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Untersuchung der gestrandeten Pottwale

Staatskanzlei

Untersuchung der gestrandeten Pottwale

Datum 23.03.2016

Große Mengen Plastik- und Kunststoffmüll in den Mägen gefunden.

Umweltministerium und Tierärztliche Hochschule Hannover haben im Multimar Wattforum in Tönning die Untersuchungsergebnisse zu den im Nationalpark Wattenmeer gestrandeten Pottwalen vorgestellt.

Vier der 13 Wale hatten teils große Mengen Plastikmüll in ihren Mägen. Dies war zwar nicht der Grund für die Strandung und den Tod der Tiere, spiegelt aber die Situation auf dem offenen Meer wider. Tierärzte und Biologen vermuten, dass die besonders betroffenen Tiere große gesundheitliche Probleme durch die Reste des Mülls bekommen hätten.

Zu den auffälligsten Müllteilen gehören Reste eines 13 Meter langen und 1,2 Meter breiten Schutznetzes, das in der Krabbenfischerei eingesetzt wird, eine 70 Zentimeter lange Plastikabdeckung aus dem Motorraum eines Autos und die scharfkantigen Reste eines Kunststoffeimers.

Todesursache Herz- und Kreislaufversagen

Die 13 Wale waren im Januar und Februar an Schleswig-Holsteins Nordseeküste gestrandet. Professorin Ursula Siebert, Leiterin des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Stiftung Tierärztlichen Hochschule Hannover, hatte die Pottwale anschließend mit ihrem Team eingehend untersucht. Alle Tiere waren junge, noch nicht geschlechtsreife Bullen, 10 bis 15 Jahre alt und 12 bis 18 Tonnen schwer. Sie waren allesamt in einem guten Gesundheits- und Ernährungszustand.

Alle Tiere waren ins Flachwasser des Wattenmeeres geraten. Als das Wasser ablief und die Tier auf Grund lagen, drückte das Gewicht ihres Körpers ihre Blutgefäße, die Lunge und anderen Organe zusammen, so dass die Tiere an akutem Herz-Kreislauf-Versagen starben.

Tintenfischschnäbel aus dem Magen eines Pottwals Tintenfischschnäbel aus dem Magen eines Pottwals (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Tintenfischschnäbel aus dem Magen eines Pottwals © GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Letzte Nahrungsaufnahme vermutlich in der Norwegischen See

In den Walmägen fand Dr. Uwe Piatkowski, Meeresbiologe vom Kieler GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, mit seinen Studenten über 110.000 Tintenfischschnäbel, wie die unverdaulichen Ober- und Unterkiefer von Tintenfischen genannt werden.

Siebert und Piatkowski vermuten, dass die verendeten Wale in der Norwegischen See letztmals gefressen hatten. Die drei im Januar gefundenen Tiere hatten sich vermutlich nur kurz in der Nordsee aufgehalten, die zehn im Februar gestrandeten Wale wohl etwas länger. In einigen Walmägen wurden Knochen und andere Überreste von Nordseefischen wie Seeteufel, Kabeljau, Wittling und Seehase gefunden.

Portraitfoto Dr. Robert Habeck

Das ist eine dringende Mahnung, verstärkt gegen Müll im Meer vorzugehen.

Dr. Robert Habeck

Wale könnten ihrer Hauptnahrung gefolgt sein

Seit Jahresbeginn waren an der Nordseeküste in Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich, Dänemark und Deutschland 30 Pottwale lebend oder tot gestrandet. Weitere Walarten strandeten an der Nord- und Ostseeküste Dänemarks und Deutschlands.

Die Ursachen dieses gehäuften Vorkommens sind nach Aussagen der beiden Wissenschaftler unbekannt. Ungewöhnlich hohe Temperaturen und besonders starke Stürme, die in den vergangenen Wochen im nördlichen Nordost-Atlantik registriert wurden, könnten Wassermassen aus der Norwegischen See südwärts in die Nordsee gedrückt haben - und die Tintenfische mit ihnen. Möglicherweise sind die Pottwale ihrer Hauptnahrung gefolgt und gelangten so, ebenso wie andere Walarten, in die Nordsee.

Für die Wissenschaftler ist das eine plausible Erklärung, die allerdings nicht bewiesen ist, da derartige ökologische Zusammenhänge nur mit großem Aufwand nachzuweisen sind.

Sonderausstellung im Multimar Wattforum

Die spektakulären Funde der Wale, ihre Bergung, Zerlegung und Untersuchung werden von heute an in einer Sonderausstellung im Multimar Wattforum präsentiert. Gerd Meurs, Leiter des Multimar und an der Bergung und Zerlegung der Tiere beteiligt, will das Thema zudem in einer Vortragsreihe aufbereiten. Walexperten werden einzelne Aspekte der Walstrandungen ab Mai detailliert vorstellen. Umweltminister Robert Habeck wird am 11. August auf die literarische Seite der Beziehung zwischen Wal und Mensch eingehen.