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Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein

© Archäologisches Landesamt S-H

Das alte Kiel

Gruben, Gruben, Gruben ...

Weitere mittelalterliche Befunde treten in Kiel zutage

Brunnen des 19. JahrhundertsEin Brunnen des 19. Jahrhunderts aus Backstein. Der Brunnen ist in Lehm gesetzt und besteht aus Backsteinen in Segmentform. Er wurde um 1905 aufgegeben und verfüllt. © ALSH

Die archäologischen Arbeiten im Schlossquartier gehen voran, so ist die mittelalterliche/frühneuzeitliche Bebauung in der Schlossstraße inzwischen abgetragen, darunter liegen jedoch weitere mittelalterliche Befunde.

Hierbei handelt es sich um mehrere Gruben, die sich teilweise überschneiden. Bereits in den darüberliegenden Kellern haben sich die Gruben angedeutet, waren doch einige Mauern und Fußböden abgesackt. Die meisten Gruben hatten keinen längeren Bestand, sie wurden zur Materialentnahme angelegt, man brauchte etwas Sand und den holte man sich auf dem eigenen Grundstück. Danach wurden die Gruben wieder rasch verfüllt, dabei gelangten auch zahlreiche Funde in den Boden.

Auffällig ist, dass in diesen Gruben über 800 kg Schmiedeschlacke lag. Die Schmiedeschlacke fällt beim Herstellen von Roheisen, aber auch beim Schmieden von eisernen Gegenständen an. Sie sammelt sich meist im unteren Bereich einer Esse und besteht aus Verunreinigungen des Eisens und kleineren Eisenresten. Dies zeigt, dass in unmittelbarer Nähe wohl eine Eisenverarbeitung bestand. Dazu passt, dass die Schlossstraße im Mittelalter eine Zeitlang als Schmiedestraße bezeichnet wurde. Einen weiteren Einblick in das ansässige Handwerk liefern zahlreiche abgesägte Gelenke von Rinderfußknochen. Hier arbeitete wohl ein Kammmacher oder Knochenschnitzer. Bei der Herstellung von sog. Steilkämmen waren die Gelenkenden der Fußknochen nicht zu gebrauchen und wurden kurzerhand abgesägt. In der Werkstatt wurden auch Ziegenhörner weiterverarbeitet. Auch hier wurden die nicht benötigten Teile abgesägt.

Knochen für die KammherstellungAbgesägte Knochen, als nicht verwertbare Reste bei der Kammherstellung. © ALSH

Durch Keramikfunde können wir diese Tätigkeiten in das ausgehende 13. und 14. Jahrhundert datieren, dabei trat auch Importkeramik aus dem französischen Rouen zutage.

In den nächsten Tagen wird eine Kulturschicht des 13. und 14. Jahrhunderts ergraben, bereits beim Freilegen dieser Schicht wurden mehrere Metallfunde geborgen, darunter drei sog. Fürspane; Gewandschließen des ausgehenden 13. Jahrhunderts und vermutlich Reste zweier Pilgerzeichen. Ein bronzener Schreibgriffel gehörte zu einem Wachstafelbuch, das im Mittelalter als Notizbuch Verwendung fand. In ein hölzernes Brett wurde eine flache Vertiefung eingefügt, in die dann schwarzgefärbtes Wachs gegossen wurde. Mehrere Bretter wurden zu einem „Buch“ gebunden. Mit dem spitzen Ende des Griffels wurde geschrieben, das andere Ende diente zum Glätten des Wachses und damit dem „Ausradieren“ des Geschriebenen.

Die nächsten Wochen werden weitere spannende Einblicke in die Kieler Stadtgeschichte liefern.

Keller in der SchlossstraßeMittelalterliche und frühneuzeitliche Keller in der Schlossstraße © ALSH