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Landgericht Flensburg

©Landgericht Flensburg

Das Historische Gebäude des Landgerichts Flensburg

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Das 1882 seiner Bestimmung übergebene Gerichtsgebäude beherrscht neben der Gerichtshistorischen Sammlung und den Bauten um die Duborg-Schule das Stadtbild des westlichen Förde-Ufers. Es war architektonischer Ausdruck der neuen preußischen Macht und ist nicht ganz zu Unrecht als Einschüchterungsarchitektur bezeichnet worden. Der wuchtige Eindruck wird durch die Ausführung als Ziegelrohbau mit gotisierenden Formen, in die sich Elemente italienischer Wehrarchitektur mischen, hervorgerufen.

Nicht nur das Äußere ist unversehrt erhalten, dasselbe gilt für das Gebäudeinnere. Die Ausmalungen im Eingangsbereich und Treppenhaus im Stile des Historismus sind

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vollständig wieder hergestellt und dokumentieren das Handwerkskönnen des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Erhalten ist auch weitgehend der Schwurgerichtssaal mit seinen reichen Holzvertäfelungen und seiner verzierten Deckenkonstruktion, die dem Raum ein besonders würdiges Aussehen geben.

Bewahrt worden sind weiter eine Reihe von Kunstwerken, die zum Teil noch aus der Zeit des Gesamtstaates stammen, als die Herzogtümer Schleswig und Holstein mit Dänemark in Personalunion verbunden waren. So sind drei Gemälde aus dem früheren

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Oberappellationsgericht für das Herzogtum Schleswig übernommen.

Den Schwurgerichtssaal schmücken Die Versuchung Christi von Lorenz Frölich und Das Spießrutenlaufen der Gerechtigkeit durch die Phalanx der Federfuchser von einem unbekannten Maler. Es ist als eine Mahnung zu verstehen, das Recht nicht zum Selbstzweck verkommen zu lassen.

Im Strafkammersaal hängt ein für die dänische und schleswig-holsteinische Rechtsgeschichte und allgemeine Geschichte bedeutsames Gemälde von fast 14 qm Größe. Auf ihm wird die Verleihung des Jütischen Lows (Jydske Lov)

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durch den dänischen König Waldemar II. in Vordingborg auf Seeland im Jahre 1241 dargestellt. Das Jütische Recht galt in Jütland und großen Teilen des Herzogtums Schleswig. Im Herzogtum Schleswig behielt es über 650 Jahre lang bis zum In Kraft Treten des Bürgerlichen Gesetzbuches am 01. Januar 1900 Gültigkeit. Das Bild, das ebenfalls Frölich im Jahre 1854 gemalt hat, sollte die Verbundenheit der Herzogtümer mit Dänemark ausdrücken. Als 1864 die Preußen in Flensburg einmarschierten, stand das schon fertig verpackte Gemälde bereit zum Transport nach Kopenhagen. Die Preußen hängten es wieder auf. Als das Gerichtsgebäude am Holm zu klein wurde, zog es mit hoch ins neue Gebäude über der Stadt.

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Im zweiten Obergeschoss steht in einer Nische vor dem Zimmer des Präsidenten des Landgerichts ein Standbild Wilhelm I., des damaligen deutschen Kaisers und Königs von Preußen. Geschaffen hat es der Bildhauer Ernst Herter, Vertreter der Berliner Schule aus der spätklassizistischen Tradition des 1857 verstorbenen Christian Daniel Rauch. Herter war aber auch durch wiederholte Studienreisen nach Kopenhagen maßgeblich durch Thorvaldsen beeinflusst. Die Figur des greisen Monarchen in der Uniform des ersten Garderegiments misst einschließlich Standplatte mehr als 2 m. Sie steht auf einem 1,30 m hohen Sockel, das Material ist westfälischer Kalkstein. Das Gewicht der Figur beträgt 750 kg, das der beiden Sockelteile zusammen 1.300 kg. Durch Standort wie Gewicht gleichermaßen geschützt, steht dieses Standbild fast unberührt von allen Wandlungen der Zeit an seinem Platze.

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Die Nische zwischen den Treppenaufgängen des Eingangsbereiches wurde erst im Jahre 2002 durch die Plastik Miteinander des Glücksburger Künstlers Siegbert Amler ausgefüllt. Mit seinen Werken will er verschiedene Interpretationen ermöglichen. Man kann in den beiden zu einem Kreis verbundenen Menschen Elemente des Ringens erkennen. Der geschlossene Kreis drückt aber sicher vor allem aus, dass wir Menschen aufeinander angewiesen sind und den gemeinsamen Kreis des Lebens miteinander aufrecht erhalten müssen. Ein größerer Guss der Plastik steht in Tokio und beweist, wie eng verbunden die Welt heute ist.

Im Jahre 1963 konnte der für die damalige Zeit typische Erweiterungsbau in sogenannter Kastenarchitektur

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in Betrieb genommen werden. Auch er war bald zu klein. Nach Durchführung eines Architektenwettbewerbs, aus dem die Hamburger Architektengemeinschaft von Gerkan, Marg und Partner als Preisträger hervorging, konnte 1987 nach ihren Plänen der große Um- und Erweiterungsbau in Angriff genommen werden. Drei Riegel schmiegen sich an den Hang, passen sich durch schräge Kupferdächer zusätzlich in die Stadtsilhouette ein und werden durch ein große gläserne Halle mit einer offenen Treppe über acht Etagen miteinander verbunden, die zugleich die den Übergang zum Anbau aus dem Jahre 1963 und dem Altbau herstellt. Sie bietet herrliche Ausblicke auf das benachbarte Museum und die ganze Altstadt mit ihrem Hafen bis zum dänischen Fördeufer. Zugleich ist sie architektonischer Ausdruck des heutigen Verständnisses der Justiz mit ihrem Bemühen um Bürgernähe und Transparenz.