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Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein

© Archäologisches Landesamt S-H

Das Wrack eines Plattbodenschiffs am Strand von Sylt

Die stetigen Landverluste an der Südspitze Sylts führten dazu, dass an der Westseite der Hörnum Odde ein Schiffswrack freigespült wurde. Spaziergänger meldeten Anfang Oktober 2016 hölzerne Wrackteile, die nur bei Niedrigwasser trocken fallen und sichtbar werden. Daraufhin konnten Mitarbeiter des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein im Rahmen einer kurzfristigen Sichtung, Einmessung und Dokumentation eine erste Beurteilung des Fundes vornehmen.


Es handelt sich um die Überreste eines für das Wattenmeer typischen Plattbodenschiffs mit Beplankung in Kraweelbauweise, vermutlich aus dem 17./18. Jahrhundert. Für eine genauere Einordnung muss jedoch die dendrochronologische Untersuchung der drei entnommenen Holzproben von Spanten des Schiffs abgewartet werden. Auf den ersten Blick können der Wrackfund des holländischen Frachtenseglers von Uelvesbüll (zu sehen im Schifffahrtsmuseum Nordfriesland in Husum) und das Wrack aus dem Hedwigenkoog, Kr. Dithmarschen, als Vergleiche herangezogen werden.


Wahrscheinlich war das Schiff bei der Umfahrung der Insel auf Grund gelaufen. Die Position des Fundpunktes zeigt, dass das Wrack jahrhundertelang unter den Dünen des südlichen Sandhakens eingebettet war. Vergleicht man die heutige Situation mit der Königlich Preußischen Landesaufnahme, ergibt sich, im Gegensatz zum jetzigen Fundort, ein Strandungsort an der südöstliche Küste.

Vermessungsarbeiten am Wrack vor SyltVermessungsarbeiten am Wrack vor Sylt © ALSH

Das Wrack war zum Zeitpunkt der Beobachtung auf einer Länge von etwa 10 Metern sichtbar. Teile der erhaltenen Spanten und der Bodenplanken waren durch die Lagerung verzogen. Weitere Bereiche des Schiffs lagen noch unter dem Sand. Vermutlich ist auf einer Seite des Rumpfes die Kimm, also der Umbruch des flachen Schiffsbodens zur Bordwand, erkennbar und eine 38 cm breite und 7 cm dicke Kimmplanke erhalten. Hier war die Verbindung der Planken durch Hakenlaschen erkennbar. Für die Schiffskonstruktion, die vor allem durch Holznägel verbunden ist, waren relativ schnell gewachsene Eichen, zum Teil noch mit anhaftender Rinde, sowie Nadelholz verwendet worden. Spuren von Eisen, möglicherweise von einer zusätzlichen Stabilisierung des Holzrumpfes, wurden ebenfalls beobachtet. Der unregelmäßige Verlauf der Spanten weist auf die Schalenbauweise des Schiffes hin. Weitere Baudetails wie die Verkeilung der Holznägel mit eckigen Deuteln, Brandspuren vom Biegen der Planken und das Vorhandensein von eckigen Spiekerpennen müssen in die weitere Bearbeitung des Fundes eingehen.


Aufgrund der fragmentarischen Erhaltung des Wracks, bisher fehlender Beifunde und seines verhältnismäßig jungen Alters ist eine Bergung und Konservierung der Holzteile nicht geplant. Auch weitere Untersuchungen sind schwierig zu verwirklichen, da die Fundstelle im Tidebereich nicht dauerhaft freigelegt und grabungstechnisch dokumentiert werden kann.


Dennoch konnten durch den kleinen Einsatz vielfältige Informationen zu dem Fund gesammelt werden. Die erstellte Fotoserie ermöglicht eine nachträgliche Weiterverarbeitung der Dokumentation, beispielsweise für die Erstellung eines 3D Modells durch Structure from Motion Technik. Darüber hinaus kann der Fundpunkt zur historischen Landschaftsrekonstruktion der bewegten Nehrungs- und Dünenareale an der Hörnum Odde beitragen.

ImpressionenImpressionen © ALSH