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Justizvollzugsanstalt Lübeck

© JVA Lübeck

Ausbildung und Qualifikation

Verschiedene Angebote dienen der Ausbildung und Qualifikation der Gefangenen.

Schulkurse


In der Schule der JVA Lübeck werden weibliche und männliche Gefangene zusammen beschult:
Mit dem Alphabetisierungskurs werden funktionale Analphabeten angesprochen, die nicht ausreichend lesen und schreiben können. In dem ständig laufenden Kurs mit einer geringen Anzahl von Gefangenen erhält jeder eine individuelle Förderung. Die Kursdauer wird nach Bedarf geregelt.
Der Kurs „Deutsch als Zweitsprache“ richtet sich an Gefangene mit keinen oder nur geringen deutschen Sprachkenntnissen. Er beginnt im Januar eines jeden Jahres, dauert ca. 6 Monate an und kann von max. 12 Gefangenen besucht werden. Für Gefangene mit guten Lernfortschritten schließt sich der Fortgeschrittenenkurs an, der nach weiteren ca. 6 Monaten mit dem Deutsch-Test für Zuwanderer abgeschlossen werden kann.

Ausbildung und berufsfördernde Maßnahmen


In der Kfz-Lehrwerkstatt der JVA Lübeck können männliche Gefangene eine zwölfmonatige Teilqualifizierung (Berufsfeld Kfz- Mechatroniker) und eine sechsmonatige Teilqualifizierung in der Kfz-Fahrzeugpflege durchlaufen. Die Teilqualifizierung wird mit einem Handwerkskammer- Zertifikat abgeschlossen.
In den Bereichen Klempnerei werden männlichen Gefangenen eine Teilqualifizierung angeboten, die mit einem Handwerkskammer-Zertifikat abgeschlossen wird.
In der Lehrküche der Anstalt findet über einen Zeitraum von 12 Monaten eine Teilqualifizierung männlicher Gefangener im Bereich Koch statt, die mit einem IHK-Zertifikat abgeschlossen wird. Im Einzelfall kann sich eine Berufsausbildung zur Fachkraft im Gastronomiegewerbe anschließen.
Die Ausbildungsanstalt des Landes Schleswig-Holstein, die JVA Neumünster, hält darüber hinaus ein breit gefächerte Angebot von Berufsausbildungsmaßnahmen vor. Bei entsprechender Eignung werden männliche Gefangene von der JVA Lübeck zu diesem Zweck dorthin verlegt.
Weiblichen Gefangenen wird hier eine Berufsausbildungsmaßnahme zur Maßschneiderin oder Änderungsschneiderin angeboten.
In Zusammenarbeit mit dem TÜV Nord Bildung GmbH & Co.AG werden im Rahmen des Projektes AQUA (Arbeit und Qualifizierung) verschiedene Teilqualifizierungsmaßnahmen angeboten:

1. EDV-Kurse

Im Vordergrund steht die Vermittlung von Medien- und Kommunikationskompetenz im Betriebssystem Windows 7 und Office 2010, die heute Grundvoraussetzung für jede berufliche Integration ist. Weibliche und männliche Gefangene, die noch ein halbes bis dreiviertel Jahr bis zur Haftentlassung haben, werden in dreimonatigen Modulen am PC geschult. Zum Abschluss erhalten die Gefangenen eine Teilnahmebescheinigung. Für Gefangene mit guten Lernfortschritten schließt sich der Fortgeschrittenenkurs an, der mit einem Zertifikat abgeschlossen wird.

2. Gebäudereiniger

Über einen Zeitraum von ca. 12 Monaten wird männlichen Gefangenen berufsbezogenes Wissen eines Gebäudereinigers vermittelt. Für weibliche Gefangene dauert diese Maßnahme zwei Monate an. Zum Abschluss erhalten die Gefangenen ein Zertifikat.

3. Holz

Über einen Zeitraum von 6 bis 12 Monaten wird männlichen Gefangenen berufsbezogenes Wissen eines Tischlers vermittelt. Zum Abschluss erhalten die Gefangenen ein Handwerkskammer-Zertifikat.

4. Textil

Weiblichen Gefangenen wird in vier aufeinander aufbauenden Modulen Schneiderwissen vermittelt. Jedes Modul wird mit einem Handwerkskammer-Zertifikat abgeschlossen.

5. Koch

Die Qualifizierung vermittelt berufsanschlussfähige Ausbildungsinhalte aus dem Berufsbild Koch. Sie ermöglicht es den Teilnehmenden, sich den Erfordernissen eines entsprechenden Arbeitsplatzes anzupassen sowie hierauf aufbauend sich ggf. zielgerichtet auf die Teilnahme an einer IHK-Externenprüfung zur Erreichung des Berufsabschlusses "Koch" vorzubereiten. Somit können perspektivisch aus den Teilnehmenden Fachkräfte werden, die als Treiber einer weiterhin positiven Branchenentwicklung agieren. Die Qualifizierung fungiert somit als ein Schritt zur Lösung der Fachkräftemangelproblematik.

6. Fahrzeugpflege

Über einen Zeitraum von sechs Monaten wird männlichen Gefangenen berufsbezogenes Wissen eines Fahrzeugpflegers vermittelt. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Inhaftierten ein Zertifikat von der Handwerkskammer Lübeck.

7. Fahrzeuginstandsetzung

Über einen Zeitraum von bis zu 12 Monaten wird männlichen Gefangenen in fünf aufeinander folgenden Modulen ein berufsbezogenes Wissen aus dem Berufsbild des Kfz- Mechatronikers vermittelt. Nach erfolgreichem Abschluss jeden Moduls erhalten die Inhaftierten ein Zertifikat von der Handwerkskammern Lübeck.

8. Berufliche Grundbildung

Ziel der beruflichen Grundbildung ist die Vorbereitung der (Re)Integration in Arbeit und Beschäftigung von männlichen Gefangenen durch die Vermittlung der Gruppenarbeitsfähigkeit, der Vermittlung eines strukturierten Tagesablaufes und der Vermittlung sozialer und fachlicher Kompetenzen. Die Ergotherapie dauert 3 bis 6 Monate an. Zum Abschluss erhalten die Gefangenen eine Teilnahmebescheinigung.

9. Arbeitstherapie (ATM)

Ziel der "ATM" ist es Menschen die noch nicht in anderen Arbeitsbereichen tätig sind, in kleinen Schritten an die Arbeit heranzuführen. Die Gesamtdauer der Maßnahme beträgt sechs Monate. Die Teilnehmer sollen sich während der ersten drei Monate an Tagesabläufe und Strukturen gewöhnen und im gleichen Zuge die Bereitschaft dazu entwickeln sich auf Neues einzulassen. Als Medium werden hierbei beispielsweise Holzbausätze, Falt- und Maltechniken genutzt. In den darauffolgenden drei Monaten liegt der Schwerpunkt darin, einfache handwerklich - motorische Arbeitsschritte einzuüben. Als Materialien finden dann zum Beispiel Holz, Pappe, Seide, Peddigrohr und Ton Verwendung.

Durch die erfolgreiche Teilnahme an der Maßnahme wird es den Teilnehmern ermöglicht, sich einen Grundstein (Basis) zu schaffen, um später in anderen Bereichen und Qualifikationsmaßnahmen tätig werden zu können, wie zum Beispiel in der Tischlerei, Schneiderei, Küche, Gebäudereinigung, EDV etc. der Justizvollzugsanstalt.

10. Profiling

Mittels Interviews, Gespräche und Test wird eine Einschätzung der schulischen, der beruflichen und der sozialen Kompetenz eines Gefangenen vorgenommen. Mit diesem Ergebnis kann eine geeignete Planung der schulischen und der beruflichen Weiterbildung vorgenommen werden. Das Profiling findet in Kleingruppen (4 – 5 weibliche und männliche Gefangene) statt und dauert eine Woche an. Zum Abschluss erhalten die Gefangenen eine Teilnahmebescheinigung.

11. Integrationsbegleitung

Die Integrationsbegleitung stellt ein berufliches Übergangsmanagement dar, das von weiblichen und männlichen Gefangenen in Anspruch genommen werden kann. Etwa 6 Monate vor Haftende kann die berufliche Wiedereingliederung beginnen und vorbereitet werden. Bei Bedarf steht die Integrationsbegleitung ehemaligen Inhaftierten bis zu 6 Monaten nach der Haft zur Verfügung, um bei der Arbeits- und Ausbildungssuche zu unterstützen.