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Der Deutsche Qualifikationsrahmen - DQR

Staatskanzlei

Der Deutsche Qualifikationsrahmen - DQR

Definition, Ziele sowie Kriterien zur Einordnung innerhalb des DQR - und häufig gestellte Fragen hierzu

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Was will der Deutsche Qualifikationsrahmen?

Der DQR soll als umfassende, bildungsbereichsübergreifende Matrix zur Einordnung von Qualifikationen zum einen die Orientierung im deutschen Bildungssystem erleichtern und zum anderen zur angemessenen Zuordnung, Bewertung und Vergleichbarkeit deutscher Qualifikationen im nationalen und internationalen Kontext beitragen.

Er dient ausschließlich als Transparenzinstrument und lässt die bestehenden Zugangsvoraussetzungen im Deutschen Bildungssystem unberührt. Für die acht Niveaustufen wurden Deskriptoren festgelegt, denen formale Qualifikationen der allgemeinen, der Hochschulbildung und der beruflichen Bildung zuzuordnen sind.

Der DQR und seine europäische Entsprechung, der Europäische Qualifikationsrahmen, sollen die Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen herstellen und damit auch Mobilitätshemmnisse von Arbeitnehmern innerhalb des europäischen Arbeitsmarktes abbauen.

Was ist der Deutsche Qualifikationsrahmen?

Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) ist ein Übersetzungsinstrument, mit dessen Hilfe alle in Deutschland erwerbbaren und angebotenen Qualifikationen den acht Niveaustufen des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) zugeordnet werden können. Der DQR bildet alle schulischen, akademischen und beruflichen Qualifikationen ab und bietet so einen Rahmen für das lebenslange Lernen. Anderweitig erworbene Qualifikationen werden erst in einem nächsten Schritt in den DQR eingeordnet.

Kultus- und Wirtschaftsminister der Länder, Arbeitgeber, Gewerkschaften und die Bundesregierung haben sich am 31. Januar 2012 auf eine Matrix zur Einstufung von Bildungs- und Berufsabschlüssen geeinigt.

Wie sieht die Matrix aus?

Die acht Niveaustufen des Deutschen Qualifikationsrahmens stellen sich wie folgt dar:

Stufe 1: Primarbildung
Stufe 2: Hauptschulabschluss
Stufe 3: zweijährige Berufsausbildung
Stufe 4: dreijährige Berufsausbildung
Stufe 5: bislang sind hier nur Fortbildungs- und Weiterbildungsgänge eingeordnet
Stufe 6: Bachelor, Meister, Techniker und Fachwirt
Stufe 7: Master
Stufe 8: Promotion

Die Einordnung des Realschulabschlusses und des Abiturs wird erst aufgrund der Erfahrungen insbesondere der Nachbarländer mit deren Einordnung voraussichtlich im Jahr 2017 vorgenommen werden.

Woran orientieren sich die Deskriptoren des DQR?

Die Deskriptoren des DQR orientieren sich nicht an den “Input“-Faktoren wie Lernzeit, Lernort und Lernkontext. Sie benennen Lernergebnisse, über die Lernende am Ende ihrer Lernperiode verfügen.

Welche Kriterien sind bei der Einordnung maßgebend?

Bei der Einordnung werden die vier Kriterien „Wissen“, „Fertigkeiten“, „Sozialkompetenz“ und „Selbstkompetenz“ betrachtet.

Bedeutet die gleiche Stufe im Qualifikationsniveau, dass ich Zugang zum nächst höheren Qualifikationsniveau habe?

Nein.

Bei der Anwendung der DQR-Matrix ist zu beachten, dass auf einem Niveau gleichwertige, nicht gleichartige Qualifikationen abgebildet werden.

Der DQR definiert keine Zugangsberechtigung zum jeweils höheren Bildungsangebot. So kann nach einem in Niveau 6 eingeordneten Bildungsabschluss (Meister, Techniker, Fachwirt) nicht automatisch ein Master in Niveau 7 studiert werden. Nur, wenn ein Bachelorabschluss oder ein gleichwertiger Abschluss an einer Berufsakademie vorliegt, werden die Zugangsvoraussetzungen nach § 49 Absatz 4 des schleswig-holsteinischen Hochschulgesetzes (HSG) erfüllt.

Die Zuordnung von Qualifikationen zu den Niveaus des DQR ersetzt also nicht das bestehende System der Zugangsberechtigungen im deutschen Bildungssystem.

Kann ich auch ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung studieren?

Ja. Näheres dazu finden Sie unter Hochschulzugang für beruflich qualifizierte Personen.

Außerhalb einer Hochschule erworbene Kompetenzen und Fähigkeiten sind bei Gleichwertigkeit gemäß § 51 Absatz 2 Satz 3 des schleswig-holsteinischen Hochschulgesetzes auf ein Hochschulstudium anzurechnen. Die Hochschulen regeln diesen Sachverhalt in ihren Prüfungsordnungen.

Können mehrere Qualifikationen addiert werden, um eine höhere Zuordnung im DQR zu erreichen?

Nein. Der DQR soll bildungsbereichsübergreifend Qualifikationen beschreiben und vergleichbar machen, um die Orientierung im deutschen Bildungssystem zu erleichtern. Die Niveauangabe dient ausschließlich als Zusatzinformation zum besseren Verständnis eines Bildungszertifikats. Der DQR bildet keine individuellen Lern- und Berufsbiographien und somit kein individuelles Kompetenzniveau ab. Er kann die Qualifikationen, nicht jedoch die einzelnen Lernenden charakterisieren.

Der DQR beschreibt auch keine Systematik von Bildungswegen, innerhalb derer dann die Lernenden „von Stufe zu Stufe aufsteigen“. Maßgeblich für die Niveauzuordnung einer Qualifikation sind ausschließlich die mit ihrem Erwerb verbundenen Kompetenzen.

Eine Addition der Qualifikationen ist also nicht möglich.

Führt die Zuordnung von Meister, Fachwirt, Techniker und Bachelor zu einem gemeinsamen DQR-Niveau auch zu einer gleichen Bezahlung?

Nein. Die Zuordnungen zu den Niveaus des DQR berühren nicht bestehende tarif- oder besoldungsrechtliche Regelungen. Beim DQR geht es um die Vergleichbarkeit von Kompetenzprofilen, nicht um eine tarif- oder besoldungsrechtliche Gleichstellung von Qualifikationen. In die hier bestehenden Zuständigkeiten greift der DQR in keiner Weise ein.

Bedeutet die Zuordnung der Qualifikationen Fachwirt, Meister, Techniker und Bachelor zu einer Stufe des DQR, dass man z. B. mit dem Meisterbrief gleichzeitig auch den Bachelorabschluss erworben hat?

Nein.

Beim DQR geht es um Gleichwertigkeit von Qualifikationen (z. B.: gleiche Ausprägung der Fähigkeit, mit Komplexität und mit Veränderungen umzugehen oder selbstständig zu handeln), nicht um Gleichartigkeit. Alle bisher bestehenden Abschluss- und Qualifizierungsarten bleiben erhalten. Auch das bereits existierende System der Zugangsberechtigungen in unserem Bildungssystem bleibt unberührt. Die Qualifikationen Fachwirt, Meister, Techniker und Bachelor unterscheiden sich, was die vermittelten Inhalte, die erworbenen Kompetenzen und die fachlichen Spezialisierungen, aber auch was die Aufgabenprofile auf dem Arbeitsmarkt betrifft. Der Zugang zu (weiterführenden) Bildungsangeboten, die Zulassung zu Prüfungen oder auch die Ausstellung von Zeugnissen bleiben in der Verantwortung der zuständigen Stellen bzw. Behörden.

Bachelorgrade können nach § 53 Absatz 1 des schleswig-holsteinischen Hochschulgesetzes nur von Hochschulen aufgrund einer Hochschulprüfung verliehen werden. Das Recht zur Titelführung „Bachelor of…“ bleibt den Hochschulabsolventen vorbehalten.

Kann aufgrund eines bereits erworbenen Zeugnisses ein anderes Zeugnis der gleichen Qualifikationsstufe ausgestellt werden?

Nein. Wie bereits unter 10. dargestellt bleiben alle bisherigen Abschluss- und Qualifizierungsarten und das bestehende System der Zugangsberechtigungen in unserem Bildungssystem erhalten. Die Abschlüsse eines Qualifikationsniveaus sind somit nicht austauschbar.

Wenn die Abschlüsse von Meister, Fachwirt, Techniker und Bachelor gleichwertig sind, lohnt sich überhaupt noch ein Studium?

Ja. Im deutschen Bildungssystem existieren viele verschiedene Wege, um zu einem qualifizierten Abschluss zu gelangen. Die Bildungsbereiche berufliche Aus- und Weiterbildung und Hochschule bieten eine Fülle von Qualifikationsmöglichkeiten mit dazugehörigen Abschlüssen oder Zertifikaten. Sie befähigen den Absolventen des jeweiligen Bildungsgangs zur Ausübung unterschiedlichster beruflicher Tätigkeiten und zum Zugang zu weiteren Ausbildungsgängen.

Da das bestehende System der Zugangsberechtigungen innerhalb unseres Bildungssystems unberührt bleibt, erhalten in Schleswig-Holstein nur Bewerber mit einem Bachelorabschluss auch Zugang zu einem Masterstudiengang. Ebenso wirkt sich wie unter 9. dargestellt der DQR nicht auf tarif- und besoldungsrechtliche Fragen aus.