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Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein

© Archäologisches Landesamt S-H

Ein steinzeitliches Grab und eisenzeitliche Siedlungsspuren bei Glücksburg

Bei Glücksburg wird von April bis Juni 2017 ein Großsteingrab durch eine archäologische Ausgrabung untersucht. Auf der Planungsfläche für ein neues Wohnbaugebiet bei Glücksburg wurden mehrere vorgeschichtliche Grabmonumente vermutet. Daher führte das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein dort Sondierungen durch. Tatsächlich hat sich bestätigt, dass hier verschiedene Spuren von Bestattungen und Besiedlung von der Steinzeit bis zur vorchristlichen Eisenzeit im Boden vorhanden sind.

Die steinzeitliche Grabanlage gab zunächst Rätsel auf. Wie viele dieser Großsteingräber in Schleswig-Holstein wurde auch diese Anlage in den letzten Jahrhunderten um einen Großteil ihrer Findlinge beraubt, die man für Bauzwecke benötigte. Auch um die Beackerung des Geländes zu erleichtern, wurden die Steine auseinandergezogen und versucht, sie tiefer zu vergraben. Diese Aktivitäten lassen sich während der Ausgrabung an den Spuren im Boden ablesen.

Die zerstörte Kammer und der abgetragene Deckstein im zweiten Planum, Ansicht von OstDie zerstörte Kammer und der abgetragene Deckstein im zweiten Planum, Ansicht von Ost © ALSH

Dennoch ist es möglich, die Art der Konstruktion der Steinkammer nachzuvollziehen. Solche Großsteingräber, Megalithgräber oder Hünenbetten genannt, wurden vor mehr als 5.000 Jahren errichtet. Aus großen Findlingen wurde eine Grabkammer gebaut, die mit einem Erdhügel abgedeckt wurde. Teilweise besitzen die Grabkammern einen Eingang und die Hügel sind von weiteren Steinen umgrenzt. Wahrscheinlich wurden hier über einen gewissen Zeitraum mehrere Personen einer Bevölkerungsgruppe bestattet.

In Glücksburg konnten trotz der Zerstörung der Steinkammer verschiedene Grabbeigaben gefunden werden: geschliffene Beile aus Feuerstein (Flint), reich verzierte Keramik, ein doppelaxtförmiger Bernsteinanhänger. Aufgrund ihrer typischen Keramikformen werden die Menschen dieser Zeit der Trichterbecherkultur zugeordnet. Sie waren die ersten Ackerbauern und Viehzüchter in Schleswig-Holstein und wohnten in Dörfern zusammen. Die Familien hielten engen Kontakt zu ihren Nachbarn. Erstmals bildete sich eine zunehmend differenzierte Sozial- und Herrschaftsstruktur heraus.

Um das steinzeitliche Grab herum wurden zahlreiche Gruben mit Abfällen aus der Eisenzeit entdeckt. Hier gab es also Jahrtausende später eine Siedlung. Das Grab war zu diesem Zeitpunkt noch deutlich sichtbar. Was mögen sich die Menschen der Eisenzeit für Gedanken dazu gemacht haben?

Auf dem Nachbargrundstück, das ebenfalls bebaut werden soll, befand sich ein durch die Überackerung bereits vollständig zerstörter Grabhügel. In dessen Umfeld wurden in der Eisenzeit Tote in Form einer Brandbestattung in Urnen beigesetzt.

Durch die archäologischen Ausgrabungen im Vorfeld der Bauarbeiten wird ein Teil der Besiedlungsgeschichte der Region um Glücksburg erforscht. Um die Ergebnisse anschaulich zu vermitteln, bemühen sich derzeit die Stadt Glücksburg und das Archäologische Landesamt ein Modell des Großsteingrabes aus dem originalen Steinmaterial und eine Informationstafel vor Ort zu errichten.