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Der Ministerpräsident - Staatskanzlei

Portraitfoto Daniel Günther
Daniel Günther

Ministerpräsident - Staatskanzlei

© M. Staudt / grafikfoto.de

Israelischer Ehrentitel für Rendsburger

Datum 07.11.2017

Erich Mahrt versteckte seine jüdische Verlobte vor den Nationalsozialisten. Die Gedenkstätte Yad Vashem hat ihn nun posthum als "Gerechten unter den Völkern" geehrt. Im November erinnert das Jüdische Museum Rendsburg an ihn.

Ein altes Familienfoto: Links sitzt ein Mann und hat einen Hund auf dem Arm, daneben sitzt eine Frau mit einem Säugling. Erich Mahrt heiratete seine Frau Wally 1945, ein Jahr später kam ihr Sohn zur Welt. (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Erich Mahrt heiratete seine Frau Wally 1945, ein Jahr später kam ihr Sohn zur Welt. © dpa

Für Wally Gortatowski beginnen am ersten Dezember 1942 die längsten drei Jahre ihres Leben. Am Vormittag hatte der Postbote den Deportationsbescheid nach Auschwitz für die 32-jährige Jüdin gebracht. Für ihren Verlobten und späteren Ehemann Erich Mahrt ist das der Zeitpunkt, auf den er sich seit einem halben Jahr vorbereitet hat. Die beiden fahren in die Laubenkolonie "Gemütlicher Hase" in Berlin-Hohenschönhausen. Schon im Juni hatte Erich hier ein Gartenhäuschen angemietet. Hier verbringt Wally die nächsten Jahre bis Kriegsende.

Besondere Ehre

Für die Rettung seiner späteren Frau hat die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem Erich Mahrt nun den Ehrentitel "Gerechter unter den Völkern" verliehen. Er ist nichtjüdischen Menschen vorbehalten, die ihr Leben riskierten, um Juden zu retten. Einer der bekanntesten deutschen "Gerechten" ist der Unternehmer Oskar Schindler, der rund 1.200 bei ihm angestellte jüdische Zwangsarbeiter rettete. Erich Mahrt ist der erste gebürtige Schleswig-Holsteiner, der diese Anerkennung erhält.

Verfolgung war alltäglich

1930 hatten sich Erich und Wally kennengelernt. Er, Elektriker bei einer Hamburger Reederei, aus einer Arbeiterfamilie und KPD-Mitglied, sie aus einer angesehenen jüdischen Familie in Rendsburg.

Nachdem das Textilgeschäft ihrer Familie aufgrund der andauernden Repressalien schließen muss, zieht Wally mit ihren Verwandten zuerst nach Itzehoe, 1939 dann nach Berlin. 1940 folgt Erich ihr in die Reichshauptstadt, wo er weiter als Elektriker arbeitet.

Versteckt in der Gartenlaube

1942 dann der Umzug in das Gartenhaus. Hier lebt Wally bis Kriegsende, leidet. Sie verliert sieben Zähne, ist unterernährt. Bei Bombenangriffen versteckt sich die junge Frau in einem Erdbunker, in dem sonst Gemüse gelagert wird. Die Vermieterin der Gartenlaube weiß um die versteckte Jüdin, behält das Geheimnis aber für sich. Wally ist eine von rund 6.000 Juden, die in der Kriegszeit in Berlin untergetaucht sind - von ihnen überleben nur rund 1.000 Menschen. Insgesamt ermorden die Nationalsozialisten rund sechs Millionen Juden. Wally selbst ist die einzige aus ihrer Familie, die den Massenmord überlebt.

Außenansicht des Gebäudes. Jüdisches Museum in Rendsburg. (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Mit einer Gedenkveranstaltung erinnert das Jüdische Museum in Rendsburg an Erich Mahrt. © M. Staudt / grafikfoto.de

Leben in der Fremde

Im Juli 1945, kurz nach Kriegsende, heiraten Wally und Erich, ein Jahr später kommt ihr Sohn zur Welt. 1949 zieht das Paar zurück nach Rendsburg. Von dort aus wandern sie nach Argentinien aus, wo sie bis 1976 leben, bevor sie im Rentenalter in ihre alte Heimat zurückkehren. Hier nimmt sich Wally drei Jahre später das Leben. Erich stirbt 1988.

Gedenkveranstaltung im Jüdischen Museum

Am 9. November, dem Jahrestag der Pogromnacht gegen die Juden in Deutschland im Jahr 1938, wird das Jüdische Museum Rendsburg an Erich Mahrt erinnern. Die Gedenkveranstaltung stellt den Höhepunkt der 30. "Novembertage" des Museums dar. Vom 2. bis zum 30. November rufen Filmaufführungen, Vorträge und Konzerte die Verfolgung der Juden in Deutschland ins Gedächtnis.

Weitere Informationen

Yad Vashem: Die Gerechten unter den Völkern

"Novembertage" im Jüdischen Museum Rendsburg

Quelle: u.a. dpa