Landesportal Schleswig-Holstein

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Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein

© M. Staudt/grafikfoto.de

Im ca. 8.500 Kilometer langen schleswig-holsteinischen Straßennetz finden wir mehr als 2.200 Brücken, Stützwände, Lärmschutzwände und auch Schilderbrücken - Sie alle müssen geplant und überwacht werden.

Es gibt eine ganze Reihe von "Konstruktiven Ingienieurbauwerken" (so werden sie in der Fachsprache genannt), welche unsere Straßen, Wege und Gewässer überspannen (Brücken), die Straßen schützen (Stützwände), den Lärm abhalten (Lärmschutzwände) und den Verkehr leiten (Schilderbrücken). Im ca. 8.500 Kilometer langen schleswig-holsteinischen Straßennetz (ohne Kreisstraßen) finden wir mehr als 2.200 solcher Bauwerke. Sie alle müssen geplant und überwacht werden.

Brücken unterscheiden sich in Art und Ausführung. Neben dem "klassischen" Brückenbauwerk, d.h. der Überführung eines Verkehrsweges über einen anderen Verkehrsweg, ein Gewässer oder tiefer liegendes Gelände, sehen wir vor allem auf Autobahnen und Bundesstraßen Verkehrszeichenbrücken. Das sind Tragkonstruktionen, an denen Schilder/Zeichengeber über dem Verkehrsraum befestigt werden.

Der Bau sämtlicher Ingenieurbauwerke erfordert von den Planern viel. So muss - nachdem feststeht, wo ein solches Bauwerk entstehen soll - die Festigkeit des Bauuntergrundes sorgfältig geprüft und die angenommene spätere Belastung durch den fließenden Verkehr exakt berechnet werden. Dafür setzen wir sog. "Bodenprüftrupps" ein, welche die Voraussetzungen für den späteren Standort analysieren. Erst nach langwierigen Berechnungen der Gegebenheiten kann mit den Planungen eines solchen Bauwerkes begonnen werden.

Brücken planen

 Rahmenbrücke Rahmenbrücke (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Rahmenbrücke © LBV-SH.DE

 Bogenbrücke / Bewegliche Brücke Bogenbrücke (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Bogenbrücke / Bewegliche Brücke © LBV-SH.DE

Vor dem eigentlichen Bau einer Brücke steht zuerst der Prozess der Entscheidungsfindung, welche Brückenlösung unter Berücksichtigung von technischen, wirtschaftlichen, ästhetischen und ökologischen Aspekten die zweckmäßigste ist. Dabei werden in einer Voruntersuchung mögliche Varianten mit ihren Vor- und Nachteilen abgewogen. Der Umfang dieses Prozesses ist abhängig von der Größe und dem Schwierigkeitsgrad der geplanten Brücke.

Auf der Grundlage der ausgewählten Brückenlösung wird der sogenannte Bauwerksentwurf erstellt, in dem die Detailausbildung für die genaue Konstruktion der geplanten Brücke erfolgt und die entstehenden Kosten ermittelt werden. Bei der Planung werden u.a. anhand der Baugrundverhältnisse umfangreiche Prüfungen zur erforderlichen Gründung (z.B. Tief- oder Flachgründung) vorgenommen. Dies geschieht anhand von statischen Nachweisen, Festlegungen zur Abmessung des Tragwerkes und Detailplanungen zum Bauwerk (z.B. zum Geländer). Im Rahmen der Entwurfsaufstellung wird zusätzlich bei größeren Brücken durch eine Visualisierung dargestellt, wie sich das Bauwerk in die Landschaft einfügen wird. Gestalt prägend für die Form ist das Tragwerk, das sich harmonisch in sein Umfeld einfügen soll. Dabei sind die Grundformen Balken, Bogen, Gewölbe oder Rahmen in unterschiedlichster Ausbildung und Kombination stets erkennbar.

Der Bauwerksentwurf bildet die Grundlage für die Ausschreibung der Maßnahme, in der auf der Grundlage der VOB (Verdingungsordnung für Bauleistungen) ermittelt wird, welcher Bieter die Brücke unter den vorgegebenen Randbedingungen am wirtschaftlichsten bauen kann.

Brücken bauen

 Gründungsarbeiten Gründungsarbeiten (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Gründungsarbeiten © LBV-SH.DE

Der Bau einer Brücke beginnt in der Örtlichkeit mit den Gründungsarbeiten. In Abhängigkeit von den Baugrundverhältnissen kommt dabei entweder eine Tiefgründung auf Pfählen oder eine Flachgründung zur Ausführung. Daran schließt sich die Erstellung der Widerlager und Pfeiler - die sogenannten Unterbauten - an. Mit den Unterbauten werden die Lasten aus dem eigentlichen Tragsystem der Brücke, dem sogenannten Überbau, in die Gründungskörper und weiter in den Baugrund abgeleitet.

Der Überbau kann bei kleineren Brücken aus Holz, aus Beton, aus Stahl, aus einer Kombination von Stahl und Beton - der Stahlverbundbauweise - bestehen. Ist der Überbau hergestellt, kann der weitere Ausbau der Brücke erfolgen. Das beinhaltet z.B. den Einbau des Fahrbahnbelages oder auch die Installation der Geländer und der Schutzplanken.

Brücken prüfen

Brückenprüfer Brückenprüfer (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Einsatz des US 260 bei der Prüfung von Windverbänden der Kanalhochbrücke Brunsbüttel © LBV-SH.DE

Brücken müssen jederzeit ohne Einschränkungen durch den öffentlich zugelassenen Verkehr nutzbar sein. Um dieses zu gewährleisten, müssen die Bauwerke regelmäßig überwacht und geprüft werden, um so rechtzeitig Schäden feststellen und ggf. geeignete Maßnahmen einleiten zu können. Die Überwachung, die lückenlos erfolgt und aus der laufenden Beobachtung oder Besichtigung besteht, dient dazu, offensichtliche Schäden am Bauwerk erkennen zu können.

Die wichtigste Maßnahme, um den gesamten Zustand eines Bauwerkes feststellen zu können, ist jedoch der sog. "Brücken-TÜV". Das ist die Hauptprüfung, die alle sechs Jahre zu erfolgen hat. Jedes dritte Jahr dazwischen findet zusätzlich eine reduzierte "Einfache Prüfung" statt. Bei der Hauptprüfung müssen alle Bauteile durch einen erfahrenen Ingenieur, dem sog. Bauwerksprüfer, begutachtet werden. Um auch alle Bauteile erreichen zu können, werden für die Prüfung ggf. Unterflurbesichtigungsgeräte, Hubsteiger, Boote, Fahrzeuge der Bahn oder auch am Bauwerk vormontierte, verfahrbare Brückenbesichtigungswagen eingesetzt.

Wesentliches Merkmal einer Brückenprüfung ist die handnahe Prüfung "mit Auge und Ohr", um z.B. Betonhohlstellen oder Risse festzustellen. Oft werden zusätzlich auch Messeräte und Prüfwerkzeuge wie z.B. ein Endoskop eingesetzt, um auch in das Innere des Betons blicken zu können. Die Ergebnisse der Brückenprüfung dienen u.a. als Grundlage für eine gezielte Erhaltungsstrategie, d.h. für die Planung von Maßnahmen die erforderlich sind, um das Bauwerk auch weiterhin uneingeschränkt nutzen zu können.

Brücken erhalten

 Instandsetzung der Fahrbahnübergänge Instandsetzung der Fahrbahnübergänge (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Instandsetzung der Fahrbahnübergänge und Erneuerung des Fahrbahnbelages © LBV-SH.DE

Die rechnerische Nutzungsdauer einer Brücke beträgt ca. 80 bis 100 Jahre, wobei es in besonderen Fällen auch Ausnahmen gibt. Um die Nutzungsdauer zu erreichen, sind auf der Grundlage der Ergebnisse der Bauwerksprüfung und entsprechend der Dringlichkeit laufende Erhaltungsmaßnahmen durchzuführen. Dafür ist nach ein jährlicher Erhaltungsaufwand von ca. 16,50 € pro m² Brückenfläche (d.h. Brückenlänge x Brückenbreite) erforderlich. Bei der ca. 1,5 km langen Autobahnhochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal im Zuge der Autobahn A 7 bei Rendsburg entspricht das z.B. einem jährlichen Betrag von etwa 720.000 €. Dieser Betrag wird jedoch nicht in jedem Jahr in der genannten Höhe aufgewandt, sondern wird "angesammelt", um gezielt größere bzw. aufwändigere Maßnahmen wie z.B. die Erneuerung des gesamten Fahrbahnbelages sowie die Instandsetzung der Fahrbahnübergänge finanzieren zu können - dies allerdings immer vor dem Hintergrund, dass notwendige Sanierungsmaßnahmen zuerst vorgenommen werden.