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Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung

Portraitfoto Dr. Robert Habeck
Dr. Robert Habeck

Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung

© M. Ruff / grafikfoto.de

Strategien gegen Schweinepest

Datum 12.01.2018

Auf einem Gipfel zur Afrikanischen Schweinepest haben Vertreter von Land, Kreisen und Verbänden über Möglichkeiten der Vorbeugung beraten.

Drei Personen sitzen nebeneinander, ein Mann redet. Minister Robert Habeck, Staatssekretärin Anke Erdmann (l.) und Gabriela Wallner, Leiterin des Referats "Tierseuchen" im Landwirtschaftsministerium nahmen am Gipfel teil. (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)An dem Gipfel nahmen auch Minister Robert Habeck, Staatssekretärin Anke Erdmann (l.) und Gabriela Wallner, Leiterin des Referats "Tierseuchen" im Landwirtschaftsministerium, teil. © dpa

Nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Osteuropa herrscht Verunsicherung bei den rund 2.000 Schweinehaltungen in Schleswig-Holstein. Die meldepflichtige Tierseuche war nun Thema eines Gipfels, zu dem Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck in Kiel geladen hatte. Hier sprachen Vertreter von Verbänden der Landwirtschaft, der Jagd, des Tier- und Naturschutzes sowie des Innenministeriums, der Polizei und der kommunalen Spitzenverbände über Mittel und Wege, den Ausbruch im echten Norden zu verhindern.

Gemeinsame Konzepte entwerfen

"Wir müssen in dieser Situation alle an einem Strang ziehen. Landwirtschaft, Transportunternehmen, Schlachtbetriebe, Jagd, Veterinärbehörden und Polizei – es ist das enge Zusammenspiel aller gefordert", sagte Habeck im Anschluss an den Gipfel. Die Afrikanische Schweinepest ist für Menschen ungefährlich, endet aber für infizierte Wild- und Hausschweine fast immer tödlich. "Die Seuche würde den Schweinemarkt zum Erliegen und Landwirte an den Rande ihrer Existenz bringen sowie schwierige ethische Fragen aufwerfen", sagte der Minister. Deshalb müssten die Beteiligten gemeinsame Lösungen finden, um das Land zu schützen und die Krankheit im Falle eines Ausbruchs zu bekämpfen.

Höhere Sicherheitsvorkehrungen in den Betrieben

Ein Schweinerüssel, der in die Kamera schaut. Im Hintergrund stehen zwei Schweine an einem Futtertrog. Schwein (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Die Afrikanische Schweinepest endet für Wild- und Hausschweine meist tödlich. © M. Dewanger / grafikfoto.de

Das Landwirtschaftsministerium hat eine Reihe von Strategien entwickelt, die der Afrikanischen Schweinepest vorbeugen sollen. So ist es etwa in schweinehaltenden Betrieben unabdingbar, die gesetzlichen Hygienevorschriften genau einzuhalten. Diese gelten für alle Zucht- und Masthaltungen - unabhängig von deren Größe. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Einfriedung, insbesondere bei den 47 Freilandhaltungen in Schleswig-Holstein. Hier müssen die Tiere doppelt und wildsicher eingezäunt sein, um den Kontakt zu anderen Schweinen oder Wildschweinen zu verhindern. Darüber hinaus müssen Landwirte die Möglichkeit haben, Schuhe und Fahrzeuge zu reinigen und zu desinfizieren sowie Futter und Einstreu geschützt vor Wildtieren zu lagern. Die Veterinärämter wurden gebeten, alle Freilandhaltungen zu überprüfen und die Kontrollen in den stallhaltenden Betrieben in diesem Jahr zu verstärken.

Keine Transporte in betroffene Gebiete

Des Weiteren hat die Bundesregierung angekündigt, die Hygienevorschriften für Tiertransporte zu verschärfen. "Das soll sicherstellen, dass alle Transportfahrzeuge gereinigt und desinfiziert werden, wenn sie aus betroffenen Gebieten zurückkehren", sagte Habeck. Enthalten seien auch Verfütterungsverbote von Getreide, Grünfutter, Heu oder Stroh, dass in einem solchen Gebiet hergestellt wurde. "Das ist zu begrüßen. Wir müssen die Risiken, die über den Handel mit Tieren entstehen, reduzieren", betonte der Minister.
Sinnvoll sei es auch, keine Schweine mehr nach Polen zu transportieren. "Die neuen Fälle der Schweinepest treten an unterschiedlichen Orten auf. Daher ist das tatsächliche Ausmaß der Seuchenverbreitung unklar. Somit stellen Transporte von Schweinen in diese Gebiete, aber möglicherweise auch in andere Regionen der betroffenen Mitgliedsstaaten, ein großes Risiko für die Verschleppung der Tierseuche dar", erklärte Habeck.

Portraitfoto Dr. Robert Habeck

Landwirtschaft, Transportunternehmen, Schlachtbetriebe, Jagd, Veterinärbehörden und Polizei – es ist das enge Zusammenspiel aller gefordert.

Dr. Robert Habeck

Landesjagdgesetz soll geändert werden

In Abstimmung mit den Jägern will das Land das Jagdgesetz ändern, um die Zahl der Wildschweine zu verringern. Im Raum stehen Genehmigungen für die Jagd mithilfe von Scheinwerfern, Schneisen in Maisfeldern und sogar die Jagd in Naturschutzgebieten – unter bestimmten Voraussetzungen und nur im südöstlichen Landesteil. "Ich weiß, dass diese Schritte von vielen Seiten etwas fordern und wir auch Schritte zu unternehmen bereit sind, die unter normalen Umständen nicht denkbar wären. Aber angesichts der Ausbruchsgefahr halte ich sie für angemessen", sagte Habeck.

Land bereitet sich vor

Wildschwein auf Rasenfläche Da die Afrikanische Schweinepest immer näher an Deutschland heranrückt, wird Schwarzwild wie beispielsweise Wildschweine stärker als in den vergangenen Jahren bejagt. (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Das Land will die Jagd auf Wildschweine vereinfachen. © M. Staudt / grafikfoto.de

Derweil werden auch konkrete Vorbereitungen für den Fall eines Ausbruchs getroffen. So beschafft das Land derzeit wildschweinsicheres Zaunmaterial, um betroffene Gebiete rasch abzusichern sowie Wannen und Säcke zum Transport verendeter Tiere. Außerdem stockt das Land sein Personal im Umweltministerium sowie im Landeslabor auf, informiert alle Beteiligten und schult Jäger zur Biosicherheit bei der Jagd. 2018 ist eine Tierseuchenübung geplant, bei der ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen simuliert wird. Bereits in den vergangenen Monaten hat die Landesregierung das Tierseuchen-Frühwarnsystem gestärkt. Bis zum Jahresende testeten Wissenschaftler des Landeslabors rund 1.500 Proben von Wildschweinen auf den Erreger – bislang waren alle negativ.

Hinweise zum Umgang mit Lebensmitteln

Das Ministerium warnt davor, tierische Lebensmittel aus betroffenen Ländern mitzubringen. Werden solche Lebensmittel mitgebracht, achtlos in der Natur – etwa an Autobahnraststätten oder Parkplätzen – weggeworfen oder an Haustiere verfüttert, kann auch das zu einem Ausbruch der Schweinepest in Deutschland führen. "Aus betroffenen EU- Staaten sollten deshalb keine tierischen Lebensmittel mitgebracht werden. Für Nicht-EU-Staaten ist das ohnehin Vorschrift", sagte Habeck. Entsprechend haben das Landwirtschaftsministerium und die jeweiligen Kreisbehörden die Kontrollen auch an den Häfen des Landes verstärkt.

In der kommenden Woche werden sich auch die Agrarminister der Länder mit der Afrikanischen Schweinepest beschäftigen.

Weitere Informationen zur Afrikanischen Schweinepest