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Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein

© Archäologisches Landesamt S-H

Ein „Apostel“ aus dem Watt

Das nordfriesische Wattenmeer ist ein Teil Schleswig-Holsteins, in dem zweifellos zahlreiche archäologische Fundstellen verborgen liegen. Daher ist das Wattenmeergebiet nicht nur Nationalpark, sondern auch bereits seit 1973 Archäologisches Grabungsschutzgebiet. Durch die Naturgewalt der Nordsee werden jedoch immer wieder archäologische Funde freigespült. Wie auch an Land unterliegen diese laut Denkmalschutzgesetz der Meldepflicht an das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein.

Hölzerner PulverbehälterHölzerner Pulverbehälter © ALSH

Ein besonderer Fund aus dem Wattenmeer nördlich von Pellworm wurde durch Frau Gesa Niendorf und Herrn Oliver Niendorf-Kramer gemeldet. Es handelt sich um ein kleines Fläschchen aus Holz mit einem Metalldeckel. Aufgrund des vergänglichen Materials wurde das Objekt in die Konservierungswerkstatt des Archäologischen Landesmuseums in Schleswig überführt. Hier wird der Holzbehälter zurzeit in einer PEG-Lösung konserviert.

Der Fund stammt von einer Stelle, die als untergegangene Warft angesehen werden muss. Durch Sturmfluten gingen umfangreiche, bereits eingedeichte Wirtschaftsländer und erhöhte Siedlungsstellen auf Warften insbesondere im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit im Bereich des heutigen nordfriesischen Wattenmeeres verloren.

Der Holzbehälter ist ca. 12 cm hoch und wurde aus einem Stück gefertigt. Der Boden aus einer dünnen, ovalen Holzscheibe wurde separat eingesetzt. Der Hohlkörper besitzt einen ovalen Querschnitt, weißt zwei seitliche Ösen auf und verjüngt sich hin zu der runden Mündung. Die Öffnung war durch einen Metalldeckel, ebenfalls mit Ösen, verschlossen. Braune Reste auf der Oberfläche der Holzflasche zeugen von einem ehemaligen Lederbezug. Die mikroskopische Holzartbestimmung ergab die Verwendung des harten, feinen Holzes des Schneeballstrauches (Viburnum).

Musketier mit Gabelmuskete wikipedia Jacob de GheynEin Musketier mit Gabelmuskete im Dreißigjährigen Krieg (Jacob de Gheyn * um 1565 † 1629) © wikipedia Jacob de Gheyn

Zahlreiche Bildquellen zeigen, dass das hölzerne Fläschchen ein Pulverbehälter aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges war. Im archäologischen Fundgut sind diese Flaschen aus dem frühen 17. Jahrhundert äußert selten. Die Musketiere trugen vor allem in der frühen Phase des Dreißigjährigen Krieges acht bis vierzehn dieser Flaschen an einem Bandelier über der Schulter. Jede Flasche enthielt dabei die Pulvermenge für einen Schuss, je nach Kaliber waren dies ca. 15-20g Schwarzpulver. Zusätzlich hingen noch ein Beutel mit Bleikugeln und eine Pulverflasche für das Zündkraut am Bandelier. Mit der Einführung der Papierpatrone durch die schwedischen Truppen noch während des Dreißigjährigen Krieges wurden die Pulverflaschen überflüssig und verschwanden aus dem Gebrauch. Die Bezeichnung „Apostel“ für diese Flaschen ist wohl nicht zeitgenössisch, sondern erst in späterer Zeit geprägt worden und bezieht sich darauf, dass häufig genau zwölf Pulverflaschen am Bandelier getragen wurden.

Zeitlich passt die gefundene Pulverflasche zu dem Ereignis der Buchardiflut im Oktober 1634 (2. Grote Mandränke), als auch die ehemalige Insel Strand in mehrere Teile zerbrach. Denkbar ist auch ein Zusammenhang mit den Kämpfen zwischen den Einwohnern Strands und den Truppen des Herzogs Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf im Jahr 1629.