Landesportal Schleswig-Holstein

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Piwik. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es hier.

Jugendarrestanstalt Moltsfelde

© JAA Moltsfelde

Pädagogischer und gesetzlicher Auftrag

Hintergründe zu unserer Arbeit.

Die inhaltliche Arbeit in der JAA richtet sich nach dem gesetzlichen Auftrag, der sich zunächst aus  § 90 JGG ergibt. Danach soll der Vollzug des Jugendarrestes das Ehrgefühl der Jugendlichen wecken und ihnen eindringlich zum Bewusstsein bringen, dass sie für das von ihnen begangene Unrecht einzustehen haben. Der Vollzug des Jugendarrestes soll erzieherisch gestaltet werden. Er soll den Jugendlichen helfen, die Schwierigkeiten zu bewältigen, die zur Begehung der Straftat beigetragen haben. § 13 Absatz 3 JGG regelt ausdrücklich, dass Zuchtmittel nicht die Rechtswirkungen einer Strafe haben, so dass sich auch der Vollzug des Jugendarrestes von einer Strafe abgrenzen muss. Entsprechend regelt § 3 des schleswig-holsteinischen Jugendarrestvollzugsgesetzes (JAVollzG), dass der Jugendarrest pädagogisch zu gestalten ist. Das schleswig-holsteinische Jugendarrestvollzugsgesetz sieht in § 2 vor, dass die Durchführung des Arrestes einen Beitrag dazu leistet, die Jugendlichen zur Führung eines eigenverantwortlichen Lebens ohne weitere Straftaten zu befähigen. Sie ist insbesondere auch auf weitere Hilfs- und Betreuungsangebote für die Zeit nach der Entlassung auszurichten. Zudem soll das Bemühen der Jugendlichen um einen Ausgleich mit dem Geschädigten (Täter-Opfer-Ausgleich) gefördert werden.

Für Dauerarrestanten wird in der JAA Moltsfelde ein umfangreiches pädagogisches Programm vorgehalten, das soziale Trainings, die Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Lebenssituation und mit Ursachen und Folgen der Straftat sowie eine kreative Freizeitgestaltung umfasst. Zu Beginn des Arrestes erstellt die Arrestanstalt unter Beteiligung der Arrestanten einen individuellen Förderplan. Der Arrest ist von einer kontinuierlichen individuellen Betreuung durch fachlich ausgebildetes Personal geprägt. In Rahmen des Dauerarrestes werden die jeweils zum Montag geladenen Arrestantinnen und Arrestanten normalerweise in eine Gruppe eingeteilt. Durch feste Betreuungspersonen soll nach Möglichkeit eine Vertrauensbasis für persönliche Gespräche hergestellt werden. Im Gruppengeschehen herrscht ein offener, aber stets die Persönlichkeit des jungen Menschen wertschätzender Diskurs zwischen den Betreuungspersonen und den Arrestantinnen und Arrestanten. Im Rahmen der Gruppenarbeit beschäftigen sich die Arrestantinnen und Arrestanten beispielsweise mit Ursachen und Folgen von Straftaten. Arrestantinnen und Arrestanten, welche die theoretischen Gruppenmodule bereits einmal absolviert haben, nehmen an einer Hausgruppe oder Werkgruppe teil, innerhalb derer die Liegenschaft und das Gebäudeinnere gepflegt bzw. instandgesetzt oder Werkstücke erstellt werden. Zusätzlich wird am Nachmittag Sport und kreative Freizeitgestaltung angeboten.

Ziel der mit den Arrestantinnen und Arrestanten durchgeführten Aktivitäten und Arbeiten – gleich ob theoretischer oder praktischer Natur – ist es, Jugendlichen und Heranwachsenden Lebenshilfen zu geben, die sie befähigen, mentale und alltagspraktische Veränderungsprozesse selbst in Gang zu bringen. So soll nicht nur ein Beitrag zur Verhinderung erneuter Straffälligkeit geleistet werden, es sollen auch neue Impulse für die weitere Entwicklung gegeben werden und lebenspraktische Fragen angegangen bzw. alltägliche Fertigkeiten gelernt werden. Hierzu werden mit den Arrestantinnen und Arrestanten beispielsweise im Rahmen von erzieherischen Trainings und in Einzel- und auch Gruppengesprächen Verhaltensweisen aufgezeigt, die Straftaten vorbeugen können oder aber Hilfestellung bei der Bewältigung von Problemen geleistet. Dabei werden vorhandene Kompetenzen positiv verstärkt. So werden die meist für die Jugendlichen selbst nur schwer überschaubaren Lebenslagen besprochen. Hinweise auf entsprechende Anlauf- und Beratungsstellen werden gegeben. Hierbei arbeitet die JAA eng mit der zuständigen Jugendgerichtshilfe, Trägern von ambulanten Maßnahmen, aber auch mit Schulen und diversen Beratungsstellen zusammen. Soweit es förderlich ist, werden Personensorgeberechtigte beteiligt. Es werden zudem Hilfs- und Betreuungsangebote für die Zeit nach der Entlassung erarbeitet. Den Jugendlichen wird bereits während des Arrestes die Möglichkeit gegeben, Kontakte zu Stellen außerhalb des Arrestes aufzunehmen. Besuche von den Eltern/Personensorgeberechtigten und Geschwistern sowie von Fachdiensten während der Arrestzeit sind gestattet. Im Übrigen fördert die Anstalt den Schriftverkehr mit den Familien und anderen nahestehenden Personen.

Des Weiteren wird vermittelt, dass das Einhalten von Regeln im täglichen Zusammenleben notwendig ist. Die ausführliche Hausordnung, deren Inhalte mit den Arrestantinnen und Arrestanten besprochen werden, regelt den Alltag in der Anstalt. Die Hausordnung strebt einen von gegenseitiger Rücksichtnahme geprägten Arrestalltag an. Sie regelt den konkreten Tagesablauf und legt Rechte und Pflichten der Arrestantinnen und Arrestanten fest. Das Einbringen von Mobiltelefonen und anderen Mitteln der Telekommunikation ist nicht gestattet. Etwaige Pflichtverstöße werden in einem Gespräch aufgearbeitet. Gegebenenfalls erfolgen ausgleichende oder beschränkende Maßnahmen.

Besonderer Wert wird in der täglichen Arbeit auf folgendes gelegt:

·         Förderung des Selbstwertgefühles und Stärkung der Kompetenzen

·         Kommunikations- und Kontaktschwierigkeiten wahrzunehmen und zu beheben

·         Konfliktsituationen zu erkennen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen

·         das Bewusstsein von Tatverantwortung zu wecken und das Einstehen für begangenes Unrecht zu lernen

·         sich die derzeitige Lebenssituation bewusst zu machen

·         sich eine Lebensplanung für die ersten Tage nach der Entlassung zu erarbeiten

·         Zukunftsperspektiven für eine eigenverantwortliche Lebensgestaltung aufzuzeigen

·         Kreativität zu fördern

·         sinnvolle Freizeitmöglichkeiten für sich zu entdecken.