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Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

Portraitfoto Karin Prien
Karin Prien

Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur

© M. Staudt/grafikfoto.de

Landtag: Kulturelle Bildung

19. Juli 2017, Schleswig-Holsteinischer Landtag, Kiel

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Abgeordnete!

Ich danke erst einmal den Regierungsfraktionen dafür, dass sie das Thema kulturelle Bildung so schnell auf den Weg gebracht und in einer der ersten Sitzungen des Landtages eine Debatte hierzu ermöglicht haben. Ich danke der SPD-Fraktion und den Abgeordneten des SSW dafür, dass sie so konstruktiv daran mitgewirkt haben, dass wir heute sogar einen gemeinsamen Antrag zustande bringen. Das finde ich großartig. Zudem darf ich ein Kompliment an Sie alle aussprechen, dass bei einer solchen Debatte zur kulturellen Bildung zu so später Stunde noch so viele Abgeordnete hier im Haus sind. Das kenne ich aus anderen Zusammenhängen anders.

Guter Auftakt für Kulturarbeit

Ich will sagen: Das ist ein guter Auftakt für unsere Kulturarbeit hier in Schleswig-Holstein in den nächsten fünf Jahren. Darauf freue ich mich ganz besonders. Es ist übrigens auch eine sehr gute Ermutigung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im neu geschaffenen Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft. Dort wächst zusammen, was zusammengehört. Ich glaube, es ist für alle, die dort arbeiten, ermutigend, dass dieses Thema bereits heute auf der Tagesordnung steht. Die kulturelle Bildung ist tatsächlich kein Luxus.

Da geht es nicht um Dinge, die man macht, wenn alles andere erledigt ist, sondern Kultur ist das Fundament unserer Gesellschaft. Sie gibt den Anstoß für wesentliche gesellschaftliche Entwicklungsprozesse und für Innovationen. Sie ist Motor der Integration - auch darauf wurde hingewiesen - und vor allem der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Sie ist entscheidend für die Persönlichkeitsentwicklung unserer jungen Menschen. Kulturelle Teilhabe und gesellschaftliche Teilhabe gehören untrennbar zusammen. Sie an junge Menschen zu vermitteln, ist vornehme Aufgabe kultureller Bildung.

Paul Auster, der amerikanische Autor, hat es ganz gut auf den Punkt gebracht, indem er sagte: "Der wahre Sinn der Kunst liegt nicht darin, schöne Objekte zu schaffen. Das ist vielmehr eine Methode, um zu verstehen. Ein Weg, die Welt zu durchdringen und den eigenen Platz zu finden."
Das gilt für die Kunst und das gilt für die Kultur als Gesamtheit ihrer künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Es geht aber auch darum, die eigene Identität zu finden und sich selbst zu vergewissern. Das ist gerade für junge Menschen so wichtig. Es geht darum: Woher komme, wer bin ich? - Das alles kann Kultur vermitteln. Dafür sind übrigens auch außerschulische Lernorte von großer Bedeutung, aber eben auch der Umstand - Sie haben darauf hingewiesen -, dass Kulturschaffende, dass Künstler, in die Schulen hineingehen. Auch das ist ein wichtiger Beitrag dazu.

Kultur ist nicht rechts und nicht links, aber Kultur ist natürlich immanent politisch. Demokratie ohne Kultur geht nicht. Insofern ist kulturelle Bildung auch ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung unserer demokratischen Gesellschaft. Deshalb ist kulturelle Bildung ein Stück weit auch politische Bildung. Sie bietet auch große Chancen für die Integration von Menschen, die zu uns geflüchtet sind, und auch für die Integration von Menschen mit Handicap - und zwar innerhalb der Schule und außerhalb der Schule.
Deshalb setzen sich die Regierungskoalition und offensichtlich auch SPD und SSW gemeinsam dafür ein, die Vernetzung von Akteurinnen und Akteuren aus Kultur und Bildung zu verfestigen und weiterzuentwickeln. Ja, es ist vieles in der letzten Legislatur gemacht worden, auf dem man aufbauen kann. Das werden wir auch tun. Aber wir sind davon überzeugt, dass da eben auch noch mehr geht.

Kulturknotenpunkte ausbauen

Weil da eben noch mehr geht, machen wir heute den Anfang. Wir werden die bestehenden regionalen Kulturknotenpunkte nutzen. Wir werden diese ausbauen. Wir werden in diesem Bereich auch weiter investieren. Ich teile auch die Einschätzung, dass die Zusammenarbeit mit der Stiftung Mercator eine sehr lohnenswerte war, glaube allerdings auch, dass man jetzt noch einmal schauen muss: Was ist gut gelaufen, was ist weniger gut gelaufen? Wo können wir gemeinsam mit der Stiftung Mercator auch noch vielleicht das eine oder andere besser machen? Das gilt natürlich ausdrücklich für das Projekt "Schule trifft Kultur - Kultur trifft Schule". Wir werden Kultur im wahrsten Sinne des Wortes weiter vernetzen, und zwar natürlich auch unter Ausnutzung der digitalen Entwicklung.

Wir haben eine vielfältige Kulturlandschaft mit vielen kreativen Akteuren. Mir persönlich, aber auch Herrn Dr. Grundei, dem zuständigen Staatssekretär in diesem Bereich, ist viel daran gelegen, möglichst viele der Kulturschaffenden in den nächsten Monaten kennenzulernen. Wir sind intensiv unterwegs, um das zu schaffen, weil Kultur ohne Begegnung und ohne Diskurs nicht funktioniert. Deshalb ist uns das auch so wichtig. Deshalb war es auch ein folgerichtiger Gedanke zu sagen: Wir institutionalisieren ein Forum für kulturelle Bildung. Es wird darum gehen, inhaltlich strategisch miteinander zu beraten, wie man dieses Thema konzeptionell voranbringen kann. Wir setzen darauf, dass aus diesem Diskurs wichtige Gedanken entstehen, um dieses Projekt weiterzuentwickeln. Ich freue mich darauf. Ich freue mich auf die Gespräche. Ich freue mich auch auf die Reibungen, die aus solchen Gesprächen entstehen. In jedem Fall freue ich mich auf ein lebendiges Forum, das die kulturelle Bildung in Schleswig-Holstein voranbringen wird. Auch in diesem Zusammenhang freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen allen.

Vielen Dank!