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Justizvollzugsanstalt Lübeck

© JVA Lübeck

Gefangene schreiben in HEMPELS

Gemeinsames Projekt von JVA Lübeck und Straßenmagazin HEMPELS dient der Resozialisierung.

Es ist ein ungewöhnliches Projekt, das es in dieser Form in Deutschland kein zweites Mal gibt: Gemeinsam bieten die JVA Lübeck und das Schleswig-Holsteinische Straßenmagazin HEMPELS seit Mai 2011 eine kreative Schreibwerkstatt für Langzeitgefangene an. Männliche Inhaftierte erstellen Texte zu sie bewegenden Themen. Besonders im Vergleich zu Schreibwerkstätten in anderen Gefängnissen ist, dass im Straßenmagazin HEMPELS regelmäßig eine Auswahl entstandener Texte veröffentlicht wird.

Neben der individuellen Straftat verbirgt sich hinter jedem Gefangenen ein persönliches Schicksal. Das Bedürfnis ist bei diesen Menschen groß, sowohl über häufig bereits früh erfahrene Prägungen wie auch über gegenwärtige Stimmungen – positive als auch negative – sprechen oder schreiben zu können. Gleichsam fehlen oftmals die Fähigkeit und das Wissen um die Möglichkeiten, dies in schriftlicher Form tun zu können.

Hier setzt die Arbeit der Schreibwerkstatt an: Unter Anleitung von Redaktionsleiter Peter Brandhorst diskutieren die Teilnehmer mögliche Themen. Die Gefangenen werden motiviert, sich offen und kritisch mit ihrer Situation zu befassen. Geschrieben wird später im eigenen Haftraum, bevor die Ergebnisse bei einem nächsten Treffen gemeinsam besprochen werden. Teilnehmer können sich so untereinander austauschen und sich gegenseitig in ihren Ideen bereichern. Die Veröffentlichung einer Textauswahl vermittelt zudem die Erfahrung, über den Tag hinaus Bestand habende Werte erschaffen zu können. Einander zuhören und Werte erschaffen sind Erfahrungen, die manche dieser Menschen in ihrem Leben noch nicht so häufig gemacht haben.

Anfang 2015 wurde die Lübecker Schreibwerkstatt mit dem Sonderpreis "Ingeborg-Drewitz-Literaturpreis für Gefangene" ausgezeichnet. Bereits im Sommer 2013 war das Projekt vom Internationalen Netzwerk der Straßenzeitungen INSP mit einer Award-Nominierung in der Kategorie "Beste soziale Entwicklung" ausgezeichnet worden. In der Begrüßung heißt es, diese besondere Arbeit mit Gefangenen sei weltweit vorbildlich, da sie soziale Barrieren breche, den Teilnehmern bei der Entwicklung neuer Fähigkeiten helfe und einen Beitrag zu Prävention und Wiedereingliederung leiste.