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Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein

© Archäologisches Landesamt S-H

Der Wrackfund im Watt am Japsand bei Hallig Hooge

Winterliche Impression am Japsand bei Hallig Hooge.Winterliche Impression mit dem Wrackfund am Japsand bei Hallig Hooge. © ALSH

Bei archäologischen Funden im Wattenmeer muss schnell gehandelt werden, da sie sobald wieder verschwinden können, wie sie aufgetaucht sind. Daher unternahmen Mitarbeiter des Archäologischen Landesamtes nur wenige Tage nach der Meldung eines neuen Wrackfundes am Japsand bei Hallig Hooge eine Untersuchung des Fundes vor Ort.

Anfang Februar 2017 hatten die Einwohner der Hallig Hooge Dirk Bienen-Scholt, Torsten Junker und Paul Rusch das Wrackteil bei einer Wattwanderung etwa 1,5 km westlich von Hooge am Rande des Japsandes entdeckt. Sie unterstützten auch die Probenentnahme und Dokumentation des Wrackfundes mit persönlichem Einsatz und Ortskenntnis. Der Fundort ist nur bei Niedrigwasser über einen Zeitraum von etwa 2-3 Stunden erreichbar; jegliche Ausrüstungsgegenstände, Mess- und Zeichengerät sowie Werkzeuge müssen zu Fuß mitgebracht werden. Gleiches gilt für den Rücktransport der gewonnen Holzproben.

Mitarbeiter des ALSH und die Finder des Wracks Dirk Bienen-Scholt, Torsten Junker und Paul Rusch bei der Dokumentation des Wrackfundes.Mitarbeiter des ALSH und die Finder des Wracks Dirk Bienen-Scholt, Torsten Junker und Paul Rusch bei der Dokumentation des Wrackfundes. © ALSH

Wie bereits beim dem Wrackfund von Sylt an der Hörnum Odde praktiziert (siehe Beiträge vom 14.10.2016 und 16.12.2016) wurden eine 3D-Modell-Dokumentation angefertigt, konstruktive Details beschrieben und Holzproben für die dendrochronologische Altersbestimmung und die Materialanalyse gesägt. Für die Berechnung des 3D-Modells wurden zahlreiche überlappende Fotos, von verschiedenen Blickwinkeln in einem 360° Radius aufgenommen.

Der Schiffsfund besteht aus einem Teil der Bordwand und umfasst fünf Planken und neun Spanten aus Eichenholz. Es handelt sich um ein Halbkraweel, bei dem das Unterwasserschiff geklinkert (überlappend) und die Seiten kraweel (bündig) beplankt sind. Diese ungewöhnliche hybride Bauform ist archäologisch erstmals bei einem um 1577 datierenden Wrackfund in Nordschweden nachgewiesen worden. Auch in den nachfolgenden Jahrhunderten tauchen Halbkraweele in archäologischen und schriftlichen Quellen immer wieder vor allem in Schweden auf, vermehrt im 17./18. Jahrhundert. Schiffe mit kraweeler Rumpfbeplankung stellten die Spitze der Schiffbaukunst dar. Dagegen galten Halbkraweele als prätentiös. Durch die kraweele Bauweise oberhalb der Wasserlinie sollten die Klinkerkonstruktionen, die von Zeitgenossen als altmodisch wahrgenommen und mit der ländlich-bäuerlichen Küstenschifffahrt assoziiert wurden, aufgewertet werden.

Das Wrack am Japsand bei Halig Hooge.Das Wrack am Japsand bei Halig Hooge. © ALSH

Die dendrochronologische Analyse der Proben von Planken und Spanten ergab für das Hooger Wrack eine Bauzeit von um/nach 1617. Die Herkunftsbestimmung der Schiffshölzer scheint auf eine schleswig-holsteinische Provenienz hinzudeuten. Somit liegt mit dem neuen Wrackfund vom Japsand bei Hallig Hooge nicht nur eines der ältesten Exemplare dieser hybriden Bauform vor, sondern auch das fast einzig bekannte Halbkraweel außerhalb des Ostseeraumes. Lediglich ein 2013 entdecktes Wrackfragment von Westerheversand weist eine ähnliche Konstruktion auf und datiert um/nach 1687.

Waren Halbkraweele also weitaus verbreiteter als bisher angenommen? Der neue Wrackfund vom Japsand bei Hallig Hooge spricht dafür und wirft zudem ein Licht auf eine im schleswig-holsteinischen Wattenmeer bisher wenig bekannte Schiffbautradition.