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Umgang mit Jakobskreuzkraut

Staatskanzlei

Umgang mit Jakobskreuzkraut

Das MELUND informiert über Maßnahmen, die zum Schutz von Tieren ergriffen werden müssen.

Die weitere Ausbreitung von Jakobskreuzkraut (JKK) stellt insbesondere Tierhalter und Naturschützer vor Herausforderungen: JKK bildet nämlich giftige sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, sogenannte Pyrrolizidinalkaloide (PAs). Diese können die Gesundheit der landwirtschaftlichen Nutztiere gefährden. Auch aus Sicht des vorsorgenden Verbraucherschutzes kann JKK problematisch sein, weil es zu einer PA-Belastung von Honig führen kann. Daher hat das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium ein umfangreiches Programm zum Umgang mit JKK aufgestellt. Es reicht von der Bekämpfung der Pflanze über die Beratung von Imkern bis hin zu Forschungsprogrammen.

Bekämpfung von Jakobskreuzkraut

Die weitere Ausbreitung von Jakobskreuzkraut muss so weit wie möglich verhindert werden. Daher hat das Land die Bekämpfung von Jakobskreuzkraut ausgeweitet und verschärft. Das gilt insbesondere für Weideflächen sowie extensiv bewirtschaftete Grünlandflächen, auf denen das Jakobskreuzkraut vorzugsweise wächst. Da auf diesen Flächen häufig Herbizide verboten sind, kann es nicht wie in der konventionellen Landwirtschaft chemisch bekämpft werden.

Die Bekämpfungsmethoden reichen hier von der Mahd über das Mulchen bis hin zum Umbruch. Vor allem der Umbruch ist ein sehr scharfes Schwert, denn er hat naturschutzfachlich und naturschutzrechtlich große Auswirkungen, weil andere Pflanzen sowie Tiere beeinträchtigt werden. Die Stiftung Naturschutz ist in den Jahren 2015 und 2016 auf rund 1.200 ha ihrer Flächen durch unterschiedliche mechanische Maßnahmen gezielt gegen JKK vorgegangen und wird dies auch im Jahr 2017 fortsetzen. Auch die Verwalter von öffentlichen Liegenschaften sind dazu aufgefordert, JKK zunehmend zu bekämpfen.

Tiergesundheit

Zwei Pferde grasen auf einer Koppel Pferde grasen auf einer Koppel (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) © M. Staudt / grafikfoto.de

Im Fokus der Debatte um JKK steht die Tiergesundheit. Das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium weist alle Halterinnen und Halter von Pferden, Rindern, Schafen und Ziegen darauf hin, dass die Aufnahme von JKK über das Futter zu vermeiden ist, und erläutert in einem Merkblatt, worauf die Tierhalter achten müssen. Das Ministerium hat dieses Merkblatt den betroffenen Verbänden aus dem Bereich der Nutztierhaltung sowie der Landwirtschaftskammer an die Hand gegeben, die Stiftung Naturschutz hat es allen ihren Pächtern zu Verfügung gestellt.

Jakobskreuzkraut: Merkblatt für Tierhalter von Pferden, Rindern und Schafen (PDF 27KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Darüber hinaus hat die Stiftung Naturschutz im Auftrag des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums untersuchen lassen, ob und inwiefern starker JKK-Bewuchs Auswirkungen auf weidende Rinder hat. An der vom Ministerium geförderten Studie waren Wissenschaftlerinnen der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Tierärztlichen Hochschule Hannover sowie ein großer Rinderhalter aus Schleswig-Holstein beteiligt. Untersucht wurden Blut- und Gewebeproben von Schlachttieren aus zwei Gruppen (von JKK-reichen bzw. JKK-freien Weideflächen). Die Resultate der Blutbilder und der toxikologischen und histologischen Gewebeuntersuchungen wurden im Rahmen einer tiermedizinischen Doktorarbeit ausgewertet. Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: Zum einen zeigten sich bei keinem der untersuchten Parameter Unterschiede zwischen Versuchs- und Kontrollgruppe. Mit anderen Worten: Die Rinder, die ihr Leben lang auf JKK-reichen Flächen geweidet hatten, waren ebenso fit und ebenso gesund wie ihre Artgenossen, die stets auf JKK-freien Weiden gestanden hatten. Zum anderen wurden in keiner der untersuchten Proben aus Fett-, Muskel- und Lebergewebe PAs nachgewiesen. Die Resultate bestätigen: Auf den Weideflächen wird das JKK wegen der in ihm enthaltenen fraßabwehrenden "Bitterstoffe" von den Tieren gemieden. Die Instinkte der Tiere funktionieren.

Vorsorgender Verbraucherschutz: Beratung von Imkern

Für Imker kann JKK dann zu einem Problem werden, wenn die Honigbienen das von Juli bis September blühende Jakobskreuzkraut als Trachtpflanze nutzen. Dem Bienenvolk selbst schadet das JKK zwar nicht, über den Eintrag von Pollen und Nektar PA-haltiger Pflanzen kann es jedoch zu einer PA-Belastung von Sommerhonigen kommen. Um Imkerinnen und Imker zu unterstützen, hat die Stiftung Naturschutz im Jahr 2014 mit dem Imker-Telefon eine Beratung etabliert, wie sie mit JKK umgehen und mögliche Einträge in den Honig vermeiden können.

Darüber hinaus hat die Stiftung Naturschutz im Mai 2015 ein Jakobskreuzkraut-Kompetenzzentrum eingerichtet, das alle JKK-Aktivitäten der Stiftung plant, initiiert und koordiniert. Dazu gehören auch die Konzeptionierung und Durchführung von Forschungsprojekten, die in Kooperation mit vielen verschiedenen Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen durchgeführt werden, sowie die Bündelung und Auswertung von Erkenntnissen anderer Forschergruppen und Praktiker aus dem In- und Ausland.

Aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes hat das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium 2014 gemeinsam mit der Stiftung Naturschutz eine umfangreiche Reihenuntersuchung schleswig-holsteinischer Sommerhonige auf PAs durchgeführt. Seit 2015 werden die Untersuchungen im Rahmen eines neuen Pilotprojektes fortgeführt.
Weitere Informationen zu den Untersuchungen von Honig auf Pyrrolizidinalkaloide (PAs) finden Sie hier:

Alternative Blühangebote für Bienen schaffen

Das vierjährige vom Umwelt- und Landwirtschaftsministerium mit rund 390.000 Euro geförderte und von der Stiftung Naturschutz in Kooperation mit dem Imker-Landesverband und der Christian-Albrechts-Universität durchgeführte Pilotprojekt "Blüten für Bienen" dient nicht allein der Beprobung heimischer Sommerhonige: Untersucht werden vielmehr die Zusammenhänge zwischen dem Trachtangebot (JKK und Alternativen) im Umfeld von Bienenständen, den Schleuderterminen der von diesen Ständen gewonnenen Sommerhonige und ihren PA-Gehalten. Ziel ist es, Imkerinnen und Imkern Handlungsempfehlungen zum Umgang mit JKK zu geben - etwa zu Mindestabständen und Schleuderterminen -, um so die mögliche PA-Belastung von Honig zu verringern.

Ein zweiter Projektteil dient der Evaluation der im Rahmen des Vertragsnaturschutzprogramms "Ackerlebensräume" (Variante "Bienenweide") angelegten Blühflächen hinsichtlich ihrer Eignung als "Ablenkfütterung" im Falle bedeutsamer JKK-Vorkommen in der näheren Umgebung von Bienenständen sowie als Habitate zur Förderung der Agrobiodiversität unter besonderer Berücksichtigung der Wildbienen und ihrer Ökosystemdienstleistungen.

Beide Projektteile wurden im Jahr 2015 begonnen und werden im Jahr 2018 abgeschlossen werden.

Bildergalerie: Jakobskreuzkraut

Hintergrund: Pyrrolizidinalkaloide

Pyrrolizidinalkaloide (PAs) sind sekundäre Pflanzenstoffe, die vom Jakobskreuzkraut (sowie von vielen anderen Pflanzen vor allem aus den Familien der Korbblütler, Boretschgewächse und Hülsenfrüchtler) als natürliche Abwehrstoffe gegen Fressfeinde gebildet werden. Von den an sich nur mindergiftigen PAs kann für Tiere wie auch für Menschen eine Gesundheitsgefährdung ausgehen, da bei dem Abbau der Stoffe im Körper reaktive Zwischenprodukte gebildet werden können, die irreversible Schädigungen vor allem der Leber hervorrufen können.

Solange genügend anderer Aufwuchs zur Verfügung steht, meiden die gegenüber PAs besonders empfindlichen Rinder und Pferde die frischen JKK-Pflanzen auf der Weide wegen der in ihnen enthaltenen Bitterstoffe. Im Futter gelingt es den Tieren weniger gut zu selektieren, so dass JKK in Heu und Silage eine Gefahr für die Tiergesundheit darstellt. Diese Risiken sind seit langem bekannt. Aufgrund des verstärkten Vorkommens des JKK weisen wir jedoch Tierhalter nochmals darauf hin, bei der Nutzung von Flächen mit JKK durch Beweidung und/oder Futtergewinnung besonders sorgfältig vorzugehen.

Über einen möglichen Carry-over in die menschliche Nahrung über Eier, Milch und Fleisch ist bereits intensiv geforscht worden. Alle bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass diesbezüglich kein Risiko besteht.

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