Landesportal Schleswig-Holstein

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Piwik. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es hier.

Ideen aus dem echten Norden

Staatskanzlei

Ideen aus dem echten Norden

Ausgezeichnete Gewinner – Ideenwettbewerb 2016: Tiefseeleuchten-Technik, Fucusfarm und Fischalarm
Datum 07.11.2016

Bereits zum siebten Mal wurden heute im Rahmen des Ideenwettbewerbs Schleswig-Holstein herausragende Ideen mit wirtschaftlichem Potenzial aus dem echten Norden ausgezeichnet. Der erste Platz ging an Dipl.-Ing. Jan Sticklus und Geologe Dr. Tom Kwasnitschka vom GEOMAR Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Ihre innovative Konstruktionsmethode für leistungsstarke, leichte und günstige Unterwasserleuchten für den Einsatz in der Tiefsee belohnte die Jury mit einem Preisgeld von 5.000 Euro.

Gruppenbild der Preisträger und Sponsoren Ideenwettbewerb 2016 - Preisverleihung (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Gewinner und Sponsoren des Ideenwettbewerbs Schleswig-Holstein 2016 © Jan Steffen / GEOMAR

Auch die folgenden Plätze gingen an Ideen aus dem marinen Umfeld: Als Zweitplatzierter freute sich Rafael Meichßner, Student der Meeresbiologie an der CAU, über ein Preisgeld von 3.000 Euro für eine schnellere und räumlich flexible Anbaumethode des Blasentangs, dessen Inhaltsstoffe für Kosmetikprodukte und Nahrungsergänzungsmittel genutzt werden. Den dritten Platz belegten die Brüder Frederik und Raffael Rimpf mit "Fischalarm", einer digitalen Marktplattform, mit der regionale Fischer ihren fangfrischen Fisch direkt vom Kutter an Endverbraucher vertreiben können. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 12.500 Euro vergeben. Die Preisgelder für die drei Hauptpreise werden traditionell von der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH), der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein (MBG) und den Nordzentren gestiftet.

In diesem Jahr organisierten die Fachhochschule Kiel und die Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) den Ideenwettbewerb. Gesucht wurden helle Köpfe mit außergewöhnlichen und zukunftsweisenden Ideen für Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren aus schleswig-holsteinischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die am Markt erfolgreich umgesetzt werden können. Eine mit erfahrenen und hochrangigen Vertretern aus Wissenschaft und Forschung, Wirtschaft und Fördereinrichtungen besetzte Expertenjury bewertete unter anderem die Einzigartigkeit, den Kundennutzen und das Marktpotenzial der jeweiligen Idee sowie deren Bedeutung für Schleswig-Holstein. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer, Schirmherr des Ideenwettbewerbs, beglückwünschte die Gewinner zu ihrem Erfolg: "Wir wollen im echten Norden die bestmöglichen Voraussetzungen schaffen, damit sich außergewöhnliche Ideen entwickeln können und zu Produkten, Verfahren oder Dienstleistungen reifen, die sich am Markt durchsetzen." Dabei sei es eine der zentralen Aufgaben des Landes, potenzielle Gründer, Gründungshelfer und Fördereinrichtungen auf möglichst direktem Weg zusammenzubringen. „In diesem Zusammenhang hat der Ideenwettbewerb nicht nur eine wichtige Netzwerkfunktion“, sagte Meyer. „Er ist auch eine zentrale Plattform, um immer wieder auf die große Bedeutung des Technologietransfers über Gründung aufmerksam zu machen.

In der Fachhochschule Kiel werden gründungsinteressierte Studierende durch Informationsveranstaltungen, Kooperationen mit dem regionalen Netzwerk und Raumangebote unterstützt. „Regelmäßig sind unsere interdisziplinären Veranstaltungen zu Gründungsthemen ausgebucht und das StartUp Office steht allen Studierenden für Gespräche mit Vorbildern oder Förderern zur Verfügung. Die Ausrichtung des Ideenwettbewerbs in diesem Jahr gibt zusätzlichen Schub für die Entwicklung einer offenen Gründungskultur auf unserem Campus“, sagte Dr. Gerd Küchmeister, der Transferbeauftragte der Fachhochschule Kiel.

Die große Bedeutung einer kompetenten Unterstützung für Existenzgründerinnen und -gründer betonte Dr. Dirk Müller, verantwortlich für die Ausgründungsförderung bei der WTSH. „Eine ausgezeichnete Idee ist natürlich eine sehr gute Basis“, sagte Müller, „aber der Weg zur eigenen erfolgreichen Firma ist oft deutlich länger und härter als man denkt. Wir unterstützen Gründerinnen und Gründer nicht nur, indem wir umfassend beraten und wichtige Kontakte herstellen. Wir identifizieren auch Finanzierungsmöglichkeiten durch den Seed- und StartUp-Fonds Schleswig-Holstein II, das Grünungsstipendium und andere Förderoptionen.

Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit guten Geschäftsideen und -konzepten steht seit Jahresbeginn ein spezielles Stipendium zur Verfügung. Mit dem „Gründungsstipendium Schleswig-Holstein“ hat das Land Schleswig-Holstein gemeinsam mit der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft und der Investitionsbank Schleswig-Holstein für vier Jahre insgesamt eine Million Euro bereitgestellt. Anders als vergleichbare Angebote finanziert dieses Stipendium unter anderem auch die Lebenshaltungskosten im Zeitraum vor der eigentlichen Unternehmensgründung, der so genannten Pre-Seed-Phase. An deren Ende soll dann ein Businessplan vorliegen, mit dem weitere Mittel für die Unternehmensgründung eingeworben werden können.
Erfolgversprechende Gründungen können auch nach dem Stipendium aus dem 2015 mit 12 Mio. Euro neu aufgelegten Seed und Start-up Fonds II mit Beteiligungskapital weiter gefördert werden. Der Seed und Start-up Fonds spielt auch im Ideenwettbewerb eine wichtige Rolle, denn er ist Mit-Initiator und einer der wesentlichen finanziellen Träger des Wettbewerbs.

Die Sieger-Projekte

1. Preis (5.000 Euro, gestiftet von der Investitionsbank Schleswig-Holstein)

Eine günstige und einfache Konstruktionsweise für kleine, leichte und leistungsstarke Unterwasserleuchten zum Einsatz in der Tiefsee haben Dipl.-Ing. Jan Sticklus und Geologe Dr. Tom Kwasnitschka vom GEOMAR Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung Kiel entwickelt. In der ewigen Dunkelheit der Tiefsee muss die Beleuchtung an Tauchbooten und Tauchrobotern hohem Druck und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt standhalten. Um die Elektronik zu schützen, wurde bisher fast immer ein aufwändig herzustellender und schwerer Druckkörper aus Metall benötigt. Die Kieler Forscher verwenden druckbeständige LED-Leuchten, die durch eine spezielle Vergusstechnik mit transparentem Kunstharz vom Wasser abgeschirmt werden. Die mit diesem Verfahren hergestellten Leuchten sind nicht nur besonders leistungsstark, haltbar und günstig, sondern auch außergewöhnlich klein und leicht – wertvolle Eigenschaften für Einsätze in der Tiefsee. Weitere potenzielle Einsatzgebiete für die druckneutrale Beleuchtung sind Flachwassergebiete sowie der Anlagen- und Schiffsbau. Darüber hinaus eignet sich die neuartige Vergusstechnik zum Schutz unterschiedlicher Unterwasserelektroniken.
Mit der Vergabe des 1. Preises beim Ideenwettbewerb fördert die IB.SH innovative Köpfe und gleichzeitig auch die schleswig-holsteinischen Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Nicht zuletzt sichern beide die Attraktivität und die Zukunftssicherheit unseres Bundeslandes“, sagt IB.SH Vorstandsvorsitzender Erk Westermann-Lammers.

2. Preis (3.000 Euro, gestiftet von der MBG Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft)

Auf dem zweiten Platz landete mit Rafael Meichßner ein Student der Meeresbiologie an der CAU Kiel. Er plant den Aufbau einer „Fucusfarm“ in der Ostsee, auf der Blasentang (Fucus versiculosus) mit einer neuen Methode angebaut werden soll. Dabei werden die Algen nicht wie bisher auf Steinen oder an Seilen über Sporen und Keimlinge vermehrt, sondern in kleine Stücke geschnitten, aus denen wieder ganze Algen wachsen. Diese Methode kommt also ohne feste Unterlage aus und verkürzt die Zeit bis zur Ernte um mehr als ein halbes Jahr, sodass innerhalb kurzer Zeit große Mengen erzeugt werden können. Blasentang enthält zahlreiche Inhaltsstoffe, die in der Kosmetik- und Nahrungsergänzungsmittel-industrie eingesetzt werden. Eine Zulassung von Medizinprodukten mit den Wirkstoffen des Blasentangs ist absehbar, sodass der Bedarf an Fucus-Biomasse weiter steigen dürfte. Die Fucusfarm wäre die erste ihrer Art weltweit.
Vor diesem Hintergrund ist es uns ein wichtiges Anliegen, die zukünftigen Unternehmerinnen und Unternehmer so früh wie möglich tatkräftig zu unterstützen“, sagt MBG Geschäftsführer Holger Zervas.

3. Preis (1.500 Euro, gestiftet von „Nordzentren“ – Ideen.Räume.Schleswig-Holstein.)

Den dritten Platz belegten die Brüder Frederik und Raffael Rimpf mit „Fischalarm“ – einer digitalen Marktplattform, mit der regionale Fischer ihren fangfrischen Fisch direkt vermarkten, damit ihren Markteinfluss steigern und deutlich bessere Preise erzielen können. Dazu senden teilnehmende Fischer noch auf See Informationen zu ihrem aktuellen Fang an Fischalarm, die dann aufbereitet und auf unterschiedlichen Kanälen zur Verfügung gestellt werden, z. B. per Webseite, App oder in sozialen Netzwerken. So wissen interessierte Kunden jederzeit ganz genau, wo und wann es welchen Fisch zu welchem Kilopreis frisch vom Kutter zu kaufen gibt. Beide Studenten beenden gerade ihre Masterarbeiten: Frederik im Studiengang „Public Economics, Law and Politics“ an der Leuphana Universität Lüneburg, Raffael im Studiengang „Business Management“ an der Universität St. Gallen. Nach Abschluss ihres Studiums wollen beide so schnell wie möglich einen ersten Prototyp am Markt testen.

Schleswig-Holsteinische Gründerinnen und Gründer in den Technologie- und Gründerzentren sind entscheidende Faktoren für die wirtschaftliche Zukunft des Landes“ meint Andree Mehrens, Sprecher der Nordzentren, der Interessenvereinigung der Schleswig-Holsteinischen Technologie- und Gründerzentren.

Zusätzlich wurden drei Sonderpreise in den Kategorien „IT“, „Green Economy“ und „Food & Health“ vergeben.

Sonderpreis „IT“ (1.000 Euro, gestiftet von der assono GmbH)

Der Sonderpreis in der Kategorie „IT“ ging an Prof. Dr. Kerstin Oltmanns, B. Sc. Malte Fentroß und Dipl.-Betriebswirt Axel Schulz für ein interaktives und internetbasiertes Therapieprogramm inklusive Handy-App zur nachhaltigen Gewichtsreduktion. Das Programm setzt dabei nicht auf das Zählen von Kalorien, sondern unterstützt die Nutzer im psychologischen und verhaltensneurobiologischen Bereich: Auf der Basis bewährter verhaltenstherapeutischer Methoden soll es die Wahrnehmung von Hunger- und Sättigungsgefühl schulen und die Verknüpfung von negativer Emotion und Nahrungsaufnahme auflösen, die zum so genannten Trost- oder Stressessen führt. Prof. Oltmanns ist Leiterin der Sektion für Psychoneurobiologie der Universität zu Lübeck mit dem Forschungsschwerpunkt Adipositas und hat das Programm gemeinsam mit dem selbstständigen Projektentwickler Schulz und dem Informatiker und Softwareentwickler Fentroß entwickelt. Eine Unternehmensgründung ist für das Ende der Entwicklungsphase geplant. Die Marktreife des Programms ist für Anfang 2017 angestrebt.
"Anders denken, Innovative Ideen erkennen, Mut haben daraus Realität zu kreieren - dieses Denken und Handeln wollen wir mit dem Sponsoring von IT-Sonderpreisen immer wieder würdigen und unterstützen", meint Lydia Bahn, Geschäftsführerin assono GmbH, IT-Consulting & Solutions.

Sonderpreis „Green Economy“ (1.000 Euro, gestiftet von der Rail & Road Protec GmbH)

Der Sonderpreis in der Kategorie „Green Economy“ ging an Prof. Dr. Clemens Jauch vom Wind Energy Technology Institute (WETI) der Hochschule Flensburg für die Entwicklung eines hydropneumatischen Schwungradspeichers. Herrscht im Stromnetz ein Ungleichgewicht zwischen erzeugtem und verbrauchtem Strom, wird für kurze Zeit die Drehzahl der angeschlossenen Windenergieanlagen angepasst, um zusätzliche Energie freizusetzen. Die Folgen sind kurzfristige Leistungseinbrüche und ein langfristig geringerer Energieertrag. Der hydropneumatische Schwungradspeicher setzt die nötige Energie nicht durch Veränderung der Drehzahl frei, sondern nutzt das Massenträgheitsmoment. Dazu befinden sich in den Rotorblättern jeweils zwei verbundene Speicher und Hydraulikflüssigkeit als verschiebbare Masse. Befindet die sich nahe den Rotorblattspitzen, ist das Massenträgheitsmoment groß und der Speicher geladen; befindet sie sich nahe der Rotorblattwurzeln, ist der Speicher leer. Die Entwicklung individueller Speichertypen für unterschiedliche Windräder in Zusammenarbeit mit Herstellern ist in Planung.
Wir unterstützen den Ideenwettbewerb, weil wir selbst leidenschaftliche Unternehmer und Gründer sind. Daher wissen wir, wie wichtig eine frühe Unterstützung und Begleitung ist – für den spannenden Weg vom ersten Geistesblitz zum erfolgreichen Unternehmen“, so Ulrik Ortiz Rasmussen, Geschäftsführer Rail & Road Protec GmbH.

Sonderpreis „Food & Health“ (1.000 Euro, gestiftet von der PLANTON GmbH)

Der Sonderpreis in der Kategorie „Food & Health“ ging an Dr.-Ing. Thomas Knieling, Dr. Eric Nebling, Dipl.-Ing. Lars Bohm und Dipl.-Kfm. Jürgen Brink für ChewSens, ein intelligentes Mundstück, mit dem Sportler den Laktatgehalt in ihrem Speichel messen können. Der ist mit dem Laktatgehalt im Blut verknüpft und gibt Auskunft über den aktuellen Ermüdungszustand der Muskulatur. Bisher ist zur Laktatanalyse eine Blutentnahme am Ohrläppchen von einem Arzt oder Sportmediziner notwendig. ChewSens wird lediglich zwischen Wangeninnenseite und Kiefer eingeklemmt und übermittelt dann die im Speichel gemessenen Werte per Bluetooth an ein Smartphone oder eine Smartwatch. Über die ChewSens-App soll der Sportler dann seine Leistungsfähigkeit ganz einfach selbst überprüfen und seine Trainingssteuerung entsprechend anpassen können. Drei der vier Teammitglieder sind Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie ISIT in Itzehoe. Ein Businessplan wird aktuell erstellt und eine Firmengründung ist in Vorbereitung ChewSens soll zunächst im deutschsprachigen Raum und später weltweit vertrieben werden.
"Wir unterstützen den Ideenwettbewerb, weil Innovationen der Motor unserer Wirtschaft sind", sagt PLANTON GmbH Geschäftsführer Dr. Michael Kleine.

Mehr zum Ideenwettbewerb 2016 und zur Finanzierung von Ausgründungen im Internet unter: www.seedfonds-sh.de

Verantwortlich für diesen Pressetext:
WTSH – Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH | Ute Leinigen | Lorentzendamm 24, 24103 Kiel | Telefon 0431/66666-820 | Telefax 0431/66666-769 | E-Mail: leinigen@wtsh.de | www.wtsh.de
Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein | Harald Haase I Düsternbrooker Weg 94, 24105 Kiel | Tel. 0431/988-4421 | Fax 0431/988-4705 | E-Mail: pressestelle@wimi.landsh.de
Fachhochschule Kiel Frauke Schäfer | Sokratesplatz 1, 24149 Kiel | Telefon 0431 210 1020 | Telefax 0431 210 91020 | E-Mail: frauke.schaefer@fh-kiel.de | www.fh-kiel.de