Landesportal Schleswig-Holstein

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Zertifizierungskurse am ALSH

Staatskanzlei

Die aus der ungenehmigten Suche nach Kulturdenkmalen resultierenden Schäden am archäologischen Erbe des Landes sind – soweit bekannt – erheblich. In erster Linie fällt der Blick hierbei auf gezielte Raubgrabungen mit klarem Fokus auf die persönliche Bereicherung und der damit einhergehenden bewussten Zerstörung intakter Fundzusammenhänge.

Der Großteil der Sondengänger im Land begibt sich jedoch aufgrund ganz anderer, vielfältiger und oftmals heimatgeschichtlicher Interessen ins Gelände. Oft sind gerade hier lokale Kenntnisse, technisches Fachwissen und Motivation in hohem Maße vertreten. Aus diesem Grund und mit Blick auf die langjährigen guten Erfahrungen in den skandinavischen Ländern, hat sich das ALSH bereits 2005 dazu entschlossen, mit Sondengängern zu kooperieren und diese insoweit fachlich zu schulen, wie es zum Schutz der Kulturdenkmale erforderlich ist.

Das hierfür notwendige theoretische Wissen inkl. der Rechtsgrundlagen wird für Neuabsolventen einmal jährlich im Rahmen einer zweitägigen Intensivschulung, verbunden mit Fachvorträgen zu den metallführenden Epochen und einem konkreten Einblick in die Fundkonservierung im Archäologischen Landesmuseum vermittelt. Darüber hinaus findet im direkten Anschluss ein obligatorischer eintägiger Fortbildungsbesuch beim Kampfmittelräumdienst statt, da Sondengänger aus leicht verständlichen Gründen in besonderem Maße der von Blindgängern und verklappter Munition beider Weltkriege ausgehenden Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt sind. Das richtige Verhalten beim Auffinden von Kampfmitteln dient ferner auch als vorbeugende Maßnahme gegen mögliche Verstöße gegen die Kampfmittelverordnung (KampfmV SH). Am Ende des Zertifizierungskurses, der durch die zur Verfügung stehenden Kapazitäten auf 25 Teilnehmer begrenzt ist, steht die eigenständige praktische Umsetzung und Überprüfung des Erlernten auf einer konkreten Fläche. Im Vorfeld des Theorieteils werden für die Kandidaten vom ALSH angeleitete Geländepraktika mit Unterstützung bereits zertifizierter Sondengänger angeboten, von denen an mindestens zwei Praktika teilgenommen werden soll. Für die Teilnahme an einem solchen Zertifizierungskurs werden keine Kosten erhoben.

Bei erfolgreichem Abschluss erhält der Absolvent einen Suchausweis und damit die Möglichkeit, sich die Suche nach § 12 (2) Satz 5 DSchG auf konkreten Flächen (sogenannten „Claims“) mit Ausnahme des Stadtgebietes Lübeck nach kurzfristiger Vorlage und Prüfung durch das ALSH genehmigen zu lassen. Hiervon ausgenommen sind grundsätzlich nach § 8 DSchG auf der Denkmalliste eingetragene Kulturdenkmale und auch Waldgebiete. Abgesehen von möglichen Verstößen gegen das Landeswaldgesetz (LWaldG SH) setzt dort die Gefahr der Zerstörung intakter Befundzusammenhänge mit der in der Regel fehlenden Durchpflügung des Oberbodens bereits direkt unterhalb der Oberfläche ein.

Der Suchausweis und die amtliche Kartierung der genehmigten Flächen (beides ist nicht auf andere Personen übertragbar) sind bei der Suche mitzuführen, um gegenüber Ordnungsbehörden die denkmalrechtliche Unbedenklichkeit vorweisen zu können. Ansonsten kann die strafrechtliche Verfolgung nach § 19 DSchG drohen.

Im halbjährlichen Abstand finden Fortbildungs- und Austauschtreffen für Sondengänger als Pflichtveranstaltungen statt, bei denen Flächenberichte und Fundmeldungen abgegeben, Funde vorgestellt und besprochen sowie u. a. das Erkennen von Steinartefakten geschult werden.

Mehrmals pro Jahr bieten sich den zertifizierten Sondengängern Möglichkeiten, ihr Fachwissen und ihre Fertigkeiten im Rahmen von archäologisch-historischen Forschungsprojekten oder gezielten denkmalpflegerischen Fragestellungen unter Beweis zu stellen und auf diese Weise ihre eigenen Beiträge zur Forschung nicht nur zwischen Nord- und Ostsee zu leisten.

Die Erfolge der Detektorgruppe Schleswig-Holstein zeigen mit aller Deutlichkeit die Sinnhaftigkeit der Kooperation von geschichtsinteressierten Laien und der Denkmalschutzbehörde. Viele große Entdeckungen seit der Etablierung dieses Modells „gehen auf das Konto“ von zertifizierten Sondengängern. Bedeutsame Funde konnten nach ihrer Entdeckung fachgerecht geborgen, nachhaltig versorgt und so der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Ermöglicht wurde dies vor allem durch das Erkennen archäologischer Funde und ihrer Aussagekraft, im Besonderen aber auch durch die geschulte Beobachtungsgabe und der damit verbundenen rechtzeitigen Hinzuziehung entsprechend ausgestatteter Fachleute des Archäologischen Landesamtes und der Zentralwerkstatt des Archäologischen Landesmuseums (s. Bild). Genau dies beflügelt den besonderen Reiz des Suchens und Entdeckens und honoriert zugleich das Einhalten klarer Regeln.

Kontaktadresse:

detektor.betreuung@alsh.landsh.de