Ausbaus in Deutschland. Großen Spielraum für ausgewogene Kompromisse sieht der Minister bei Vermeidungsmaßnahmen wie etwa der Umsiedlung von Haselmäusen oder auch bei Kompensationsmaßnahmen wie der Renaturierung von Flächen. "Vieles von dem, was hier einvernehmlich realisiert wurde, kann ich mir beispielsweise auch an der A 20 vorstellen", sagte Buchholz. Er erinnerte zugleich aber auch daran, dass ein Ausbau-Projekt wie die A 7 mit einem ökologisch sensiblen Neubauvorhaben wie der A 20 nur sehr eingeschränkt vergleichbar sei.

Als ein besonders erfolgreiches Resultat guter Zusammenarbeit von Projektträgern, Behörden, Betroffenen und Naturschützern bezeichneten Brandenburger und Buchholz unter anderem die Grünbrücke bei Brokenlande inklusive der Umfeldgestaltung. Darüber hinaus wird unter Federführung der Stiftung Naturschutz und unter Mitwirkung des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV-SH) der Bereich zwischen den Grünbrücken bei Brokenlande und bei Bad Bramstedt sowie an der A 21 bei Kiebitzholm über Verbundelemente ökologisch vernetzt.

Buchholz: "Ich würde mich freuen, wenn wir die bewährte und pragmatische Zusammenarbeit mit den Naturschützern an der A 7 auch mit den Naturschutzverbänden an der A 20 forcieren können." Der erste Schritt dazu sei bereits getan – mit einem monatlichen Treffen von Umweltminister Dr. Robert Habeck und Buchholz mit den Spitzen der Naturschutzverbände BUND, NABU und LNV.

Überblick über ökologische Maßnahmen beim A 7-Ausbau

Zerschneidung

Wichtige naturschutzfachliche Gesichtspunkte und Konfliktfelder beim Autobahnbau sind vor allem die Zerschneidung und Versiegelung sowie die Beeinträchtigung von Biotopen, Tieren und dem Landschaftsbild. Dabei wird die Trenn- und Barrierewirkung auf der A 7 unter anderem verstärkt durch die Verbreiterung um zwei Fahrstreifen, Betongleitwände im Mittelstreifen, eine höhere Verkehrsbelastung oder die komplette beidseitige Anlage eines Wildschutzzaunes.

Beispielhafte Minimierungs- und Vermeidungs-Maßnahmen:

  • Grünbrücken (bei Brokenlande und bei Bad Bramstedt) inklusive Umfeldgestaltung durch Aufforstung
  • deutliche Aufweitung von Bauwerken durch Vergrößerung der so genannten Lichten Weite bei 13 von insgesamt 16 A-Bauwerken
  • Überflughilfen (Stahlzäune) für Fledermäuse an bekannten Flugrouten parallel zur A 7-Trasse
  • Einbau von Bermen unter Bauwerken, unter anderem für Fischotter, Klein-und Mittelsäuger

Versiegelung

Durch die neuen Fahrstreifen (2 x 3,00 m) kommt es zu einer Neuversiegelung von Böden auf einer Fläche von rund 36 Hektar. Hinzu kommen noch Flächen für die Erweiterung von Bauwerken, Anschlussstellen oder Baustelleneinrichtungsflächen, so dass rund 45 Hektar Fläche direkt betroffen ist.

Beispielhafte Kompensationsmaßnahmen:

Moorrenaturierung Breitenburger Moor (Ökokonto): 45 Hektar

  • Entsiegelung von Flächen; Abriss einer Hofstelle in Tackesdorf
  • Grünlandextensivierung: 233 Hektar, davon drei große Komplexe:

    Langwedel, nordöstl. Bordesholm, 24 ha

    Bargstedter Moor, bei Nortorf, 88 ha

    Tackesdorf, südl. Nord-Ostsee-Kanal, südwestl. Rendsburg, 91 ha

Biotope (Pflanzen)

Anlage- und baubedingt wird in die verschiedensten Biotoptypen eingegriffen wie etwa Laubwälder, Nadelforsten, Knicks und Feldhecken, Fließgewässer, Grün und Ackerland.

Beispielhafte Kompensations-Maßnahmen:

  • Aufforstung, Sukzessionsflächen: 60 ha
  • Feldgehölze: 2 ha
  • Knicks- und Feldhecken: 3.550 m

Tiere

Der Einfluss der A 7-Erweiterung auf die Tierwelt ist in vielfacher Weise untersucht worden. Beispiele: Rot- und Damwild, Hasel- und Fledermäuse, Fischotter, Brutvögel, Amphibien, Reptilien, Libellen, Wildbienen und Grabwespen, Fische und Neunaugen (Flussneunauge / Meerneunauge)

Beispielhafte Minimierungs- und Vermeidungs-Maßnahmen:

  • Großwild: Grünbrücken, sonstige Querungshilfen, Wildschutzzäune
  • Haselmäuse: Bauzeitenbeschränkungen, zur Vermeidung von artenschutzrechtlichen Verbotstatbeständen waren Vermeidungsmaßnahmen so genannte "Continued ecological functionality" (CEF)-Maßnahmen erforderlich  Umsiedlung vor Baubeginn
  • Fischotter: Bermen unter Bauwerken, Aufweitung von Bauwerken, Schutzzäune
  • Fledermäuse: Bauzeitenbeschränkung, Baumkontrolle vor Fällung, Pflanzung von Leitstrukturen, Überflughilfen
  • Brutvögel: Bauzeitenbeschränkungen, Sichtschutzzäune, Vergrämung, Baum- und Nestkontrolle
  • Amphibien: Schutzzäune
  • Neunaugen: z. B. an der Osterau: Aufwändiger Schutz der Gewässer vor Eintrag von Stäuben und Abbruchmaterial beim Abriss der alten Brücken (Abdeckung mit Bohlen und Planen), vorheriges Abfischen und Umsetzen von Neunaugenlarven

Landschaftsbild

Veränderungen des Landschaftsbildes durch Verlust von straßenbegleitender Vegetation (große Bäume, Wald) oder durch neue "Elemente" wie Lärmschutzwände und -wälle, Wildschutzzäune, Überflughilfen für Fledermäuse.

Beispielhafte Gestaltungs-Maßnahmen:

  • Bepflanzung von Böschungen, Lärmschutzwällen
  • Bepflanzung Mittelstreifen
  • Bepflanzung Parkplätze
  • Pflanzung von Hochstämmen an markanten Punkten

 

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