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Zoonosen bei Wildtieren

Staatskanzlei

Zoonosen bei Wildtieren

Zoonosen sind Erkrankungen, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können.

Hasenpest (Tularämie)

Bei der "Hasenpest" oder auch "Nagerpest" handelt es sich um eine bakterielle Erkrankung mit dem Erreger Francisella tularensis, der insbesondere bei verschiedenen Nagetieren (z.B. Mäuse, Ratten, Bisam, Eichhörnchen, Kaninchen, Hasen) in freier Wildbahn vorkommen kann und erstmals 1911 in den USA beschrieben wurde. Es sind vier Subtypen bekannt, die unterschiedlich starke Erkrankungen auslösen können. Vereinzelt wurden auch Infektionen bei Wiederkäuern und Fleischfressern nachgewiesen. Infektionen von Hunden sollen möglich, aber sehr selten sein und zeigen sich dann durch Appetitlosigkeit, Fieber, Atemwegsinfektionen oder Hautgeschwüre. Die Übertragung erfolgt von Tier zu Tier durch direkten Kontakt, Ausscheidungen (Kot) oder auch durch blutsaugende Insekten. Im nördlichen Schleswig-Holstein wurde bisher bei einem Feldhasen nur der weniger aggressive Subtyp Francisella tularensis ssp. holarctica nachgewiesen.

Infizierte Tiere erkranken nach wenigen Tagen Inkubationszeit mit Fieber, Atembeschwerden und verschiedenen Organveränderungen. Auffällig ist der reduzierte oder fehlende Fluchtreflex ("Hase läuft nicht weg"). Die Tiere verenden oft binnen weniger Tage. Eine seuchenhafte Verbreitung in der Hasenpopulation wird nicht befürchtet. Erkrankte Tiere sind häufig abgemagert, können Hautgeschwüre zeigen, der Fluchtreflex fehlt; am aufgebrochenen Tier zeigen sich Schwellungen der Lymphknoten, der Leber und der Milz sowie zahlreiche weiße bis grau-gelbe stecknadelkopfgroße Herde in diesen Organen.

Die Infektion von Menschen ist selten, bei direktem Kontakt zu infizierten Tierkörpern oder zu Blut infizierter Tiere aber möglich. Sie hat in Abhängigkeit von der Eintrittspforte und der Aggressivität des Erregers verschiedene Verlaufsformen.
Neben grippeähnlichen Symptomen können Hautgeschwüre (bei Infektion über Verletzungen der Haut), Lymphknotenschwellungen, Blasenbildung im Mund- und Rachenraum oder Lungenentzündung (nach Einatmen) sowie Fieber auftreten.

Empfehlungen:

  • Wildtiere, die sich auffällig zahm verhalten, sowie verendete Wildtiere sollten generell nicht angefasst werden - Hunde sind fern zu halten. Der zuständige Jagdausübungsberechtigte sollte informiert werden (ggf. über den Bürgermeister erfragen).
  • Verendete oder lebensschwach aufgefundene Hasen und Kaninchen sollten nicht ohne Schutz wie Handschuhe und Mundschutz berührt werden.
  • Eine verstärkte Bejagung der Hasen mit dem Ziel, die Hasenpest zu bekämpfen, ist nicht angezeigt, weil der Erreger der Hasenpest bei verschiedenen Nagetieren wie auch bei anderen Tierarten und in der Umwelt vorkommen kann, und darüber hinaus Zecken ein natürliches Reservoir bilden. Die Bejagung des Feldhasen kann im üblichen Umfang fortgeführt werden.
  • Wildfleisch stets durchgaren.

Jäger können beim Fund offensichtlich erkrankter Hasen, das zuständige Kreisveterinäramt informieren und das weitere Vorgehen abstimmen.

Krankheit und Nachweis des Erregers der Tularämie sind bei Hasen und Kaninchen meldepflichtig (Meldung an das für den Fundort zuständige Veterinäramt).

Weitere Informationen:

http://www.fli.bund.de/de/startseite/institute/institut-fuer-bakterielle-infektionen-und-zoonosen/referenzlabore/nrl-fuer-tularaemie.html