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Justizvollzugsanstalt Neumünster

© M. Staudt / grafikfoto.de

Gewaltstraftätertherapie

Die Therapie für Gewaltstraftäter in der Justizvollzugsanstalt Neumünster zielt auf die Verringerung des Rückfallrisikos für weitere Gewaltstraftaten ab.

Das Zentrum für Integrative Psychiatrie an der Christian – Albrechts-Universität Kiel besteht aus den Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie, für Kinder- und Jugendpsychiatrie und für Psychosomatik und Psychotherapie. Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie als größte der Kliniken umfasst 106 Betten und folgt einem störungsspezifischen Konzept; unter anderem sind spezielle Behandlungsangebote für die Schwerpunkte Psychose, affektive Störungen, Sucht und Borderline-Persönlichkeitsstörungen etabliert. Die Sektion Forensische Psychiatrie verfügt über eine große Gutachtenstelle, widmet sich aber auch der intramuralen und ambulanten Straftätertherapie.

1999 hat die Justizvollzugsanstalt Neumünster gemäß ihrem gesetzlichen Auftrag zur Umsetzung geeigneter Therapiemaßnahmen für inhaftierte Straftäter das Zentrum für Integrative Psychiatrie des Universitätsklinikums Schleswig-Holsteins damit beauftragt, ein Behandlungsprogramm für Gewaltstraftäter zu entwickeln. Über die Jahre ist ein moduläres Behandlungskonzept entstanden, das sich im Kontext therapeutischer Zielsetzungen und vollzuglicher Ansprüche bewährt hat. Veröffentlichungen der Daten aus unserer Begleitforschung in international anerkannten Fachzeitschriften dokumentieren die erfolgreiche Arbeit und unterstreichen den Anspruch, eine effiziente Therapie für Gewaltstraftäter im Gefängnis zu etablieren.

Die Therapie für Gewaltstraftäter in der Justizvollzugsanstalt Neumünster richtet sich an Strafgefangene, die wegen einer Gewaltstraftat inhaftiert sind, und zielt auf die Verringerung des Rückfallrisikos für weitere Gewaltstraftaten ab. Das Therapiekonzept orientiert sich an den etablierten kriminaltherapeutischen Prinzipien und ist methodisch vielschichtig, schulenübergreifend und problemorientiert: Die Gefangenen werden sowohl im Gruppen- als auch im Einzelsetting behandelt. Therapieschwerpunkte sind

  • Aufbau von Veränderungsmotivation:

Für den Therapieerfolg ist die ausreichende Motivation wichtig. Nicht bei jedem Teilnehmer ist dies aufgrund des besonderen Umstandes des Freiheitsentzugs gegeben und erfordert eine besondere Beachtung zu Beginn der Therapie.

  • Klärung von Bedingungsfaktoren der Gewalt:

In weiterführenden Einzel- und Gruppensitzungen werden unterschiedliche Bereiche, Themen und Aspekte besprochen, die mit gewalttätigem Verhalten in Zusammenhang stehen können. Wichtig dabei erscheinen vor allem unangenehme Gefühlszustände, Spannungen, Belastungen, Konflikte, Einstellungen und Substanzkonsum.

  • die Auseinandersetzung mit den eigenen Gewalttaten:

In der Auseinandersetzung mit der Tat wird mit den individuellen Taten der einzelnen Teilnehmer gearbeitet. Dabei hat sich insbesondere ein Gruppenformat mit Elementen der konfrontativen Pädagogik bewährt. Mit dem besseren Verständnis von Gewalt und Einbeziehung der eigenen Vorgeschichte sollen genaue Hintergründe und Zusammenhänge aufgedeckt und verstanden werden. Aus den gewonnenen Erkenntnissen können Schlüsse für konkrete Veränderungsabsichten und die weitere Therapieplanung gezogen werden

  • gewaltfreie Konfliktlösestrategien:

Beim Konfliktmanagement wird sehr konkret an der Veränderung von aggressiven Verhaltensweisen gearbeitet. Vor allem in den Gruppensitzungen probieren die Teilnehmer alternative Verhaltensweisen in Konfliktsituationen aus. Rollenspiele in der Gruppe bieten dabei einen geschützten Rahmen, sich auszuprobieren, wertvolle Rückmeldung zu erhalten und führen zu mehr Selbstsicherheit im Umgang mit schwierigen Situationen.