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Psychosoziale Prozessbegleitung in Schleswig-Holstein

© R. Seeberg / grafikfoto.de

Was ist eine psychosoziale Prozessbegleitung? Warum kann eine solche Unterstützung sinnvoll sein?

Ein Strafverfahren und eine Aussage in einer Gerichtsverhandlung sind für die meisten Menschen, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene, eine sehr ungewöhnliche Situation, die häufig mit Ängsten und Befürchtungen verbunden ist. Hinzu kommt die Belastung, das Erlebte noch einmal vor fremden Menschen schildern zu müssen. In einer solchen Situation kann die psychosoziale Prozessbegleitung für besonders schutzbedürftige Betroffene eine wertvolle Unterstützung sein. Die psychosoziale Prozessbegleitung stellt letztlich eine besonders intensive Form der Zeugenbegleitung vor, während und nach der Hauptverhandlung dar. Dadurch können Ängste reduziert, negative Folgen vermieden, weiterführende Hilfs- und Beratungsangebote vermittelt und ein besseres Verständnis über den Ablauf eines Strafverfahrens gefördert werden.

Wer kann eine psychosoziale Prozessbegleitung in Anspruch nehmen?

Die psychosoziale Prozessbegleitung ist ein Angebot für besonders schutzbedürftige Betroffene. Die Erfahrung hat gezeigt, dass insbesondere in den nachfolgenden Fällen eine besondere Schutzbedürftigkeit der/des Betroffenen vorliegen kann:

  • Kinder und Jugendliche
  • Personen mit einer Behinderung
  • Personen mit einer psychischen Beeinträchtigung
  • Betroffene von Sexualstraftaten
  • Betroffene von Gewalttaten (mit schweren physischen, psychischen oder finanziellen Folgen oder längerem Tatzeitraum, wie z. B. bei häuslicher Gewalt oder Stalking)
  • Betroffene von vorurteilsmotivierter Gewalt und sonstiger Hasskriminalität
  • Betroffene von Menschenhandel

Das Angebot der psychosozialen Prozessbegleitung richtet sich auch an Angehörige, sofern sie besonders schutzbedürftig sind.

Was bedeutet eine Unterstützung im Rahmen der psychosozialen Prozessbegleitung konkret?

Eine Prozessbegleitung kann schon die Begleitung zur Polizei zwecks Erstattung der Strafanzeige bedeuten, jedenfalls aber die Vorbereitung auf die Hauptverhandlung, eine unterstützende Begleitung während der Verhandlung und Vernehmung sowie eine Nachbesprechung und bei Bedarf die Vermittlung weiterführender Hilfen. Die Intensität der Unterstützung hängt ganz von Ihren Bedürfnissen ab. Grundsätzlich ist eine Prozessbegleitung auch neben einer anwaltlichen Vertretung sinnvoll, da sie Unterstützung im psychosozialen und nicht im rechtlichen Sinne bietet.

Konkret kann eine Unterstützung Folgendes bedeuten:

Vor der Hauptverhandlung informieren die Prozessbegleiterinnen und -begleiter Sie und/oder Ihr Kind über

  • den Verlauf eines Strafverfahrens
  • den Ablauf einer Hauptverhandlung
  • die anwesenden Personen und ihre Funktion
  • den Ablauf einer Zeugenvernehmung
  • die Rolle als Zeugin/Zeuge
  • die Möglichkeit, sich anwaltlich vertreten zu lassen (Nebenklage)
  • mögliche Opferschutzmaßnahmen

Die Prozessbegleiterinnen und -begleiter besprechen mit Ihnen und/oder Ihrem Kind Befürchtungen und Ängste hinsichtlich der Hauptverhandlung und überlegen gemeinsam Strategien für mögliche Stresssituationen. Es ist auch möglich, zuvor das Gericht und den Gerichtssaal anzusehen. Für die Vorbereitung ist es nicht erforderlich, mit der Begleiterin oder dem Begleiter über die Tat selbst zu sprechen.
Während der Hauptverhandlung begleiten die Prozessbegleiterinnen und -begleiter Sie oder Ihr Kind während der Wartezeiten und der Vernehmung im Gerichtssaal. Direkt nach der Vernehmung können Sie und/oder Ihr Kind mit den Prozessbegleiterinnen und -begleitern das Erlebte besprechen.
Nach Beendigung des Verfahrens ist eine Nachbesprechung möglich, in dem das Urteil und die Urteilsbegründung besprochen werden sowie ggf. weitere Hilfsangebote zur Verarbeitung der Gewalterfahrung vermittelt werden können.

Was kostet das Angebot der psychosozialen Prozessbegleitung? Muss ich das Angebot wahrnehmen?

Die Prozessbegleitung ist kostenlos und freiwillig und kann in jedem Verfahrensstadium in Anspruch genommen werden.

Wer macht mich auf die psychosoziale Prozessbegleitung aufmerksam? Wer ist für mich zuständig?

Wenn Sie alleine eine Strafanzeige erstattet haben, weist Sie die Kriminalpolizei auf das Angebot der psychosozialen Prozessbegleitung hin und vermittelt Sie ggf. weiter.
Auch die Staatsanwaltschaft, die das Ermittlungsverfahren führt, wird Sie nochmals auf das Angebot der psychosozialen Prozessbegleitung hinweisen.

Wenn Sie das Angebot der psychosozialen Prozessbegleitung bereits kennen, können Sie selbst aktiv werden und sich an die für Sie örtlich zuständigen Prozessbegleiterinnen oder Prozessbegleiter wenden und sich dort näher informieren. Wer für Sie zuständig ist, erfahren Sie im Internet auf dieser Seite. Weitere Informationen können sie auch den Flyern zur psychosozialen Prozessbegleitung entnehmen, die in der Regel sowohl im Justizministerium in Kiel als auch bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft erhältlich sind.

Wer bietet eine psychosoziale Prozessbegleitung an?

Die psychosoziale Prozessbegleitung wird von sehr erfahrenen und hoch qualifizierten Kräften durchgeführt, die unter folgenden Kontaktdaten zu erreichen sind:

Landgerichtsbezirk Flensburg
WAGEMUT
pro familia Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen
Marienstr. 29-31, Eingang Lilienstr.
24937 Flensburg
Tel. 0461 9092630
info@wagemut.de
www.wagemut.de


Landgerichtsbezirk Itzehoe
Beratungsstelle Wendepunkt
Gärtnerstr. 10 – 14
25335 Elmshorn
Tel. 04121 475730
info@wendepunkt-ev.de
www.wendepunkt-ev.de

Kinderschutz-Zentrum Westküste
Bahnhofstraße 2a
25746 Heide
Tel. 0481 6837307
Kinderschutz@dw-husum.de
www.dw-husum.de

Landgerichtsbezirk Kiel
Frauennotruf Kiel
Dänische Straße 3-5
24103 Kiel
Tel. 0431 91144
info@frauennotruf-kiel.de
www.frauennotruf-kiel.de

Kinderschutz-Zentrum Kiel
Sophienblatt 85
24114 Kiel
Tel. 0431 122180
info@kinderschutz-zentrum-kiel.de
www.kinderschutz-zentrum-kiel.de

Autonomes Mädchenhaus Kiel
Holtenauer Straße 127
24118 Kiel
Tel. 0431 8058881
kontakt@maedchenhaus-kiel.de
www.maedchenhaus-kiel.de

Landgerichtsbezirk Lübeck
Frauennotruf
Musterbahn 3
23552 Lübeck
Tel. 0451 704640
kontakt@frauennotruf-luebeck.de
www.frauennotruf-luebeck.de

Kinderschutz-Zentrum Lübeck
An der Untertrave 78
23552 Lübeck
Tel. 0451 78881
Kinderschutz-zentrum-luebeck@awo-sh.de
www.awo-sh.de

Verwandte Dokumente

In den letzten Jahren sind die Bemühungen um einen verbesserten Opferschutz im Strafprozess intensiviert worden. Ein besonderes Anliegen ist der Schutz kindlicher und jugendlicher Zeugen sowie von Zeugen und Zeuginnen, die von sexueller und häuslicher Gewalt betroffen sind. Unabhängig von bestehenden strafprozessualen Möglichkeiten sowie von gesetzgeberischen Initiativen zur Einführung der Videotechnik in die Hauptverhandlung bleibt hier eine Betreuungslücke, die mit dem Zeugenbegleitprogramm geschlossen werden soll.

Jeder von uns kann einmal in die Situation kommen, als Zeugin oder Zeuge vor Gericht aussagen zu müssen.

In Schleswig-Holstein gibt es ein kostenloses Begleitprogramm für Kinder und Jugendliche, die Zeugen und Zeuginnen in einem Strafverfahren sind. Im Fall einer Gerichtsverhandlung vermittelt Ihnen die Staatsanwaltschaft auf Wunsch eine Begleitperson für Ihr Kind.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Organisation der Prozessbegleiterinnen und Prozessbegleiter in Schleswig-Holstein

Die Landesarbeitsgemeinschaft ist ein Zusammenschluss der Prozessbegleiterinnen und –begleiter, die als besonders qualifizierte Kräfte für besonders schutzbedürftige Betroffene eine besonders intensive Form der Zeugenbegleitung, die sog. psychosoziale Prozessbegleitung, anbieten. Das Angebot wird vom Justizministerium des Landes Schleswig-Holstein finanziert.

Die PDF-Datei zum Herunterladen enthält eine Übersicht über Adressen und Informationen über die Zeugenbegleiterinnen und -begleiter in Schleswig-Holstein.

Die Prozessbegleiterinnen und Prozessbegleiter sind pädagogisch qualifiziert, Informationen umfassend und in angemessener Form (kindgerecht) zu vermitteln, Ängste vor der Hauptverhandlung zu erkennen und anzusprechen sowie Lösungsmöglichkeiten anzubieten.

Sie haben eine Ladung als Zeuge erhalten und sollen in einem Zivilprozess oder in einem Strafprozess als Zeuge aussagen.

"Hilfe, ich bin Zeuge" ist ein Hinweisblatt für Zeugen des Niedersächsischen Justizministeriums.

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